Obdachlose in Berlin
Zwei Kältebahnhöfe sind zu wenig – Bezirksamt Lichtenberg will Überarbeitung des Konzepts

Im Kältebahnhof Lichtenberg kümmerten sich Sozialarbeiter von Karuna um die Obdachlosen, die dort Schutz vor dem Frost suchten. Berlin brauche im kommenden Winter mehr Kältebahnhöfe, heißt es nun aus dem Bezirksamt.
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  • Im Kältebahnhof Lichtenberg kümmerten sich Sozialarbeiter von Karuna um die Obdachlosen, die dort Schutz vor dem Frost suchten. Berlin brauche im kommenden Winter mehr Kältebahnhöfe, heißt es nun aus dem Bezirksamt.
  • Foto: Bezirksamt Lichtenberg
  • hochgeladen von Berit Müller

Quasi mit Frühlingsbeginn endete in Berlin die Kältehilfesaison. Der Bahnhof Lichtenberg bot Obdachlosen schon seit Anfang März zumindest tagsüber keine Zuflucht mehr. Anders, als in den Monaten davor. Für den kommenden Winter gilt es nun, das Konzept der Kältebahnhöfe zu überdenken – heißt es resümierend aus dem Bezirksamt Lichtenberg.

Das Prinzip Kältebahnhöfe plus Wärmehallen hatte die Senatsverwaltung für Soziales zu Beginn des vergangenen Winters als Modellprojekt vorgestellt, das sie – wenn es sich bewähren sollte – zu etablieren gedenke. Senat, Bezirke und die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) hatten sich damals darauf verständigt, die Bahnhöfe Moritzplatz und Lichtenberg nachts für Obdachlose offen zu halten.

Statt eine Wärmehalle einzurichten, wurde in Lichtenberg aber das Angebot des Tagestreffs für Wohnungslose in der Weitlingstraße ausgebaut und um ein Nachtcafé erweitert. Damit blieb die Hilfseinrichtung des Humanistischen Verbandes Deutschland (HVD) fast rund um die Uhr geöffnet. Manche Obdachlosen nutzten diese Aufwärmmöglichkeit in den kalten Winternächten. Viele aber blieben nicht nur nachts, sondern auch tagsüber im Durchgang zwischen U- und S-Bahnsteig, der auch Verbindung von der Siegfried- zur Weitlingstraße ist. Das löste bei Passanten, Fahrgästen und Anwohnern sehr unterschiedliche Reaktionen aus.

Hygienische Probleme 

„Es gab Verständnis bis Ablehnung“, sagt Lichtenbergs Bürgermeister Michael Grunst (Die Linke). „Natürlich ist es nicht angenehm, Armut direkt zu erleben. Sie ist aber da und löst sich nicht dadurch, dass man sie wegräumt.“ Insbesondere habe es Kritik an den hygienischen Bedingungen im Bahnhof gegeben. „Das war berechtigt. Die BVG ist deshalb dazu übergegangen, dass die Obdachlosen den Bahnhof tagsüber verlassen mussten und dann die Plätze gereinigt wurden.“

Grunst betont, dass die nächtliche Öffnung des Tagestreffs in der Weitlingstraße zu einer Entspannung der Situation am Bahnhof beigetragen habe. Und er lobt den Einsatz der Sozialverbände Karuna und HVD für die Obdachlosen. „Ich bin von dem, was Karuna und der humanistische Verband geleistet haben und immer noch leisten, sehr beeindruckt. Besonders davon, mit welcher Professionalität und menschlicher Wärme die Arbeit mit den Schwächsten der Gesellschaft erfolgt.“

Alternative benötigt

Resümierend räumt der Lichtenberger Rathauschef aber ein, dass Senat, Bezirke und BVG die warme Jahreszeit nutzen müssten, um sich für den kommenden Winter besser zu rüsten. „Zwei Kältebahnhöfe für ganz Berlin sind zu wenig“, stellt er klar. „Sie sind aus unserer Sicht auch keine adäquate Unterbringung obdachloser Menschen.“

Zwar würden die nachts offenen Bahnhöfe Menschen helfen, durch den Winter zu kommen, die aus den unterschiedlichsten Gründen keine Notunterkunft aufsuchen können oder wollen. Dennoch brauche Berlin für den kommenden Winter eine andere Lösung. „Entweder gibt es weitere Zugänge ins Hilfesystem oder ein Mehr an Kältebahnhöfen. Das werden wir mit der BVG und der Senatsverwaltung besprechen“, so Grunst.

Im Kältebahnhof Lichtenberg kümmerten sich Sozialarbeiter von Karuna um die Obdachlosen, die dort Schutz vor dem Frost suchten. Berlin brauche im kommenden Winter mehr Kältebahnhöfe, heißt es nun aus dem Bezirksamt.
In der Unterführung des Bahnhofs Lichtenberg suchten im vergangenen Winter viele Obdachlose Schutz vor der nächtlichen Kälte.
Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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