Abschied vom dicken Wintermantel
Die jährliche Schafschur im Landschaftspark durften Kindergruppen noch miterleben

"Kapuzen auf" lautete die Devise an diesem nasskalten Märztag. Die Schafschur fand trotz des widrigen Wetters statt.
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  • "Kapuzen auf" lautete die Devise an diesem nasskalten Märztag. Die Schafschur fand trotz des widrigen Wetters statt.
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Es dürfte einer der letzten Termine gewesen sein, die vor der Corona-Krise noch wie geplant in Lichtenberg stattfanden: Zur jährlichen Schafschur im Landschaftspark Herzberge kamen auch diesmal Kita- und Grundschulgruppen aus ganz Berlin. Wenn es ein paar weniger waren, als üblich, lag das eher am nasskalten Wetter.

„Frieren die Schafe denn nicht?“ lautet so auch die mit Abstand am häufigsten gestellte Frage der kleinen Zuschauer. Angesichts einstelliger Temperaturen und Dauernieselregen eine verständliche, aber unnötige Sorge, wie Schäfer Matthias Breutel erklärt. „Den Tieren fehlt die Wolle nicht. Im Gegenteil, sie können sich jetzt viel besser bewegen.“ Außerdem sei diese Art besonders robust. „Unsere Schafe leben das ganze Jahr draußen, selbst bei Minusgraden. Denen ist nicht kalt.“

Eine Kindergruppe nach der anderen darf an diesem ungemütlichen Märzvormittag ausnahmsweise auf die umzäunte Wiese im Landschaftspark Herzberge – und aus nächster Nähe verfolgen, wie die Paarhufer von ihren anthrazitfarbenen Wintermänteln befreit werden.

Die Schafschur zählt zu den Attraktionen im Park. Im Rahmen seines Angebots zur Umweltbildung lädt der Verein Agrarbörse Deutschland Ost jedes Jahr Kitas und Schulklassen dazu ein. Die Kleinen können nicht nur beim Scheren zuschauen, sondern auch Fragen rund um die Tiere loswerden. Mit ein bisschen Glück lassen sich die Schafe streicheln. Anschließend wird an Basteltischen neben der Koppel mit Naturmaterial gewerkelt. So nehmen die Kinder noch ein mit frischer Wolle beklebtes Holzschäfchen mit nach Hause.

Tut das dem Schaf nicht weh?

Die Prozedur selbst verfolgen die meisten mit einer Mischung aus Interesse und Skepsis. „Das Rasieren gefällt dem Schaf nicht“, raunt ein Erstklässler seinem Nachbarn zu. Auch ein Mädchen fragt, ob’s dem Tier wirklich nicht weh tue. Ein anderes erkundigt sich beim Team der Agrarbörse, was denn mit der Wolle passiere. Die gehe überwiegend in die Industrie, sagt Andreas Plank von der Geschäftsführung. Zum Beispiel werde Dämmmaterial daraus gemacht. „Für Pullover, Mützen oder Strümpfe eignet sich diese Wolle nicht, die würde keiner gern tragen.“ Der Name deutet es an: Das Vlies der Rauhwolligen Pommerschen Landschafe zeichnet sich nicht gerade durch kuschelweiche Qualität aus.

Der Verein hält die Tiere aber sowieso nicht zum Zwecke der Woll-, Milch- oder Fleischgewinnung. Aufgabe Nummer Eins der Herde ist die Landschaftspflege im circa 100 Hektar großen Park. Mit den Nasen am Boden ziehen die Schafe dort von Koppel zu Koppel, knabbern fast jeden Halm ab – und verhindern so ungewollten Wildwuchs. 50 Muttertiere sind es aktuell, schon in wenigen Tagen dürften mindestens noch einmal so viele pechschwarze Lämmer über die Wiesen tollen.

Belebtes grünes Kleinod

Das grüne Kleinod nahe dem Evangelischen Krankenhaus Königin Elisabeth Herzberge wurde ab 2003 auf ehemaligen Industrieflächen angelegt. Weite Teile des Parks sind mittlerweile als Landschaftsschutzgebiet ausgewiesen. Streuobstwiesen, Weiden, Pfuhle und kleine Waldstücke bieten einer Vielzahl von Tier- und Pflanzenarten eine Heimat. In friedlicher Nachbarschaft zu den Schafen leben seit einiger Zeit auch Zauneidechsen. Die Reptilien waren zuvor auf dem Rangierbahnhof Schöneweide daheim, sie wurden von Naturschützern in den beschaulicheren Lichtenberger Park umgesiedelt.

Die Pommerschen Landschafe weiden seit 2009 im Auftrag des Bezirksamtes Lichtenberg dort, zwei erfahrene Schäfer der Agrarbörse kümmern sich um das Wohl der Tiere. Für die jährliche Schur bestellt der Verein extra noch einen professionellen Schafscherer.

Die Herde grast reihum auf allen Koppeln, im Winter wie im Sommer. Nur im Frühjahr, wenn die Lämmer kommen, bleiben die Mutterschafe im südlichen Parkbereich nahe der Tramhaltestelle des Krankenhauses. Dort gibt es einen stabilen Unterstand, der den Neugeborenen Schutz und Ruhe bietet.

Die Bildungs- und Besuchsangebote des Vereins Agrarbörse erstrecken sich über das ganze Jahr. Bei geführten Spaziergängen, bei Workshops und anderen Naturerlebnissen lernen vor allem kleine Berliner jede Menge Wissenswertes über das tierische und pflanzliche Leben – nicht nur im Landschaftspark Herzberge.

Alle Informationen dazu stehen online auf http://www.agrar-boerse-ev.de. Die Agrarbörse ist unter 536 08 50 erreichbar.

Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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