Adeliger und Kommunist
Die Biografie von Ludwig Renn hat auch mit dem Bezirk zu tun

Die Ludwig-Renn-Straße in Marzahn erinnert seit 1980 an den Schiftsteller Ludwig Renn.
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  • Foto: hari
  • hochgeladen von Harald Ritter

Ludwig Renns 130. Geburtstag war am 22. April. Er war einer der namhaftesten Schriftsteller mit Parteibuch der KPD und in der DDR. Nur noch wenige wissen, dass er die beiden letzten Jahrzehnte seines Lebens in Kaulsdorf verbracht hat.

Auch seinen Lebensweg hat wahrscheinlich in seiner Umgebung niemand geahnt, als er unter dem Namen Arnold Friedrich Vieth von Golßenau am 22. April 1889 in des Geburtenregister von Dresden eingetragen wurde. Er entstammte einer alten sächsischen Adelsfamilie. Sein Vater war Mathematikprofessor und Erzieher am sächsischen Königshof. Eine enge Freundschaft verband den jungen Vieth von Golßenau mit dem sächsischen Kronprinzen Friedrich August Georg.

Zusammen mit ihm diente der junge Adelige im Königlich-Sächsischen Leib-Grenadier-Regiment Nr. 100 und begann eine Offizierslaufbahn. Den Ersten Weltkrieg verbrachte er als Kompanie- und später als Bataillonsführer an der Westfront. Nach dem Krieg wurde er zunächst Hauptmann der Dresdner Sicherheitspolizei, weigerte sich aber 1920 während des Kapp-Putsches, auf Arbeiter zu schießen und quittierte den Dienst. Dem folgten mehrere Jahre, in denen er studierte, als Kunsthändler tätig war und zu Fuß eine Reise durch Südeuropa und den Orient unternahm.

1928 erschien unter dem Titel „Krieg“ sein erstes Buch, das ihn schlagartig bekannt machte. Er wurde Mitglied der KPD, legte seinen Adelstitel ab und nannte sich fortan nach der Hauptfigur dieses Romans, Ludwig Renn. Von den Nazis wurde er sofort nach dem Reichstagsbrand im März 1933 verhaftet und später zu zweieinhalb Jahren Zuchthaus verurteilt.

Nach seiner Entlassung floh er zunächst 1936 in die Schweiz und ging anschließend nach Spanien, wo der Bürgerkrieg ausgebrochen war. Dort war die meiste Zeit als Stabschef des Thälmann-Bataillons. Nach dem Sieg der spanischen Militärs unter Franco über die Republik gelangte Renn nach Mexiko, wo er unter anderem als Vorsitzender der Bewegung „Freies Deutschland“ tätig war.

Ludwig Renn kehrte 1947 nach Deutschland zurück, in die Sowjetische Besatzungszone. Er wurde Mitglied der SED, Direktor des Kulturwissenschaftlichen Instituts und Professor an der Technischen Hochschule Dresden und später an der Humboldt-Universität. Ab 1952 lebte Renn als freier Schriftsteller und schrieb militärhistorische und politische Abhandlungen, Reise- und Lebensberichte sowie Kinderbücher. Darin verarbeitete er vor allem seine Erfahrungen in der Kaiserzeit, der Weimarer Republik und Beobachtungen während seines Exils. Für „Trini“, die Geschichte eines Indianerjungen während der mexikanischen Revolution, erhielt er 1955 einen von zwei Nationalpreisen. Von 1969 bis 1975 war er Ehrenpräsident der Akademie der Künste.

1955 kaufte Ludwig Renn zusammen mit seinen beiden Lebensgefährten Max Hunger und Hans Pierschel ein Grundstück in Kaulsdorf und baute an der Straße Am Kornfeld ein Haus. Mit beiden, die bei ihm auch als Sekretär und Fahrer angestellt waren, lebte der homosexuelle Schriftsteller dort zusammen. Nach durch Wolfgang Brauer, Vorsitzender des Heimatvereins, überlieferten Äußerungen Hans Pierschels hielt Renn sich viel an den Kaulsdorfer Seen auf und nahm Schreibzeug dorthin mit, um zu arbeiten. Ludwig Renn verstarb am 21. Juli 1979. Er wurde auf dem Zentralfriedhof Friedrichsfelde beigesetzt. In derselben Reihe ruhen auch Käthe Kollwitz und Otto Nagel.

In der DDR hat Renn zahlreiche Ehrungen erfahren, auch im Bezirk. So wurde 1980 eine Straße in Marzahn nach ihm benannt. Sie trägt bis heute seinen Namen, während das nach ihm 1981 benannte Seniorenheim am Ketschendorfer Weg nach der Wende vom neuen Träger kurzerhand umbenannt wurde.

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