Sinnvoll, aber nicht notwendig
Wie Anwohner Stadttiere vor ihrer Haustür unterstützen können

Insekten mögen's wild: Totholz und hohe Wiese bieten größere Nahrungsvielfalt.
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Eine Marzahner Anwohnerin macht sich aufgrund der Hitze Sorgen um die Berliner Stadttiere. Doch sind etwa Vögel und Kaninchen wirklich auf unsere Hilfe  angewiesen?

30 Grad plus, kein Lüftchen weht durch Marzahn-Hellersdorf. Während sich die Menschen in ihre vier Wände zurückziehen und zum eisgekühlten Getränk greifen, bewegen sich die Stadttiere weiter durch die Mittagssonne. Angelika Ritter stellt deswegen regelmäßig Schälchen mit Wasser auf. „Wir müssen doch auch an die Tiere denken bei der Hitze“, sagt sie. „Und nicht nur an Vögel. Wildkaninchen habe ich in der Nähe auch schon gesehen.“

Tatsächlich besuchen wildlebende Tiere gerne von Menschen errichtete Futterstellen – aus Not oder Bequemlichkeit? „Tieren etwas hinzustellen ist sinnvoll, notwendig nicht“, sagt Katrin Koch, Naturschutzreferentin des Naturschutzbundes (Nabu) Berlin. „Gerade Wasser zum Baden nehmen die Tiere aber gerne an.“ Koch weist jedoch auf die dringend einzuhaltende Hygiene hin. „An Futterplätzen breiten sich schnell Bakterien oder Krankheiten aus“, sagt sie. „Die Trink- oder Futtergefäße müssen daher regelmäßig gereinigt werden. Aber nicht mit Spülmittel!“ Gerade Futterstellen locken jedoch auch weniger beliebte Nachbarn an. „Wir können nicht selektiv füttern, das heißt, es fühlt sich auch mal ein Waschbär oder Fuchs von dem Futter angezogen“, erklärt Koch. Größere Säuger sollten möglichst nicht näher an Wohnsiedlungen herangelockt werden. Insbesondere Ratten und Mäuse freuten sich über frei zugängliche Nahrung. „Und dann gibt es meist Ärger und Streit unter Anwohnern und Mietern“, sagt Koch aus Erfahrung.

Auch Angelika Ritter berichtet, dass ihr tierliebes Verhalten nicht jedem in der Nachbarschaft gefällt. „Dabei sollen wir doch im Sommer an die Natur denken und etwa Bäume gießen“, erklärt die 67-Jährige. „Wir haben so viele Rentner in der Wohnsiedlung, die können doch gut was tun.“ Solange sich niemand belästigt fühle, könne man Tiere gerne füttern, sagt Koch, die für den Nabu auch am Wildtiertelefon sitzt. „Aber deswegen Streit mit Nachbarn oder der Hausverwaltung zu bekommen, ist es nicht wert.“

Koch hält ohnehin mehr davon, dass Mieter ihre Hausverwaltung dafür gewinnen sollten, den Außenbereich naturnah zu gestalten. Der Verlust an Lebensräumen lasse sich nämlich nicht durch Zufütterung verhindern. „Hohes Gras, Totholz, Brennesseln – alles, was nicht so ordentlich aussieht, ist meist gut für Wildtiere und Insekten“, erklärt die Naturschutzreferentin.

Und im Umgang mit der Hitze verfügten Tiere meist über bessere Strategien als Menschen. Oft verharrten Vögel lange Zeit beinahe regungslos an schattigen Plätzen oder nutzen kühle Luftströmungen gezielt aus, erklärt Koch. Doch sie gönnen sich wie der Mensch auch schon mal ein Sonnenbad. Zur Gefiederpflege setzen sich zum Beispiel einige Vögel minutenlang der direkten Sonneneinstrahlung aus. Amsel und Zaunkönig etwa drücken sich dabei flach auf den Boden, breiten Schwanz und Gefieder aus und sehen darin ihrem menschlichen Nachbarn auf dem Liegestuhl gar nicht so unähnlich.

Insekten mögen's wild: Totholz und hohe Wiese bieten größere Nahrungsvielfalt.
Lieber zum Wildblumenmix greifen, als Monokulturen auszusäen.

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