Büroruine soll wieder weiß erstrahlen
Haus der Statistik: Neue Fassade soll dem DDR-Original gleichen

Seit 2008 eine Ruine: Das Haus der Statistik.
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Für die Sanierung des seit 2008 leerstehenden und völlig maroden Geisterhauses an der Otto-Braun-Straße 70-72 ist jetzt die Entscheidung für die Fassadengestaltung gefallen. „Neues Gesicht mit altem Charme“ hat die Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM), die die DDR-Ruine am Alexanderplatz für 100 Millionen Euro sanieren will, die Nachricht über das ehemalige Haus der Statistik (HdS) überschrieben.

Aus 81 Entwürfen hat sich die Jury für den des Berliner Architekturbüros de+ architekten entschieden. Demnach soll die Fassade in hellem Weiß erstrahlen, mit kleinen goldenen Gestaltungselementen. Geplant ist eine „behutsame und zeitgemäße Rekonstruktion der Original-Fassade, um den besonderen Charme des Baus zu erhalten“, teilt die BIM mit. „Wir standen vor der großen Herausforderung, einerseits dem Haus der Statistik ein neues und modernes Gesicht zu verleihen, andererseits dafür Sorge zu tragen, dass sich das Gebäudeensemble nahtlos in das historische und für Berlin typische Stadtbild einfügt“, sagt BIM-Chef Sven Lemiss. Viele Berliner fühlten mit dem Gebäude als Zeugnis des DDR-Städtebaus auch eine emotionale Verbundenheit.

Vor dem neungeschossigen Stahlskelettbau entlang der Otto-Braun-Straße soll zudem ein neuer Baukörper entstehen. Auf den Entwurfsskizzen ist ein komplett mit Grünpflanzen eingepackter länglicher Pavillon zu sehen. Laut BIM soll der Bau einen öffentlichen Dachgarten bekommen und ein Ort „zum Erholen, Treffen und Kommunizieren“ sein. Die landeseigene BIM wird den Plattenbaukomplex sanieren und entwickeln.

Laut Koalitionsvertrag des rot-rot-grünen Senats, der die Häuser mit rund 55.000 Quadratmetern Fläche im vergangenen Jahr vom Bund gekauft hat, soll das Haus der Statistik „als Ort für Verwaltung sowie Kultur, Bildung, Soziales und Wohnen“ entwickelt werden. In den Erdgeschossen sind „Begegnungsszonen für Berliner und Stadtbesucher“ geplant. Die beiden Flachbauten sollen abgerissen werden und Platz für neue Wohngebäude machen. Die Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM) soll etwa 300 Wohnungen errichten. Dafür gibt es weder einen Zeitplan noch eine Finanzierungen. Wie und wo genau die Neubauten stehen werden, soll der zukünftige Planungsprozess zeigen. Im September wird im ehemaligen Fahrrad Flöckner in der Otto-Braun-Straße 72 direkt neben der Büroruine ein öffentliches Workshopverfahren gestartet.

In das sanierte Gebäude soll als erstes die Verwaltung einziehen. Das ist vor allem das Bezirksamt Mitte. Auch das Finanzamt Mitte-Tiergarten will ins HdS. Die vor drei Jahren gegründete Initiative Haus der Statistik will in dem Gebäudekomplex mit dem markanten Elfgeschosser an der Karl-Marx-Allee, dem neungeschossigen 120 Meter langen Hochhausriegel an der Otto-Braun-Straße sowie dem Zwölfgeschosser vor dem abzureißenden Flachbau – dem ehemaligen Rechenzentrum – Wohnungen für Flüchtlinge, Studenten und Senioren schaffen. Auch Künstlerateliers, Co-Working-Plätze, Kultur- und Bildungsprojekte sollen in dem Komplex entstehen.

Die Initiative ist seit 2016 eine Genossenschaft mit dem Namen ZUsammenKUNFT. Dieser Schriftzug ziert auch die Simulation der Architekten Claudia Euler und Jan Dilling, die den Fassadenwettbewerb gewonnen haben. Ob der Komplex einmal so heißen wird, ist noch offen. Laut BIM-Sprecherin Johanna Steinke sei die Namensfindung auch Teil des kommenden Workshopverfahrens.

Für Beamte und Künstler

Bis das Haus der Statistik als Beamten- und Künstlerhaus eröffnet, vergeht noch viel Zeit. Erst Anfang 2022 sollen die Fassadenarbeiten beginnen. Die ersten Mieter sollen 2023 einziehen. Derzeit würden die Planungsleistungen europaweit ausgeschrieben. Das umfangreiche Projekt wird sich noch lange hinziehen.

Der Gebäudekomplex Haus der Statistik an der Otto-Braun-Straße 70-72 wurde zwischen 1968 und 1970 gebaut. Zu DDR-Zeiten rechneten hier Mitarbeiter der staatliche Zentralverwaltung für Statistik sozialistische Produktionsergebnisse zusammen. Besonders wichtig waren die Erfassung und Aufbereitung von Daten für die Fünfjahrespläne der DDR. Im ganzen Land bekannt waren die Suhler Jagdhütte und der Natascha-Laden mit Produkten aus der UdSSR im Erdgeschoss. Es gab mit der Jagdklause und dem Mocca-Eck auch zwei Gaststätten. Das neun Meter lange Epochenbild „Lob des Kommunismus“ stammt von Ronald Paris. Nach der Wende nutzte die Stasi-Unterlagen-Behörde das Haus. Seit 2008 steht es leer.

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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