Elite-Uni im historischen Hörsaal
Private Hertie School of Governance mietet das Robert-Koch-Forum / Umbau kostet 42,5 Millionen Euro

Der Regierende Bürgermeister Michael Müller mit dem Präsidenten der Hertie School of Governance, Henrik Enderlein, und BIM-Geschäftsführerin Birgit Möhring im historischen Hörsaal des Robert-Koch-Forums.
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  • Der Regierende Bürgermeister Michael Müller mit dem Präsidenten der Hertie School of Governance, Henrik Enderlein, und BIM-Geschäftsführerin Birgit Möhring im historischen Hörsaal des Robert-Koch-Forums.
  • Foto: Landesarchiv Berlin
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Noch nutzen Schauspieler die historischen Hörsäle und Labore als Filmkulisse für Serien wie Charité oder Babylon Berlin. Doch ab 2022 werden im denkmalgeschützten Robert-Koch-Forum Manager ausgebildet.

Eine riesige Schiebetafel, holzvertäfelte Wände, steil ansteigende Sitzreihen und eine umlaufende Empore mit Säulengang – der historische Hörsaal ist einer der beliebtesten Drehorte. Für die zweite Staffel der ARD-Serie „Charité“ (Start 19. Februar) wurden hier Szenen gedreht. Der Gebäudekomplex an der Dorotheenstraße 94-96/Bunsenstraße 1 heißt Robert-Koch-Forum. Der Nobelpreisträger Robert Koch hielt hier seine Vorlesungen. Am 24. März 1882 präsentierte Professor Robert Koch in der Institutsbibliothek seine bahnbrechenden Forschungsergebnisse über die Entstehung der Tuberkulose. Für die Entdeckung des Tuberkulose-Erregers wurde Koch 1905 mit dem Nobelpreis für Medizin ausgezeichnet.

Der zwischen 1873 und 1883 nach Plänen des Architekten Paul Spieker errichtete Gebäudekomplex für die naturwissenschaftlichen, medizinischen und technischen Institute der Friedrich-Wilhelms-Universität gehört zum sogenannten Sondervermögen für Daseinsvorsorge (SODA) Berlins. Die landeseigene Berliner Immobilienmanagement GmbH (BIM) lässt das Gebäude jetzt aufwändig sanieren. Im Nachtragshaushalt 2018/2019 hat das Land Berlin hierfür weitere Investitionen im Umfang von 42,5 Millionen Euro eingeplant. Hauptmieter wird die Hertie School of Governance. Die private Eliteuniversität der gemeinnützigen Hertie-Stiftung zieht ab Sommer 2022 ins Robert-Koch-Forum. Etwa 900 Studenten und Professoren nutzen zukünftig das historische Ensemble in dem kaiserzeitlichen Bau an Dorotheen- und Wilhelmstraße.

Die Hertie School wurde vor 15 Jahren im ehemaligen Staatsratsgebäude gegründet und residiert seit 2008 im Quartier 110 an der Friedrichstraße. An der privaten Universität werden Führungskräfte im öffentlichen Bereich und in der Privatwirtschaft ausgebildet. Im Robert-Koch-Forum haben die Masterstudenten endlich mehr Platz. Für die Uni werden über 25 Seminarräume, eine Bibliothek mit 80 Plätzen, die zwei historischen Hörsäle sowie ein neuer Veranstaltungssaal mit 300 Plätzen hergerichtet. Ein Besuch des Baudenkmals wird auch zukünftig möglich sein. „Mit unserem Studienbetrieb und mit unseren vielfältigen öffentlichen Veranstaltungen werden wir das historische Gebäude mit seinen reizvollen Räumen und Sälen, Gängen und Treppenhäusern mit Leben erfüllen“, erklärt Axel Baisch, Managing Director der Hertie School.

In dem Gebäudekomplex ist bereits seit 2017 des Einstein Center Digitale Zukunft untergebracht. Darüber hinaus sollen künftig von dort aus die gemeinsamen Aktivitäten der Berlin University Alliance, einem Verbund aus Freier Universität, Humboldt-Universität, Technischer Universität und der Charité-Universitätsmedizin Berlin, koordiniert werden.

Das Robert-Koch-Forum gehört zu den größten Institutsneubauten des Kaiserreichs. Der Komplex für die naturwissenschaftlichen, medizinischen und technischen Institute der Friedrich-Wilhelms-Universität (heutige Humboldt-Universität) nimmt das gesamte trapezförmige Gelände zwischen Dorotheenstraße und Reichstagufer ein. 1873 bis 1877 entstanden das Physiologische Institut an der Dorotheenstraße 96, der große Hörsaal im Zentrum des Gebäudes sowie die Direktorenwohnungen an der südwestlichen Ecke. Die Bauten des Physikalischen Instituts an der Ecke Reichstagufer und Wilhelmstraße, 1878 fertig gestellt, wurden im Zweiten Weltkrieg stark zerstört und nach 1955 abgetragen. Heute befindet sich an dieser Stelle das Hauptstadtstudio der ARD.

In einer zweiten Bauphase 1879 bis 1883 entstand das Pharmakologische Institut an der Ecke Dorotheen- und Bunsenstraße und die Institute an der Bunsenstraße. Weiterer Raumbedarf nach 1900 erforderte die Aufstockung der ursprünglich zwei- bis dreigeschossigen Bauten. Den Erweiterungsbau für das Chemische Institut an der Bunsenstraße hat der Architekt Georg Thür 1907 den Bauten von 1883 architektonisch angepasst. Der Gebäudeteil Dorotheenstraße 94/96 wurde von mehreren Charité-Institutionen genutzt. So waren dort das Institut für Mikrobiologie und Hygiene und das Institut für Pharmakologische Toxikologie untergebracht.

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