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Senat stellt Nikolaiviertel unter Denkmalschutz

Blick vom alten Stadthaus: Das Nikolaiviertel wurde jetzt unter Denkmalschutz gestellt.
Blick vom alten Stadthaus: Das Nikolaiviertel wurde jetzt unter Denkmalschutz gestellt. (Foto: Wolfgang Bittner)

Das Landesdenkmalamt hat nach jahrelangen Forderungen das Nikolaiviertel in die Berliner Denkmalliste aufgenommen.

Das Wohn- und Geschäftsviertel rund um die mittelalterliche Nikolaikirche gilt als Vorzeigeprojekt der DDR. Die Keimzelle Berlins wurde zwischen 1983 und 1987 zur 750-Jahr-Feier nach Plänen der Architekten Günter Stahn, Rolf Ricken, Heinz Mehlan und anderen auf altem Stadtgrundriss rekonstruiert. Das Projekt gilt als „das prominenteste Beispiel einer veränderten Baupolitik der DDR in den 1980er-Jahren. Es steht für eine Phase der Rückbesinnung auf die urbanen Qualitäten gewachsener Stadtteile“, heißt es vom Landesdenkmalamt.

Prominente Bauwerke wie die Gaststätte Zum Nußbaum, das Lessinghaus oder die Gerichtslaube, die rund um die Nikolaikirche einmal gestanden hatten, wurden nachgebaut. Die meisten der etwa 800 Wohnungen wurden in Plattenbauten errichtet, die mit „historisch wirkenden Gestaltungselementen oder Giebelabschlüssen an die Traditionsbauten angepasst wurden“, heißt es.

Seit Bekanntwerden der Pläne der Wohnungsbaugesellschaft Mitte (WBM), der fast alle Gebäude gehören, die charakteristischen Arkadengänge zu schließen, um so die Geschäfte zu vergrößern, regt sich Widerstand gegen Veränderungen im historischen Viertel. Der Verein Berliner Historische Mitte fordert schon länger Denkmalschutz für das Nikolaiviertel. Das Bezirksamt hat den Erlass einer städtebaulichen Erhaltungssatzung beschlossen, die Veränderungen erschweren soll. Der Beschluss über den 2015 von der SPD-Fraktion eingebrachten Antrag wurde Ende 2017 im Stadtentwicklungsausschuss vertagt, weil die Interessengemeinschaft Nikolaiviertel die Details noch diskutieren wollte.

Zum Ende der DDR begannen die Verantwortlichen in mehreren DDR-Städten, die Lücken der kriegszerstörten oder vernachlässigten Innenstadtquartiere durch kleinteilige, angepasste Bebauung zu schließen. „In keiner anderen Stadt jedoch erreichte diese traditionsbetonte Stadtreparatur die Vollständigkeit und die Einheitlichkeit des Nikolaiviertels“, urteilen die Denkmalschützer. Auch im Westen traten Stadterneuerung und Stadtreparatur an die Stelle von Flächenabrissen und großmaßstäblicher Neubebauung. So fand in West-Berlin die Internationalen Bauausstellung 1984/87 (IBA) statt, die behutsame Stadtreparatur und Stadtneubau in Kreuzberg und anderen Ortsteilen vorführte.

„Das Nikolaiviertel hat hohen städtebaulichen, architektonischen und künstlerischen Wert als Zeugnis eines Umdenkens in der Stadt- und Architekturentwicklung in den letzten Jahren der DDR. Es ist vergleichbar mit den Anlagen der IBA in West-Berlin, von der wichtige Bauten in Kreuzberg seit 2015 unter Schutz stehen. In Berlin kann man vor Ort studieren, wie sich vor dem Mauerfall in beiden Systemen ähnliche Konzepte durchsetzten, den politischen Unterschieden zum Trotz“, sagte der für das Landesdenkmalamt zuständige Kultursenator Klaus Lederer (Linke).

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