Wieder Theater ums Monbijou-Theater
Versuchte Räumung am Wochenende

Ums zerlegte Amphitheater flattert nach der versuchten Räumung ein rot-weißes-Absperrband.
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Im Monbijoupark gibt es auch diesen Sommer kein Theater. Dabei schien der Neuanfang im vergangenen Jahr noch möglich. Die Bezirksverordneten hatten weitere Hürden weggeräumt. Und auch zuletzt war man sich einig: Kultur sollte in Parks nach der langen Zwangspause wieder gestattet sein. Doch beim Monbijoupark weigert sich das Bezirksamt beharrlich.

Die Hoffnung ist dahin. Im Monbijoupark wird es auch diesen Sommer keinen Theaterbetrieb geben. Das Bezirksamt will es so – trotz mehrerer Gegenbeschlüsse der Bezirksverordneten, trotz Protesten, Petition und unzähligen Stellungnahmen auch von prominenten Berlinern zum Erhalt des beliebten Volkstheaters. Wie eifrig das Bezirksamt versucht, Theater im Monbijoupark zu verhindern, zeigte sich am vergangenen Wochenende, als es die Räumung veranlasste. Auf die wollte man eigentlich erst einmal verzichten. Wegen des laufenden Verfahrens. Doch es kam anders.

Der ehemalige Theaterchef Christian Schulz hatte das zerlegte Amphitheater auf die Freifläche des früheren Biergartens heben lassen. Weil die Humboldt-Universität als Eigentümerin der Hochbunkeranlage im Park, also dort, wo Theater und Märchenhütten einst einluden, seine Flachbauten umbauen will und dafür den Lagerplatz des Theaters braucht. Ein Schwerlasttransporter sollte die Bühne später abholen. Das Bezirksamt bekam Wind davon und ging offenbar davon aus, dass Schulz das Amphitheater heimlich wieder aufbauen will. Polizei, Ordnungshüter und THW rückten an, mussten aber unverrichteter Dinge wieder abziehen. Für eine „Ersatzvornahme“ reichte die mitgebrachte Technik nicht aus. Rund ums demontierte Theaterrund flattert nun ein Absperrband. „Im Moment haben wir keine Erlaubnis, die Fläche zu betreten“, sagt Christian Schulz. Die Aktion des Bezirksamtes kommentiert  er mit einem Augenzwinkern. „Abtransport oder Aufbau? Das kann man so oder so sehen. Für die 99 Prozent der Berliner, die das Theater zurückhaben wollen, war es zumindest ein symbolisches 'wir könnten es schnell wieder aufbauen'.“

Spontane Demo fürs Theater

Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne) nimmt das Ganze mit weniger Humor. „Das Material lagert widerrechtlich auf öffentlichem, zugänglichem Grund und Boden und stellt eine Gefahrenquelle dar. Herr Schulz wird daher auch noch eine entsprechende Beseitigungsanordnung erhalten.“ Laut Bezirksamt hatte Schulz Ende 2019 einem gerichtlichen Vergleich zugestimmt. Der sieht vor, dass er die Märchenhütten bis März 2020 abbaut. „Dies ist bisher nicht erfolgt, was auf das Verhalten von Herrn Schulz kein gutes Licht wirft“, so von Dassel weiter. Das Bezirksamt habe entsprechende Schritte eingeleitet, um den gerichtlichen Vergleich durchzusetzen. Das Verfahren läuft noch.

Wenige Stunden nach dem Räumungsversuch am 12. Juni trafen sich im Monbijoupark Anwohner und Künstler zu einer Demo. „Um sich für den Erhalt des traditionsreichen und beliebten Kulturstandortes einzusetzen“, berichtet Sven Diedrich von der Linksfraktion. „So wie es auch diverse Beschlüsse der BVV fordern, denen sich Bürgermeister Stephan von Dassel und Stadtrat Ephraim Gothe hartnäckig widersetzen.“ So hatte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) etwa im vorigen Jahr den Neuanfang des Theaters beschlossen. Damals hieß es, Open-Air-Vorstellungen und die Unterstützung von Künstlern seien in der Corona-Pandemie wichtig. Es sollte eine Ausschreibung geben, um das Theater wieder in Betrieb nehmen zu können. Doch passiert ist nichts. Auch andere Beschlüsse liefen ins Leere (www.berliner-woche.de/288892).

Auf ihrer Mai-Sitzung verabschiedeten die Bezirksverordneten nun einen neuerlichen Antrag. Das Bezirksamt soll Anträge zur Sondernutzung von Grünflächen für Kunst und Kultur in diesem Sommer schnell, unbürokratisch und vor allem wohlwollend prüfen und entscheiden. Wobei das „Theater im Monbijoupark“ aus dem Antrag der Linksfraktion wieder rausflog, sonst hätten ihn SPD und Grüne nicht angenommen. „Theater und andere Kulturstätten waren viel zu lange geschlossen und die Künstler zum Nichtstun verdammt. Sie wollen spielen. Es gibt keinen vernünftigen Grund, sie daran zu hindern und den Berlinern die lange entbehrte Kultur weiterhin vorzuenthalten“, hatten die Linken begründet. Das gelte auch für das Theater im Monbijoupark, gegen dessen Wiederaufbau rechtlich nichts spreche, sagt Sven Diedrich.

Änderung des B-Plans nötig

Im Rathaus sieht man das anders. Die Flächen von Theater und Märchenhütten seien im Bebauungsplan planungsrechtlich als Grünfläche ausgewiesen. „Der Widerspruch zwischen politischem Willen, hier eine Grünanlage zu sichern, und der tatsächlichen kulturellen Nutzung in festen Bauwerken, die eine Baugenehmigung erfordern, ist Ursache für den jahrelangen Dauerkonflikt“. Um diesen Widerspruch aufzulösen, hatte die BVV das Bezirksamt aufgefordert, den Bebauungsplan zu ändern und Kultur im Park wenigstens temporär zu erlauben (www.berliner-woche.de/287656). Laut Bezirksamt ist man hierzu mit der Humboldt-Uni im Gespräch, einig sei man sich aber noch nicht. Und selbst wenn, würde das B-Plan-Änderungsverfahren mindestens zwei Jahre dauern.

Der Vorhang bleibt also doch auf lange Sicht zu. Was Christian Schulz bedauert. „Nicht wegen mir, ich bin nicht wichtig“, sagt er. „Aber das Theater und die Schauspieler sind es.“ Und die Berliner, die sich den Monbijoupark mehrheitlich zurückwünschten, so wie er einmal war. Mit Theater.

Ums zerlegte Amphitheater flattert nach der versuchten Räumung ein rot-weißes-Absperrband.
Die Hochbunkeranlage gehört der Humboldt-Uni. Theater wird dort schon lange nicht mehr gemacht.
Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

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