Gunther von Hagens eröffnet Menschen Museum am Fernsehturm

Plastinator Gunther von Hagens eröffnet mit seiner Frau Angelina Whalley das Menschen Museum am Fuße des Fernsehturms.
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Mitte. Die umstrittene Körperwelten-Ausstellung mit plastinierten Leichen im Sockelbau des Fernsehturms ist eröffnet. Zu einem Ansturm kam es nicht.

Es scheint, als könne er es kaum noch erwarten, enthäutet und in Pose gesetzt in einer Glasvitrine zu hocken. Kniend, mit einem Schwert in der Hand. So soll ihn Plastinator Gunther von Hagens inszenieren. Schließlich waren seine Vorfahren Ritter, erzählt Detlef von Wengler. Der 61-Jährige ist seit sieben Jahren in von Hagens' Körperspender-Datei. Er will als Plastinat durch die Welt reisen. Drei Herzinfarkte, neun Stents, und immer noch Kettenraucher - Angst vor dem Tod hat der frühere Fotograf ganz sicher nicht. Seine Zukunft als Plastikleiche sieht von Wengler eher mit Humor. "Dem Chirurgen habe ick gesagt, er soll ordentlich schnippeln. Die Leute seh’n das", erzählt der Berliner und rennt dem "lieben Gunther" hinterher, der gerade aus einer Hintertür des neuen Menschen Museums kommt und wegen seiner fortgeschrittenen Parkinson-Krankheit mühselig zur Pressekonferenz geht.

Gunther von Hagens, umstrittener Anatom und Erfinder der Plastination, will selbst nach seinem Tod als Ganzkörperplastinat auf der Welt bleiben; wahrscheinlich in der neuen Ausstellung am Fernsehturm. In welcher Pose, sei noch nicht entschieden, "aber auf jeden Fall mit Hut", sagte seine Frau und Kuratorin des Museums, Angelina Whalley.

Sie hat die Schau unterm Fernsehturm, die wie bisher alle Körperwelten-Ausstellungen für kontroverse Diskussionen sorgt, konzipiert. Unter dem Titel "Facetten des Lebens" sind 20 Ganzkörperplastinate und über 200 Organe und Knochen zu sehen. Die als Skateboarder, Akrobatenpaar oder Bogenschütze inszenierten Leichen wirken wie Kunstwerke bei Madame Tussauds, nicht wie Tote. Wahrscheinlich, weil die plastinierten Körper keine Haut und kein Gesicht haben. Die Augen wurden alle mit den gleichen handelsüblichen Kontaktlinsen präpariert. Es gibt keine Namen; und so kommt nicht unbedingt das Gefühl auf, dass es sich um echte Leichen handelt.

"Entindividualisiert" seien die Körperspender, sagt Museumschefin Angelina Whalley. Die Ausstellung "ist kein Friedhof, kein Ort zum Trauern, nicht negrophil", sagt der Ethiker und Philosoph Franz Josef Wetz, von Hagens’ Fürsprecher, der sich aufregt über die "Moralapostel", die die Menschenwürde verletzt sehen.

Wie das Bezirksamt Mitte. Bürgermeister Christian Hanke (SPD) versucht auch nach zwei Niederlagen vor Gericht, die Ausstellung zu verbieten. Nach Ansicht der Bezirksjuristen verstößt sie gegen das Bestattungsgesetz. Die Richter urteilten jedoch, dass die Plastinate keine Leichen im Sinne des Bestattungsgesetzes seien, weshalb das Menschen Museum keine Ausnahmegenehmigung des Bezirksamts benötige. Das Bezirksamt hat am 13. Februar gegen den Beschluss des Verwaltungsgerichts im einstweiligen Rechtsschutzverfahren Beschwerde eingelegt. Auch ist das anhängige Berufungsverfahren vor dem Oberverwaltungsgericht gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts vom 16. Dezember noch nicht eröffnet. Das Bezirksamt bezweifelt zudem die "Rechtmäßigkeit der bislang unbekannten Einwilligungen der betroffenen Körperspender", wie Hanke sagt.

Das Menschen Museum am Fernsehturm hat Montag bis Freitag von 9 bis 19 Uhr, am Wochenende von 10 bis 19 Uhr geöffnet. Eintritt 14, ermäßigt 12 Euro, www.memu.berlin.
Dirk Jericho / DJ

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Dirk Jericho aus Mitte

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