Mietvertrag mit Humboldt-Universität ungültig?
Bezirk Mitte verbietet den Spielbetrieb in den Märchenhütten

Seit 13 Jahren werden die Märchenhütten im Monbijoupark vom Bezirk nur geduldet.
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  • Foto: Bernd Schönberger
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Showdown im Monbijoupark. Wer spielt ab Ende November seine Märchen? Das Bezirksamt untersagt eine Nutzung der urigen Märchenhütten, die seit zwölf Jahren auf dem Hochbunker stehen und bisher lediglich geduldet wurden.

Tausende Tickets sollen schon im Vorverkauf abgesetzt worden sein. Am 22. November wollen die zwei Märchenhütten vis-à-vis vom Bode-Museum mit dem englischen Volksmärchen „Die drei kleinen Schweinchen“, Grimms „Der Arme und der Reiche“ und „Rotkäppchen und der böse Wolf“ in die Wintersaison starten. Doch Bürgermeister Stephan von Dassel (B’/Grüne) geht davon aus, „dass die Besitzer der Märchenhütten keinen Betrieb aufnehmen werden.“

Hintergrund ist, dass die Märchenhütten in diesem Jahr vom Bezirk nicht geduldet werden. Die Duldung war bisher der behördliche Trick zur Spielerlaubnis. Denn planungsrechtlich kann für die Hütten keine Baugenehmigung erteilt werden, weil die Fläche der ehemaligen Charite-Bunker im Bebauungsplan als Grünfläche ausgewiesen ist.

Wie berichtet, wollte die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) bisher mehrheitlich Theater im Monbijoupark. Doch Ende 2018 eskalierte der Streit zwischen den bisherigen Betreibern. Bühnenbildner David Regehr, Partner von Monbijou Theater-Chef Christian Schulz, hatte sich mit einer gemeinsam mit Regisseur Maurici Farré sowie Schauspieler Matthias Horn gegründeten gemeinnützigen Theater an der Museumsinsel GmbH (TadM) bei der Humboldt-Uni um den Theaterbetrieb beworben. Auf Druck der Bezirkspolitik hatte die Humboldt-Uni, der das gesamte Areal gehört, an die neue TadM vermietet. Christian Schulz war damit raus aus dem Rennen. Die BVV wollte diesen Betreiberwechsel und das „Theater im Monbijoupark auf neue Füße stellen“, wie es im BVV-Beschluss von Dezember hieß. Seitdem wurde viel schmutzige Wäsche gewaschen zwischen den Kontrahenten.

Doch jetzt hat sich David Regehr wieder mit Christian Schulz zusammengetan. Die zwei Kulturunternehmer haben mit Roger Jahnke eine neue Firma gegründet – die gemeinnützige Märchenhütten und Monbijoutheater GmbH. Jahnke ist Gründungsmitglied des Hexenkessel Hoftheaters (später Monbijou Theater). Vor fünf Jahren hatte das Hexenkessel-Gründungsensemble im Streit mit Schulz den Monbijoupark verlassen.

Wie Hans-Christoph Keller, Sprecher der Humboldt-Universität, bestätigt, hat die neue Firma von Regehr, Schulz und Jahnke einen Mietvertrag für die Hochbunker, auf dem die Märchenhütten stehen, bis 31. März 2020 bekommen. Die Theater an der Museumsinsel gGmbH hat von der HU einen Vertrag für die unteren Flächen an der Monbijoustraße erhalten. Grund für die geteilte Vergabe war laut Keller, dass sich die beiden Theaterfirmen, die sich für die Wintersaison beworben hatten, „nicht auf eine gemeinsame Betreibung einigen konnten“. Für alle behördlichen Genehmigungen seien aber die Betreiber zuständig, sagt Keller. Die Humboldt-Uni sei lediglich Vermieterin der Fläche.

Bürgermeister Stephan von Dassel, der auch das Ordnungsamt leitet, hat den Besitzern der Märchenhütten „rechtsverbindlich mitgeteilt, dass eine Nutzung der Märchenhütten nicht möglich ist“. Dass überhaupt schon Tickets verkauft werden, habe das Bezirksamt „nur zufällig über Ankündigungen im Internet“ erfahren. Wie von Dassel sagt, hat das Bezirksamt der Humboldt-Universität die aktuellen Entscheidungen mitgeteilt. „Die Humboldt-Universität hat bestätigt, dass dadurch der Mietvertrag zwischen den Besitzern der Märchenhütten und der Humboldt-Universität nicht wirksam werden kann“, sagt der Bürgermeister. Er erwartet jetzt, dass die „Märchenhütten keinen Betrieb aufnehmen“. Eine Räumung der Hütten könne aber nur der Grundstückseigentümer veranlassen, so von Dassel.

Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) ist genervt von dem andauernden Theaterkrieg im Monbijoupark. Die Bezirksverordnetenversammlung soll jetzt darüber abstimmen, ob in dem nach B-Plan als Grünanlage ausgewiesenen Monbijoupark zukünftig kulturelle Nutzungen stattfinden sollen. Das hat das Bezirksamt am 12. November beschlossen. „Wir wollen ein Bekenntnis der BVV entweder zu dem einen oder dem anderen, und danach handeln wir dann“, so Gothe in der rbb-Abendschau.

Das Team um Regisseur Maurici Farré und Schauspieler Matthias Horn steckt seit Wochen in den Märchenproben. Die Theater an der Museumsinsel gGmbH will am 28. November die Wintersaison eröffnen. Auf der unteren Fläche an der Monbijoustraße soll eine Märchenscheune genannte Konstruktion aufgebaut werden. Mal sehen, ob dann trotz aller Verbote auch in den Märchenhütten daneben das Licht brennt.

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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