Neukölln zum Lesen: Der Tod eines Baustadtrats
Bernd Hettlage erzählt von Kleingärtnern, Trödlern, Kitakonflikten und Mord

Bernd Hettlage lebt seit 2002 in ein und derselben Neuköllner Wohnung.
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  • Bernd Hettlage lebt seit 2002 in ein und derselben Neuköllner Wohnung.
  • Foto: Florian Bolk
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„Neuköllner Wut“ heißt der Kriminalroman von Bernd Hettlage, der gerade erschienen ist. Den Leser erwartet eine spannende Geschichte mit unterschiedlichsten Charakteren – und vor allem mit viel Lokalkolorit.

Baustadtrat Peter Lassner wird tot im Kleingarten des Antiquitätenhändlers Jan Keppler gefunden. Was auf den ersten Blick wie ein Selbstmord aussieht, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als Gewaltverbrechen. Keppler und sein Freund, der schwule Journalist Gerry, machen sich im Auftrag der Witwe auf die Jagd nach dem Mörder.

Schnell wird klar: Grund zur Wut auf den Baustadtrat haben viele. Er galt als „arrogantes Arschloch“ und Kleingartenhasser. Die Laubenpieper der Kolonie „Gartenschön“ an der Weserstraße, wo seine Leiche gefunden wurde, können ihn allesamt nicht ausstehen. Denn weil ihre Gärten in Bauland umgewandelt werden sollen, müssen sie runter vom Gelände. Einen Aufschub hat Lassner ihnen eiskalt verwehrt.

Wie viel Abscheu ist nötig?

Auch innerhalb seiner Partei, der SPD, hat er sich mit seiner Rücksichtslosigkeit einen erbitterten Feind gemacht. Außerdem ist ein Sportlehrer und Trainer stinksauer auf Lassner, weil dieser ohne triftigen Grund eine Turnhalle gesperrt hat. Und da wäre noch der Bauunternehmer, der den Politiker verantwortlich für den Verlust von Aufträgen macht. Doch reicht das alles für einen Mord? Oder geht es um ganz persönliche Verstrickungen? Schließlich hat Lassner die Nacht vor seinem Tod nicht im Ehebett verbracht…

Neben der Kriminalstory erzählt Bernd Hettlage etliche weitere. Zum Beispiel die von Clara, Tochter des Romanhelden Keppler. Sie wird in der Kita von einem Sechsjährigen immer wieder sexuell angetatscht – und die Erzieherinnen tun nichts dagegen, schließlich sei jedes Kind gleich wertvoll, sagen sie. Auch die Entwicklung Neuköllns ist Thema, die steigenden Mieten, die vielen Hipster. Zu denen zählt sich Keppler, Mitte 40, nicht. Er gehört eher zur Jeans-Kapuzenpulli-Fraktion: „Ich hatte weder einen Vollbart noch ein kariertes Hütchen auf, wie sie früher im Fond eines Opels lagen, um Klopapierrollen zu verhüllen. Ich trug kein Karohemd (…) geschweige denn schwarze Scheiben in Mühlensteingröße in den Ohrläppchen.“

Fiktion und Wahrheit

Interessant ist, wie der Autor Fiktion mit Tatsachen mischt. So berichtet er beispielsweise über die Kleingartenkolonie „Hand in Hand“ an der Pflügerstraße, die dem Ausbau des Campus Rütli weichen musste – so geschehen vor rund zehn Jahren. Auch die Zustände an einer Buckower Schule finden Erwähnung, ebenso wie die vielen Neuköllner „Paralleluniversen“ oder Heinz Buschkowsky und seine Nachfolgerin Franziska Giffey. „Den neuen Bürgermeister kannte ich gar nicht. Er war Anfang oder Mitte 30 und ich fragte mich, was ihn in dieses Amt gebracht hatte.“

Bernd Hettlage schreibt über Dinge, die er kennt. Wie sein Held kommt er aus Süddeutschland, hat zwei Töchter und lebt seit knapp zwei Jahrzehnten in Neukölln. Er hat unter anderem als Antiquitätenhändler und lange Zeit als Journalist und Redakteur bei Tageszeitungen und Magazinen gearbeitet.

Bernd Hettlage: Neuköllner Wut, Gmeiner Verlag, 345 Seiten, ISBN 9-783839-225851, 13 Euro.

Bernd Hettlage lebt seit 2002 in ein und derselben Neuköllner Wohnung.
Ein Buch mit vielen Geschichten.
Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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