Neue Qualität der Gewalt
Bürgermeister fordert mehr Zusammenarbeit gegen kriminelle Clans

Es ist eine schöner Spätsommerabend. Viele Besucher sind auf dem Tempelhofer Feld. Plötzlich fallen Schüsse am Eiswagen in der Oderstraße. Nach ersten Ermittlungen wurde der 36-jährige Nidal R. am Sonntag, 9. September, von acht Schüssen getroffen.

Er verstarb wenig später im Neuköllner Krankenhaus. Mit diesem Mord haben die Auseinandersetzungen zwischen den Clans einen Höhepunkt erreicht. Die Polizei geht davon aus, dass vier Täter diesen Mord verübt haben. Sie flüchteten in einem VW Golf, der wenig später ausgebrannt am Kiehlufer gefunden wurde.

Nidal R. war der Polizei und der Staatsanwaltschaft gut bekannt. Mit acht Jahren war er schon aufgefallen. Mit 20 Jahren hatte er eine dicke Strafakte. Zu den Straftaten gehörten Raub, bewaffnete Überfälle, Körperverletzung. Mehr als 14 Jahre saß er im Gefängnis.

Zwei Tage nach dem Mord äußerte sich Bürgermeister Martin Hikel (SPD) in der rbb Abendschau. Er glaubt, dass dieser Mord Angst unter der Bevölkerung hervorgerufen hat. Noch nie waren so viele Menschen direkt von Clankämpfen betroffen. Hikel spricht von einer neuen Qualität der Auseinandersetzungen, wenn jetzt auf offener Straße inmitten von Familien jemand ermordet wird. Das Opfer war ein Intensivtäter, der auch viele Feinde in der Stadt hatte. Hikel fordert, dass der Druck auf Kriminelle weiter erhöht werden muss.

Im Bezirk gehen das Ordnungsamt, die Polizei und andere Behörden bereits konsequent mit Kontrollen gegen die Clans vor. „Wir ahnden jede Kleinigkeit, bis hin zu Drogen und Waffen. Nur so kann man dem Problem Herr werden", sagt der Bürgermeister. Der Rechtsstaat müsse besser organisiert sein als die organisierte Kriminalität. Hikel fordert eine engere bundesweite Zusammenarbeit der Behörden und eine einheitliche Definition von Clan-Kriminalität.

Jugendstadtrat Falko Liecke (CDU) erklärt, dass die Politik weiter Druck auf die Szene machen muss. Nidal R. habe seine unrühmliche Karriere als Intensivstraftäter als Jugendlicher begonnen. Er sei auch in der Jugendgerichtshilfe von Neukölln kein Unbekannter gewesen. Liecke fordert vom Senat, dass er nicht zusehen dürfe, wie die Gewalt auf den Straßen ausgetragen wird. „Wir brauchen ein berlinweites Vorgehen gegen alle kriminellen Großfamilien.“

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