Schöneweide im Wandel
Spur nach rechts – Digitaler Spaziergang zum „Nazikiez“ am 8. August

Den Coronaregeln angepasst und zeitlich flexibel: Mit dem Smartphone kann man am 8. August durch Oberschöneweide streifen und mehr über die politische Vergangenheit des Ortsteils erfahren.
  • Den Coronaregeln angepasst und zeitlich flexibel: Mit dem Smartphone kann man am 8. August durch Oberschöneweide streifen und mehr über die politische Vergangenheit des Ortsteils erfahren.
  • Foto: Foto: Daria Nepriakhina, Unsplash
  • hochgeladen von Josephine Macfoy

Schöneweide war lange bekannt für eine sehr aktive und aggressive rechte Szene. Mittlerweile ziehen viele junge Familien mit ganz anderen Einstellungen in den Ortsteil. Der Hochschule für Technik und Wirtschaft (HTW) folgte ein studentisches Publikum. Wie passt das zusammen? Am Samstag, 8. August, geht das Zentrum für Demokratie Treptow-Köpenick der Entwicklung bei einem digitalen Spaziergang nach.

Anlass ist der „Antifaschistische Sommertag“, der jährlich auf unterhaltsame Weise für demokratiefeindliche Entwicklungen sensibilisieren soll. Das Projekt wurde als Reaktion auf ein NPD-Sommerfest in der Köpenicker Parteizentrale ins Leben gerufen, das 2018 viele Neonazis angezogen hatte.

Nach einer Radtour zu „Orten des Miteinanders“ und einem Putzspaziergang, bei dem 2019 rechte Schmierereien im Kiez entfernt wurden, gibt es dieses Jahr ein an die Pandemie angepasstes Programm. Geleitet durch die App „Actionbound“ kann man sich zwischen 11 und 13 Uhr mit dem Smartphone auf den digitalen Spaziergang „Schöneweide – Vom Nazikiez bis zur Gegenwart“ begeben. Los geht es am Zentrum für Demokratie an der Hasselwerderstraße 38–40, wo noch einmal genauer zum Ablauf informiert wird.

„Auseinandersetzung trotz Corona wichtig“

Die App Actionbound, die oft im Bildungskontext genutzt wird, ist mittlerweile ein beliebtes Mittel, um interaktive Schnitzeljagden zu gestalten. Benedikt Hotz vom Zentrum für Demokratie erklärt die Wahl: „Der appbasierte Spaziergang kann individuell und in kleinen Gruppen gegangen werden. In Zeiten von Corona sind viele andere Veranstaltungsformate nicht möglich, wir finden die Auseinandersetzung mit Rassismus und Neonazismus trotzdem wichtig und haben uns auch deshalb für dieses Angebot entschieden. Der Actionbound bietet die Möglichkeit, unterschiedliche Medien zu verknüpfen und Text, Audio, Bild und Videodokumente zu entdecken“, so Hotz.

Jeder kann selbst bestimmen, wann innerhalb des Zeitfensters er oder sie den eigenen Audiowalk beginnt. Das digitale Angebot soll alle, aber gerade auch Neu-Schöneweider einladen, sich mit der Geschichte des Ortes, an dem sie leben und sich bewegen auseinanderzusetzen. Das möchten viele, sagt Hotz: „Schöneweide verändert sich und wird bunter und vielfältiger. Viele Menschen, die neu in den Ortsteil kommen, haben ein diffuses Bild vom ‚Nazikiez‘ im Kopf, wissen aber wenig über die Neonazi-Strukturen und die Orte und Läden, die von Neonazis betrieben wurden. Wir erleben in Gesprächen ein großes Interesse.“

„Weiterhin eine Bedrohungslage“

Vergangenheit und Gegenwart sollen bei dem Spaziergang zusammenfinden. Denn wenn sich die Gegend auch stark gewandelt hat: Abgeschlossen ist die Auseinandersetzung um die räumliche Hoheit in Schöneweide längst nicht, meint Jeannine Löffler vom Register zur Erfassung extrem rechter und diskriminierender Einstellung: „Mit der NPD-Zentrale in der Köpenicker Seelenbinderstraße befindet sich weiterhin eine der wichtigsten Strukturen der extremen Rechten im Bezirk. Dort findet eine Vielzahl von Veranstaltungen statt. Die NPD-Zentrale dient als Rückzugsraum und Basis für die Neonazi-Szene.“

Doch nicht nur Extremismus ist ein Problem, auch im Alltag gibt es nach wie vor viele Anfeindungen. Immer noch sei Niederschöneweide der Ortsteil mit den meisten dokumentierten Übergriffen im Bezirk. „Regelmäßige rassistisch motivierte Angriffe auf Wohn- und Arbeitsräume zeigen, dass es weiterhin eine Bedrohungslage gibt“, sagt Löffler. „Hier bedarf es einer Sensibilisierung der Anwohnenden und einen solidarischen Umgang mit den Betroffenen.“

Alle Informationen zum Spaziergang und zum Sommerfest danach von 14 Uhr bis 16 Uhr in der Villa Offensiv stehen auf https://bwurl.de/15di.

Autor:

Josephine Macfoy aus Schöneberg

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

2 folgen diesem Profil

1 Kommentar

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Genießen Sie kulinarische Köstlichkeiten im Spitzenrestaurant "Machiavelli".
  4 Bilder

Restaurant "Machiavelli" am Roseneck
Seit 10 Jahren eine der besten Adressen in Grunewald

Dass das Spitzenrestaurant "Machiavelli" zu den ersten Adressen in der Hauptstadt gehört, ist berlinweit bestens bekannt. So überzeugt die Location seit dieser Zeit mit einer landestypischen italienischen, aber auch alpenländischen Kulinarik vom Feinsten. Darüber hinaus präsentiert sich das "Machiavelli" als wahre grüne Oase inmitten der Großstadt. Aktuell überrascht das Team selbstverständlich auch mit diversen Pfifferlingskreationen, wobei der beliebte, schmackhafte Pilz gern mit einem...

  • Grunewald
  • 04.08.20
  • 153× gelesen
WirtschaftAnzeige
Das Team der Fleischerei Haroun freut sich auf Ihren Einkauf.

Fleischerei Haroun
Wir haben Ihre Grillspezialitäten!

An der Prinzenallee, zwischen dem U-Bahnhof Pankstraße und der Bellermannstraße, gibt es eine stadtweit bekannte Institution: die Fleischerei Haroun. Ihr Besitzer Youcef Haroun ist der in seiner Familie traditionsreichen Berufung zum Fleischer gefolgt. Sein nach Tradition verarbeitetes Fleisch in Halal-Qualität zaubert Kennern ein Lächeln auf die Lippen. Zu seinen Stammkunden zählen die französischsprachige, aber auch in der deutschen und sogar der rumänischen beziehungsweise bulgarische...

  • Wedding
  • 04.08.20
  • 99× gelesen
SozialesAnzeige
In der Gruppe werden Erfahrungen ausgetauscht.
  2 Bilder

Kontaktstelle PflegeEngagement Reinickendorf
"Der Austausch mit anderen tut mir gut"

Inge M. freut sich schon. An zwei Montagen im Monat besucht sie das Angehörigencafé der Kontaktstelle PflegeEngagement, eine Gesprächsgruppe für pflegende und betreuende Angehörige, Freunde und Nachbarn. „Die Pflegesituation zu Hause ist oft sehr anstrengend“, sagt Inge, „das ständige Angebundensein, die körperliche Belastung und Freunde, die sich abwenden. Es gibt natürlich auch schöne Momente. Trotzdem habe ich mir meine Rente anders vorgestellt. Hier in der Gruppe treffe ich Menschen,...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 04.08.20
  • 79× gelesen
WirtschaftAnzeige
  3 Bilder

IdeeZaun
Ihr Wunschzaun wird hier Wirklichkeit

Wir, die Firma IdeeZaun, sind im Zaunhandel bereits seit 2008 tätig. Als mittelständisches Unternehmen an den Standorten Tempelhof und Hermsdorf sehen wir uns als Partner zwischen der Produktion und unseren Kunden. Wir beliefern Privatkunden sowie Garten- und Landschaftsbauer. Mittlerweile sind wir ein etabliertes Unternehmen in Berlin und Brandenburg. Daher würden wir uns freuen, Ihnen auch Ihren Wunschzaun zu planen und zu verwirklichen. Von der Beratung bis zum Aufbau: alles aus...

  • Hermsdorf
  • 04.08.20
  • 129× gelesen
BildungAnzeige
  4 Bilder

Jeder kann was!
Freie Ausbildungsplätze an der Emil Molt Akademie

Wir sind eine Berufsfachschule, Fachoberschule und Fachschule in freier Trägerschaft. Vor zwei Jahren im neuen Vollholzgebäude in Schöneberg eingezogen, freuen wir uns, Ihnen mit neuer Kapazität folgende Bildungsgänge anbieten zu können: Die Ausbildung zum Sozialassistenten, in zwei Jahren - Voraussetzung: Berufsbildungsreife (BBR) Die Ausbildung zum Kaufmännischen Assistenten, in zwei Jahren - Voraussetzung: Mittlerer Schulabschluss (MSA) Die Allgemeine Fachhochschulreife,...

  • Schöneberg
  • 01.07.20
  • 519× gelesen
  •  2
WirtschaftAnzeige
  3 Bilder

Wie hat sich das Einkaufsverhalten in Berlin und Brandenburg verändert?
Mehr Wertschätzung für regionale Lebensmittel?

Der Agrarmarketingverband pro agro und der Verband Digitalwirtschaft Berlin-Brandenburg (SIBB e.V.) befasst sich mit dem Thema:  Mehr Wertschätzung für regionale Lebensmittel.  Toilettenpapier, Hamsterkäufe, Begrenzungen der Kundenzahlen in den Geschäften - die mediale Berichterstattung der vergangenen Monate zum Einkaufsverhalten der Verbraucher war bestimmt von diesen drei Schlagzeilen.  Doch wie hat sich das Einkaufsverhalten in Berlin und Brandenburg verändert? Wurde häufiger im...

  • 03.07.20
  • 791× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen