Touristen-Boom in Berlin: Die Wirtschaft freut es – die Berliner auch?

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Berlin. Aufatmen in Berlin! Die schwülwarme Luft ist abgezogen. Böse Zungen jedoch behaupten, dass es noch einen anderen Grund fürs Aufatmen gäbe: Die Ferien sind vorbei. Viele Touristen haben die Hauptstadt (endlich) wieder verlassen.

Schlagzeilen wie „Berlins Tourismus boomt – Noch nie strömten mehr Besucher in die Hauptstadt“ (Frankfurter Allgemeine Zeitung vom 12. August) lassen die Herzen von Hoteliers und Gastronomen höher schlagen. Im ersten Halbjahr 2015 kamen 5,8 Millionen Besucher in die Hauptstadt – so viele wie niemals zuvor. Doch freut das tatsächlich alle? Überfüllte U-Bahnen und Busse, Partymeilen, Lärm, Touristen auf Segways, die kurz davor stehen, den Fahrradfahrer als Feindbild Nummer eins im Straßenverkehr abzulösen – alles das nervt viele Berliner.

Laut einer Studie aus dem Jahr 2014 freuten sich damals noch 88 Prozent aller Einwohner, dass so viele Besucher in die Hauptstadt kommen. Man müsse einiges unternehmen, um diese Akzeptanz zu erhalten, sagt Wirtschaftssenatorin Cornelia Yzer (CDU). So habe man an besonders belasteten Orten die Reinigungszyklen verkürzt. Und man werde – mit Geld aus der City-Tax – systematisch untersuchen, welche lohnenden Ziele in den zentrumsferneren Bezirken in den Fokus der touristischen Aufmerksamkeit gelangen sollten.

Fragt man Menschen auf der Straße, erhält man in der Frage der Akzeptanz von Tourismus ein etwas anderes Bild, als die Umfrage von vor zwölf Monaten suggeriert. „Es sind mittlerweile zu viele Touristen“, sagt zum Beispiel Andreas Schaper. „Wenn man wie ich auf öffentliche Verkehrsmittel angewiesen ist, noch dazu täglich Orte wie den Potsdamer Platz passieren muss und auch sein Feierabendbier nicht mehr gemütlich im Kiez trinken kann, dann ist man eben genervt.“ min

Autor:

Michael Nittel aus Reinickendorf

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