Die schöne Helena
Klaus Dieter Spangenbergs wichtiges Buch für die schwule Community

Buchvorstellung im Mann-O-Meter.
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Vor Kurzem hat der Autor Klaus Dieter Spangenberg im Schöneberger Beratungs- und Informationszentrum Mann-o-Meter vielleicht seine wichtigste Publikation der vergangenen Jahre vorgestellt.

Hinter dem Jacques Offenbachs Oper „Die schöne Helena“ entlehnten Titel steht ein ernstes und für die Regenbogen-Community im Schöneberger Norden bedeutendes Thema: Militärjustiz und Verfolgung Homosexueller in der Wehrmacht. Dazu sagt Bernd Gaiser (Jahrgang 1945), Autor und Aktivist der Lesben- und Schwulenbewegung, von den Opfern trenne seit deren Ableben nicht die vergangene Zeit, sondern ein seitdem gewachsenes Bewusstsein und Selbstverständnis der Schwulen.

Fluch und Segen zugleich für Klaus Dieter Spangenberg, dass er für die meisten seiner Bücher auf ein reichhaltiges Familienarchiv zurückgreifen kann. Im Fall der „Schönen Helena“ betrifft es die ganz persönliche Geschichte. Es geht um ein „Familiengeheimnis“, das 38 Jahre gewahrt wurde.

Als er 1982 sein Coming-out hatte, habe er von seinem unglücklichen Vorfahren erfahren, erzählt Klaus Dieter Spangenberg. Von seinem Großonkel, dem Paten seines Vaters, Friedrich Wilhelm Spangenberg, der als Soldat wegen seiner homosexuellen Veranlagung denunziert wurde, neun Monate im Militärgefängnis Torgau einsaß und danach in eine Strafkompanie versetzt und „in Russland verheizt und umgebracht“ (Bernd Gaiser) wurde. Friedrich Wilhelm Spangenberg gilt seit 75 Jahren als verschollen. Er wurde nur 30 Jahre alt.

Klaus Dieter Spangenbergs Interesse an Fritz' Schicksal wurde beim Blättern in einem Fotoalbum des Großvaters aus den 30er-Jahren geweckt. Fanden sich dort doch „eindeutige Fotos aus unbeschwerten Zeiten“: Fritz im weißen Kleid unter einem weißen Sonnenschirm; Fritz mit gehobenem Bein, als würde er Cancan tanzen. Darunter ein handschriftlicher Kommentar: „die schöne Helena“. Die Fotos entstanden 1933. Es folgten hartnäckige Forschungen in den Archiven der Deutschen Dienststelle und im Militärarchiv in Freiburg.

Spangenbergs beklemmende und zugleich emanzipatorische Biographie seines Großonkels berichtet dicht auf 60 Seiten erzählt und reich schwarzweiß bebildert von „unbeschwerten Jahren“, vom Studium der Pharmazie und militärischer Karriere – bis zum Sanitätsfeldwebel der Reserve –, von der Verurteilung wegen des Verstoßes gegen den Paragraphen 175a, der Haft in Torgau, den „Bewährungseinheiten“ der Wehrmacht und seinem Tod im Osten. Die Familie weiß nicht, wo er seit dem 3. Februar 1944 vermisst blieb: bei Mjaklowo in Weißrussland oder im Kessel von Tscherkassy in der Ukraine?

Die Biographie stehe stellvertretend für viele andere, deren Schicksal Fritz mit ihnen teilte, sagt Bernd Gaiser. Rund 50 000 Männer wurden während der Nazizeit nach Paragraph 175 oder 175a abgeurteilt. „Hätte sich der Großneffe Klaus Dieter Spangenberg nicht auf die Spurensuche begeben, wäre das Schicksal der ,schönen Helena' für immer unbekannt geblieben“, hält der Historiker Jens Dobler, bis 2015 Leiter des Archivs sowie der Bibliothek des Schwulen Museums, fest.

[i]Klaus Dieter Spangenberg: „Die schöne Helena“. Fritz, ein schwules Soldatenschicksal. Fallbeispiel zur Militärjustiz und Verfolgung Homosexueller in der Wehrmacht“; ISBN: 987-3-00045899-6, elf Euro; Infos unter www.artandbooks.de.

Buchvorstellung im Mann-O-Meter.
Klaus Dieter Spangenberg
Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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