Der Pilgerweg beginnt vor der Haustür
Der Jakobsweg im Bezirk: Jörg Steinert hat seine Kennzeichnung initiiert

Jörg Steinert auf dem Jakobsweg 100 Kilometer vor Santiago de Compostela.
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  • Jörg Steinert auf dem Jakobsweg 100 Kilometer vor Santiago de Compostela.
  • Foto: privat
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„Europa ist auf der Pilgerschaft geboren“, wusste schon Goethe. Und seit mehr als drei Jahrzehnten will der Europarat das gemeinsame Haus Europa durch länderverbindende Kulturwege stärken.

Der erste Kulturweg wurde am 23. Oktober 1987 benannt. Es ist der Jakobsweg. Nun wird Tempelhof-Schöneberg als erster Bezirk den Weg durch die Hauptstadt ausschildern. Die Idee hatte Jörg Steinert, Geschäftsführer des Lesben- und Schwulenverbands (LSVD) Berlin-Brandenburg mit Sitz an der Kleiststraße.

Vor fünf Jahren packte den 38-jährigen gebürtigen Zwickauer das Pilgerfieber. „Ich hatte mir eine Woche Auszeit genommen“, erzählt Jörg Steinert. „Ich hatte noch nie Rucksackurlaub gemacht. Es gab viele Herausforderungen, aber es war wunderschön.“ Pilgern sei für ihn nicht nur Wandern. „Pilgern ist innere Bewegung, eine Auseinandersetzung mit sich selbst.“ Religiös motiviert sei sein Pilgern nicht, äußert Protestant Steinert. Es inspiriere ihn spirituell. Seither ist Jörg Steinert auf elf Pilgerreisen 4500 Kilometer gelaufen und hat über seine Erfahrungen ein Buch geschrieben. Im August will er „Pilgerwahnsinn. Warum der Jakobsweg süchtig macht“ öffentlich vorstellen.

Der Jakobsweg ist ein europaweites Netz von Straßen und Wegen, das seit dem neunten Jahrhundert besteht. Er führt Pilger aus dem Baltikum über Polen, Deutschland, die Schweiz und Frankreich nach Santiago de Compostela, wo das Grab des Apostels Jakobus vermutet wird. Das Buch „Ich bin dann mal weg. Meine Reise auf dem Jakobsweg“ des Entertainers Hape Kerkeling löste 2006 einen richtigen Pilgerboom aus.

Vor einiger Zeit sei er in seiner Heimatstadt auf die Via Imperii gestoßen, sagt der LSVD-Geschäftsführer. Entlang dieser alten Reichsstraße führt der Jakobsweg von Stettin über Berlin und Wittenberg nach Leipzig. Für den Wegverlauf in Berlin hat die Jakobus-Gesellschaft Brandenburg-Oderregion mit Unterstützung der Europa-Universität Viadrina und des Verlags Dr. Barthel eine Karte erstellt. Doch es fehlt an der Kennzeichnung vor Ort; auch in Tempelhof-Schöneberg, möglichst im Grünen und an Ufern, vorbei an den Yorckbrücken an den S-Bahnhöfen Südkreuz, Priesterweg und Attilastraße über den Teltowkanal zum Kamenzer Damm und zum Lichterfelde Ring nach Brandenburg.

„Im Oktober habe ich die proeuropäischen Fraktionen in der Bezirksverordnetenversammlung und das Bezirksamt angeschrieben“, so Jörg Steinert. Seine Bitte: Schildert den Jakobsweg aus. Ganz überrascht sei er heute, dass sein Anliegen bei Grünen, SPD und CDU Gehör gefunden habe und deren Antrag in der BVV einstimmig beschlossen worden sei. Die Jakobus-Gesellschaft war gleichfalls erstaunt über Steinerts erfolgreichen Vorstoß und hat ihn umgehend zu ihrem Berlin-Beauftragten ernannt.

Jetzt muss man sehen, wie zügig der politische Beschluss von der Verwaltung umgesetzt wird. Die Hinweisschilder sollen durch Spenden und Fördermittel unter anderem der Jakobus-Gesellschaft finanziert werden.

Infos unter www.pilgerwahnsinn.de.

Jörg Steinert auf dem Jakobsweg 100 Kilometer vor Santiago de Compostela.
So könnte die Ausschilderung aussehen: Kennzeichnung des Jakobswegs in Nürnberg.
Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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