8800 Wohnungen zu wenig
Neubau hinkt Bedarf hinterher

Das Bezirksamt hat einen Wohnungsmarktbericht und eine Wohnungsbauprognose bis 2029 vorgestellt. Das Ergebnis: Weniger als die Hälfte des Bedarfs kann gedeckt werden.

Das Bezirksamt stützt sich in seiner Prognose auf eine Untersuchung des Forschungsinstituts Empirica und auf eigene Unterlagen zu Bauvorhaben. Danach werden in den kommenden zehn Jahren in Tempelhof-Schöneberg rund 15 100 neue Wohnungen gebraucht. In demselben Zeitraum wird aber der Bau von nur annähernd 6300 Wohnungen erwartet. Zur möglichen Verbesserung der Situation empfehlen die Experten von Empirica unter anderem den Aufbau eines bezirklichen Flächenmanagements, den Abbau bürokratischer Hemmnisse und eine verbesserte Bauherrenberatung.

Baustadtrat Jörn Oltmann (Grüne) verwies bei der Vorstellung von Bericht und Prognose im Ausschuss für Stadtentwicklung auf den Mangel an Bauland. Darüberhinaus erschwere der Anteil gewerblicher Nutzung von Flächen das Bauen, so der Dezernent für Stadtentwicklung.

An der Frage des Wohnungs(neu)baus scheiden sich in der rot-grünen Zählgemeinschaft die Geister. Weshalb aus der SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) nun der Ruf zu hören ist: „Stadtrat Oltmann muss endlich gestaltend eingreifen“. „Der Bezirk braucht nicht wenige handverlesene Vorhaben, sondern einfach mehr Projekte und mehr Baugenehmigungen“, meint der stellvertretende Fraktionschef der Sozialdemokraten, Christoph Götz. Die SPD-Fraktion setzt auf eine Reform des Baunutzungsplans aus dem Jahr 1958 und auf neue Konzepte. So schweben Götz beispielsweise Hochhäuser sowie neue Wohn- und Arbeitsformen in Handwerkerhöfen oder für junge Kreative im Innenstadtbereich vor.

Dessen ungeachtet seien überall im Bezirk noch kaum genutzte Grundstücke vorhanden, sagt Götz. Und neue könnten für den Wohnungsbau geschaffen werden, indem Straßenland verkleinert wird. Der SPD-Fraktionsvize kann konkrete Orte benennen: das Autobahnkreuz Schöneberg mit dem Westtangentenstummel oder die Straße An der Urania im Bereich der Lietzenburger und Kleiststraße. Ähnliche Vorschläge waren vor Kurzem in einem studentischen Architekturwettbewerb der Kultureinrichtung Urania Berlin zu lesen.

Autor:

Karen Noetzel aus Schöneberg

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