Obst und Gemüse in Bioqualität
Beim Projekt "Stadtacker" auf dem Tempelhofer Feld ist Naschen erlaubt

Roland Paechnatz, Ralf Gräßel, Andreas Hampel und Projektleiter Jonas Wieland (v.l.n.r.) zählen zum Team von Stadtacker. | Foto: Philipp Hartmann
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„Chemie ist absolut unerwünscht. Bei uns wird alles biologisch angebaut“, sagt Roland Paechnatz. Der ehemalige Fleischer arbeitet seit sechs Jahren beim Projekt „Stadtacker“ auf dem Tempelhofer Feld. Obst und Gemüse sprießen aus dutzenden Hochbeeten Marke Eigenbau. Ein neunköpfiges Team pflegt die Anlage mit viel Liebe. Und das zahlt sich aus, wenn die Ernte kommt.

Im Vergleich zu gekauften schmeckten ihre Tomaten deutlich fruchtiger, versichert Roland Paechnatz. Mit der Gießkanne geht er von Beet zu Beet. Zwischen roten Rosen und einem Walnussbäumchen wachsen am Columbiadamm auch Mangold, Möhren, Kohlrabi und Bohnen, Salate und Gurken. Die Blumen seien „was fürs Auge“, meint er. „An die Bienen und Hummeln denken wir natürlich auch.“ Der Klimawandel habe dafür gesorgt, dass sie in Zukunft wohl problemlos auch Zitronen- oder Mandarinenbäume einpflanzen könnten. „Als ich hier angefangen habe, war daran noch nicht zu denken“, erzählt Paechnatz. Ständig an der frischen Luft kreativ tätig zu werden, ist für ihn das Beste an seinem Job.

„Man kann sich hier austoben, den Pflanzen beim Wachsen zusehen, und geht zufrieden nach Hause. Schön, dass es so ein Projekt gibt“, findet auch sein Kollege Ralf Gräßel. Der gelernte Schlosser und frühere Messebauer und Kreativtherapeut ist seit Januar dabei. Ebenfalls hier beschäftigt ist Andreas Hampel, der früher bei der AEG-Telefunken als Mechaniker angestellt war und danach als freiberuflicher Künstler gearbeitet hat. Er kümmert sich neben der Gartenarbeit auch um kulturelle Veranstaltungen wie Lesungen und kleine Konzerte, die immer wieder stattfinden.

„Wir sind eines der Pionierprojekte“, so Leiter Jonas Wieland, der dankbar für die Unterstützung von Grün Berlin ist. Seit 2011, ein Jahr nach Eröffnung des Tempelhofer Felds für die Öffentlichkeit, gibt es den Stadtacker. Er liegt direkt neben dem Zirkus Cabuwazi und ist nicht zu verwechseln mit dem östlich gelegenen Gemeinschaftsgarten Allmende-Kontor. Albatros gGmbH und Pegasus GmbH fungieren als Träger. Das Team besteht aus Quereinsteigern, die nach Arbeitslosigkeit über eine Jobcenter-Maßnahme dazugestoßen sind. Sie gestalten den Garten nach Lust und Laune und verteilen die Aufgaben nach Können und Interesse. Für Reparaturen steht ihnen eine Werkstatt zur Verfügung. „Die erste Generation der Hochbeete müsste langsam mal ausgetauscht werden“, erklärt Jonas Wieland. „Wir haben einen Schreiner im Team, der würde gerne loslegen.“ Leider sei das Holz so teuer. Sie würden sich daher sehr über gespendetes Bauholz freuen. „Montag bis Freitag von 9 bis 15 Uhr sind wir hier. Man kann einfach vorbeikommen und uns ansprechen“, hofft der Projektleiter auf Unterstützung.

Der Stadtacker zieht viele Besucher magisch an. „Die Leute holen sich bei uns Anregungen für ihren Garten oder Balkon“, berichtet Roland Paechnatz. Oft kommen auch internationale Gäste. Briten, Franzosen, Russen, Polen, Israelis und Japaner seien schon bei ihnen gewesen. Für Kinder hätten sie immer ein paar Spielsachen im Bauwagen. „Kinder fragen oft: Kann man das essen?“, sagt Ralf Gräßel. Kostproben sind beim Stadtacker ausdrücklich erlaubt, da es sich um ein öffentliches Gelände handelt. Besucher dürfen Obst pflücken und Gemüse mitnehmen, jedoch mit Rücksicht auf andere. Eine Ernte im großen Stil ist nicht erwünscht. Erst kürzlich verschwand ein Sack Kartoffeln. „In den Schuppen wurde mehrfach eingebrochen und unsere Wassertanks wurden geklaut“, sagt Paechnatz. Ausgeglichen werden solche negativen Erlebnisse durch sehr viel positives Feedback. Oft hört er: „Das ist so ein schöner Ort!“

Infos: www.stadtacker.com.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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