Beete oder Schulhof
Schulneubau bedroht Gartenarbeitsschule an der Seestraße

Die Gartenarbeitsschule an der Seestraße ist in Gefahr. Das Haus der Gesundheit im Hintergrund wird abgerissen. An die Stelle kommt eine neue Schule.
  • Die Gartenarbeitsschule an der Seestraße ist in Gefahr. Das Haus der Gesundheit im Hintergrund wird abgerissen. An die Stelle kommt eine neue Schule.
  • Foto: Kinderschutzbund Berlin
  • hochgeladen von Simone Gogol-Grützner

Auf dem Gelände des maroden und wegen Schimmel gesperrten Hauses der Gesundheit in der Reinickendorfer Straße 60b will der Bezirk eine vierzügige Grundschule bauen. Der Neubau bedroht die Schülerbeete und Obstbaumwiese der Gartenarbeitsschule an der Seestraße, die direkt an das Grundstück angrenzt.

Und wieder ist ein enorm wichtiges Gartenprojekt in Gefahr. Und wieder verdrängt ein gutes Projekt ein anderes gutes. Die Gartenarbeitsschule an der Seestraße des Schulumweltzentrums (SUZ), in der Kita- und Schulkinder seit 1957 Beete bestellen und in zig Umweltbildungsprojekten viel über Natur und gesunde Ernährung lernen, muss wohl Flächen aufgeben.

Das knapp ein Hektar große Dreieck zwischen Seestraße und Reinickendorfer Straße platzt schon lange aus allen Nähten. Mehr als 10.000 Kita- und Schulkinder ackern dort im Jahr, pressen Apfelsaft oder bereiten gesunde Gerichte mit selbsterzeugtem Gemüse zu. Mindestens 15 Kitas und 20 Schulen kommen regelmäßig in die grüne Lernoase.

Doch das Bezirksamt braucht Teile des SUZ-Areals. Dutzende Schülerbeete, die Obstwiese mit besonderen alten Apfel- und Pflaumensorten und die Imkerei müssen weg. Auf dem Areal des ehemaligen Hauses der Gesundheit, das abgerissen wird, baut der Bezirk eine Schule mit Turnhalle. Daneben, an der Kreuzung Seestraße, ist auf dem heutigen Parkplatz ein Bürohochhaus geplant. Wie viel Flächen das SUZ opfern muss, ist noch unklar.

SUZ soll möglichst wenig Fläche verlieren

Am 5. Dezember kürt eine Jury den besten Architektenentwurf für den Schul- und Büroneubau. „Vorher macht es keinen Sinn, etwas zu sagen“, so Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD). Den Architekten wurde in dem Wettbewerb allerdings aufgegeben, dass „möglichst wenig Flächen des SUZ für den Schulneubau in Anspruch genommen werden“, heißt es in einem Bezirksamtsbeschluss. Im Mai hatte das Bezirksamt entschieden, „dass beim bevorstehenden Wettbewerbsverfahren der Einschnitt durch Bauarbeiten auf dem Gelände des Schulumweltzentrums (SUZ) minimiert werden muss“.

SUZ-Chefin Regina Fuhrmann kennt die Pläne nicht und ist gespannt, wie die Architekten das Platzproblem lösen. Sie ist am 5. Dezember als „stiller Gast“ zur Jurysitzung eingeladen. Die Hoffnung auf eine Lösung, von der Schule und Garten profitieren, hat sie. Dass die zukünftige Schule einen so beliebten und wichtigen grünen Lernort direkt vor der Nase hat, „ist ein Schatz“, so Fuhrmann. Andere müssen durch den ganzen Bezirk dorthin fahren. Schule und Gartenarbeitsschule zu verbinden wäre ein „Leuchtturmprojekt, das es so noch nirgends gibt“.

Onlinepetition gestartet

Durch den Bevölkerungszuwachs und den Bau immer neuer Schulen steigt auch der Bedarf an den grünen Lernorten. Immer mehr Schüler kommen in die drei SUZ-Standorte (Scharnweberstraße, Seestraße, Birkenstraße). Regina Fuhrmann braucht mehr statt weniger Fläche und Räume, denn Umweltbildung steht im Lehrplan. „Vielleicht gibt es schlaue Lösungen von den Architekten“, sagt die SUZ-Chefin.

Stephan Knorre vom Kinderschutzbund Berlin, der nicht weit entfernt an der Malplaquetstraße sein Büro hat, trommelt online für den Erhalt des grünen Dreiecks. Seine Onlinepetition „Rettet die Gartenarbeitsschule Berlin-Wedding in der Seestraße! Beete statt Beton“ haben bereits 1458 Leute unterschrieben. „Ein Drittel der grünen Bildungs-Oase soll betoniert werden: Die Beete der Schulkinder, zahlreiche bis zu 70 Jahre alte Obstbäume und die Imkerei werden verschwinden“, heißt es da. „Die betroffenen Kinder und Mitarbeiter werden in Ihre Pläne jedoch nicht einbezogen“, steht in der Petition an „die politisch Verantwortlichen im Bezirksamt Mitte sowie dem Land Berlin“. Die Unterzeichner „fordern den Erhalt der Gartenarbeitsschule und die Einbeziehung der Standortbetroffenen in die Wettbewerbsentscheidungen des Bauvorhabens! Für einen ökologisch nachhaltigen Bildungscampus!“

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