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Explodierende Bodenpreise: Nachhaltige Stadtentwicklung ist gefährdet

Die Bodenpreise im Bezirk sind seit 2014 dramatisch angestiegen. Das belegen Zahlen, die das Bezirksamt veröffentlicht hat. Baustadtrat Oliver Schruoffeneger (Grüne) sieht eine nachhaltige Stadtentwicklung in Gefahr.

Auf die schriftliche Anfrage der Linksfraktion in der BVV hat das Bezirksamt die aktuellen Bodenpreise publik gemacht. Die Grundstückspreise für Gewerbeflächen haben sich verdreifacht, liegen jetzt bei 940 Euro pro Quadratmeter, 2014 kostete er noch 270 Euro. Der Preis von Gemeinbedarfsflächen ist von 300 auf 750 Euro gestiegen und auch für die ohnehin teuren Flächen in den Kerngebieten müssten Bauherren noch tiefer in die Tasche greifen: 6830 Euro kostet der Quadratmeter, vor vier Jahren waren es 4430 Euro.

Besonders dramatisch ist die Situation für den Wohnungsbau: Die Grundstückspreise mit einer Geschossflächenzahl (GFZ) ab 2,0 haben sich fast verfünffacht, hier liegt der Quadratmeterpreis derzeit knapp unter der 4000-Euro-Marke. Für Wohnungsbau mit einer GFZ bis 0,6 verdoppelte sich der Preis auf 1200 Euro. Oliver Schruoffeneger kommentierte die Zahlen der Verwaltung so: „Der rasante Anstieg der Grundstückspreise, gerade im Bereich der Wohnnutzungen, macht eine nachhaltige Stadtentwicklung zunehmend unmöglich. Im Neubau sind ohne massive öffentliche Subventionen vernünftig durchmischte Strukturen faktisch nicht mehr finanzierbar."

Für das Ergebnis der Auswertung macht Linke-Fraktionschef Niklas Schenker Spekulanten verantwortlich, die – wie etwa im Falle der Suarezstraße 24/25 – in die Jahre gekommene Mietshäuser günstig kaufen, die Wohnungen entmieten, entkernen und sanieren, um sie dann deutlich teurer zu vermieten. Er fordert: "Wir brauchen eine Bodenpreisbremse, städtische Wohnungsbaugesellschaften müssen ihren Bestand erhöhen, indem sie beispielsweise Vorkaufsrechte nutzen, wo es geht." Mit der kürzlich beschlossenen Verschärfung des Zweckentfremdungsverbotes bekämen die Bezirke zudem ein wirkungsvolles Instrument an die Hand, um gegen spekulativen Leerstand vorzugehen. Auch Schruoffeneger fordert den Senat zum Handeln auf: "Bis die bundespolitischen Weichenstellungen zur Reduzierung des massiven Preisanstiegs von Grund und Boden vorgenommen werden, muss das Land seine Möglichkeiten nutzen, um funktionierende Altbaubestände durch Erwerb vom Markt zu nehmen und dauerhaft zu sichern."

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