Mehr Moral in der Manege: SPD und Grüne wollen Wildtiere im Zirkus verbieten

Lieber in den Zoo? Elefanten sollen sich nicht mehr in Zirkusmanegen präsentieren müssen, meinen SPD und Grüne.
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Charlottenburg-Wilmersdorf. Wie zeitgemäß sind Raubtiershows und Dressurnummern mit Elefanten? Im bundesweiten Streit um ein Wildtierverbot im Zirkus melden sich nun auch Bezirksverordnete zu Wort. Eine Debatte um Tradition und fragwürdige Tricks.

„Kein Tiger springt freiwillig durch einen brennenden Reifen. Kein Elefant macht ohne Zwang einen Kopfstand.“ Mit solchen Hinweisen auf die Perversion von arttypischem Verhalten zieht SPD-Politikerin Annegret Hansen ins Feld gegen Zirkusbetreiber, die solche Programmpunkte als Highlight ihrer Shows betrachten. Und sie fühlt sich mit der Forderung eines Verbots in guter Gesellschaft: „Die Mehrheit der Deutschen will keine Wildtiere mehr im Zirkus sehen“, meint Hansen. Und so lange die Bundesregierung mit einer gesetzlichen Neuregelung wartet, soll nach Ansicht der SPD-Fraktion das Bezirksamt von sich aus die Genehmigung von bedenklichen Vorstellungen versagen.

Keine rechtliche Handhabe

Eine rechtliche Handhabe gegen Wildtierhaltung zu finden, gestaltet sich nach jetzigem Stand allerdings schwierig. So fehlt es dem Bezirk an speziell geschultem Personal, weshalb man bei der Genehmigung der jeweiligen Zirkusveranstaltungen auf Experteneinschätzungen von außenstehenden Veterinären setzt.

„Diese haben bei den gemeinsamen Kontrollen mit den Tierärzten des Fachbereichs keine grundsätzlichen Beanstandungen bei den im Bezirk gastierenden Zirkussen feststellen können, sodass seitens der hiesigen Veterinäraufsicht keine fachlichen Gründe angeführt werden können, die eine Ablehnung von Zirkusbetrieben mit Wildtierschau im Bezirk begründen würden“, heißt es aus der Verwaltung.

Nun findet die Forderung der SPD in Charlottenburg-Wilmersdorf aber auch Unterstützung auf Seiten der Grünen – und somit eine politische Mehrheit. „Keine Frage, es ist ein Erlebnis, die Tiere so nah zu sehen, aber diese Art von Dressur passt einfach nicht mehr in unsere Zeit. Gerade Kinder sollten so früh wie möglich lernen, dass Tiere eine artgerechte Umgebung brauchen“, argumentiert deren Sprecherin Susann Drews. Gegen das rot-grüne Ansinnen, das derzeit in den Ausschüssen diskutiert wird, äußert die CDU-Fraktion allerdings Bedenken. „Ein solches Anliegen verdient Respekt“, sagt Christdemokrat Paul-Georg Garmer. „Einige maßen sich aber radikale Methoden an und fühlen sich dabei im Recht. Doch es gibt angesehene Verhaltensbiologen, die meinen, dass viele Wildtiere im modernen Zirkus durch Lernen, Training und Bewegung besser leben als im Zoo. Es gibt auch heute noch traditionelle Dressurnummern. Auch das verdient Respekt.“ tsc

Autor:

Thomas Schubert aus Charlottenburg

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