Politik nach Schulschluss: Kinder- und Jugendparlament mischt bei den Großen mit

Sonnenblumen zum Neustart: Der frisch gewählte Vorstand des Jugendparlaments mit Miguel Gongora, Max Hecker und Julius Junek (2.,3. und 4.v.l.).
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Charlottenburg-Wilmersdorf. Demokratisch, durchsetzungsfähig, pfiffig: Miguel Gongora heißt der alte und neue Vorsitzende des bezirkseigenen Jugendparlaments. Mit 14 Jahren hat er bereits vier Jahre Erfahrung in der Politik. Und die Handynummer des Bürgermeisters.

Wenn er Michael Müller hieße, hätte man von einem kleinen Machtkampf sprechen können. Aber Miguel Gongora ist kein Müller. Er kandidierte nur um den Vorsitz des Kinder- und Jugendparlaments, hatte dabei etliche Mitbewerber neben sich. Und stand am Ende trotzdem dort, wo er schon vorher war. In einem Alter, da der Führerschein noch weit in der Zukunft liegt, macht Miguel Gongora bald fünf Jahren Politik, leiht seine Stimme für Bürger in seinem Alter. Mit dem alten Jugendparlament hat er die Sanierung des Skaterparks am Heidelberger Platz durchgesetzt. Vorstandskollegin Amelie Al-Badi erreichte sogar die Einrichtung eines ganz neuen Jugendfreizeitheims im Ruhwaldpark. Die Nummer von Bürgermeister Reinhard Naumann ist in den Handys eingespeichert. Selbst zum Berliner Senat pflegt man Kontakte.

Weitere Impulse an die "großen" Politiker im Rathaus Charlottenburg werden folgen, nun da das Parlament der Schüler seine achtköpfige Führungsspitze per Abstimmung ermächtigt hat. „Wir sammeln erst mal Ideen“, gibt sich der Vorsitzende bezüglich neuer Vorhaben bedeckt.

Dass Miguel, der das Grunewalder Wegscheider-Gymnasium besucht, in die Politik ging, lag damals nur an der Lustlosigkeit der anderen. „An unserer Schule wollte es keiner machen. Da habe ich es mal ausprobiert.“ Längst ist das Ausprobieren in Routine übergegangen.

Auch Max Hecker gehört mit vier Jahren Vorstandsarbeit zu den Konstanten. Und Julius Junek bringt im Alter von 15 schon genügend Elan mit, um Forderungen zu stellen: „Ich wünsche mir eine deutlich bessere Integration der Flüchtlinge.“ Derzeit gebe es bei ihm am Wilmersdorfer Goethe-Gymnasium eine Willkommensklasse, die auf dem Schulhof nur „Flüchtlingsklasse“ heißt. Die Isolierung von allen anderen Klassen, das ist etwas, das Julius möglichst schnell überwinden will. Mit Freude blickt er in diesen Tagen einer Reise nach Brüssel entgegen, wo der Austausch mit EU-Politikern und Jugendlichen aus anderen Ländern auf der Tagesordnung steht.

Gemeinsam mit Miguel Gongora, Max Hecker, Amelie Al-Abadi, Lisa Hahn, Sejla Keranovic und Patrick Seifert erwartet ihn dann in der City-West die eigentliche Arbeit. Alle zwei bis vier Wochen tagt der Vorstand des Kinder- und Jugendparlaments, sammelt Ideen und konkrete Vorschläge, gerne auch unbequeme. „Die Großen“ in der Bezirksverordnetenversammlung werden noch früh genug erfahren, welche das sind. tsc

Autor:

Thomas Schubert aus Charlottenburg

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