Schneller und billiger
Bezirk begründet seine Radweg-Offensive

Neun temporäre Radwege innerhalb von zwei Monaten wurden in Friedrichshain-Kreuzberg eingerichtet. Hier der am Kottbusser Damm.
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  • hochgeladen von Thomas Frey
Corona- Unternehmens-Ticker

Seit 27. Mai gibt es an der Frankfurter Allee einen weiteren temporärer Fahrradstreifen auf der Straße.

Er verläuft stadteinwärts auf Höhe des U-Bahnhofs Samariterstraße zwischen Voigt- und Proskauer Straße. Eine relativ kurze neue Pop-Up-Strecke, aber an einem neuralgischen Punkt. Speziell am U-Bahnzugang trafen Fußgänger auf Radfahrer, deren Spur bisher direkt am Gehweg vorbeiführte und von jedem gequert werden musste, der dort nach oben kam. Eine veränderte Verkehrsführung war deshalb auch an dieser Stelle schon länger vorgesehen. Wegen Corona konnte sie schneller als geplant umgesetzt werden.

Der Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg hat in den vergangenen Wochen ein großes Tempo beim Einrichten sogenannter "pandemieresilienter Infrastruktur" vorgelegt. Einschließlich der Frankfurter Allee entstanden seit Ende März neun zusätzliche Fahrradspuren mit einer Gesamtlänge von rund zehn Kilometern. Zwei weitere sollen kurzfristig folgen. Das Projekt läuft zwar immer noch unter dem Stichwort "temporär", aber schon lange wird kein Geheimnis mehr daraus gemacht, dass sich dieser Begriff vor allem auf den aktuellen baulichen Zustand bezieht. Im Klartext: Aus den bisherigen Provisorien sollen dann feste Einrichtungen werden.

Radspuren, nicht nur an den in den vergangenen Wochen umgesetzten Orten, wären ohnehin geplant gewesen, erklärt das Bezirksamt und verweist auf das Berliner Mobilitätsgesetz und den 2017 von der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) beschlossenen Radverkehrsplan. Eine „Maßnahmeliste zur Förderung des Radverkehrs“ enthält allein 37 Projekte. Diese grundsätzliche Verpflichtung sei jetzt "bedingt durch die Pandemiekrise aus Gründen des Infektionsschutzes mit einer beschleunigten Umsetzung beantwortet worden."

Die Macht des Faktischen

Auch wegen weiterer Vorteile, wie ebenfalls erklärt wird. Etwa bei den Kosten. Der Bau von einem Kilometer temporärem Radweg beträgt demnach etwa 9500 Euro. Insgesamt seien dafür bisher etwas mehr als 100.000 Euro ausgegeben worden. Der Preis für 1000 Meter ständigen Radweg wird dagegen mit 100.000 bis 500.000 Euro veranschlagt. Zuzüglich etwa 40.000 Euro Planungskosten pro Kilometer.

Ein Teil dieses Geldes muss zwar ebenfalls aufgewendet werden, wenn aus dem Provisorium eine ständige Einrichtung wird. Aber nicht die gesamte Summe, meint das Bezirksamt und verweist auf entsprechende Untersuchungen. Denn die temporären Radspuren würden ja bereits in der Praxis erprobt. Dadurch wären wesentliche Vorplanungsschritte schon erbracht. Die Planungskosten könnten damit deutlich und die Baukosten zumindest in geringem Umfang reduziert werden.

Ebenfalls erwähnt wird der Zeitvorteil. Das Umsetzen baulicher Radwege dauere bisher zwischen zwei und zehn Jahren. Das Installieren temporärer Anlagen dagegen nur drei bis zehn Tage. Und weil die zumindest in dieser Form bereits vorhanden sind, könnten weitere Planungsfristen auf einen Zeitraum zwischen zwei und zwölf Monate verkürzt werden. Und vor allem gelte die Macht des Faktischen: Was bereits existiert, lasse sich schwieriger wieder abbauen.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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