Der Kampf um das Kaufhaus
Karstadt zwischen gestern und morgen

Ramona Pop und Timo Herzberg vor der Kulisse des historischen Karstadt.
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Die Ausstellung trägt den Titel "Kiezgestein". Sie ist seit 27. September im vierten Stock bei Karstadt am Hermannplatz zu sehen. Erzählt wird die wechselvolle Geschichte dieses Kaufhauses von seiner Eröffnung vor 90 Jahren bis heute.

Und morgen. Denn natürlich war die aktuelle Debatte um die Zukunft dieses Standorts auch das eigentlich beherrschende Thema, als die Schau einen Tag zuvor eröffnet wurde. Und sie selbst bietet dazu einige Anhaltspunkte.

Als das Haus im Sommer 1929 eingeweiht wurde, war es der größte und modernste Warentempel Kontinentaleuropas. Aber es wurde dort nicht nur eingekauft. Vielmehr gab es auch Sport-, Kultur- und Freizeitangebote sowie Gastronomie, einschließlich einer Dachterrasse. Und einen direkten U-Bahn Zugang.

Stilbildend war allerdings die Architektur. Es war die markante Fassade, die das Gebäude am Hermannplatz zum Symbol der Berliner Moderne jener Jahre werden ließ.

Das alles bildet jetzt die Blaupause für den Blick nach vorn, die "kommenden 90 Jahre", wie das Timo Herzberg umschrieb. Er ist Deutschland-Chef des Signa-Konzerns, dem Karstadt und auch Kaufhof inzwischen gehören. Signa will das Kaufhaus im Stil von 1929 wieder aufbauen. Verantwortlich dafür soll mit David Chipperfield einer der heutigen Star-Architekten sein.

Wie mehrfach berichtet, gibt es aber ein Problem. Das Stadtplanungsamt Friedrichshain-Kreuzberg lehnt die Pläne ab. Namentlich dafür verantwortlich gemacht wird der Baustadtrat Florian Schmidt (Bündnis90/Grüne).

Einwände gegen neuen alten Karstadt

Ortswechsel, einen Abend zuvor in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV). Florian Schmidt musste dort zwei mündliche Anfragen zum Karstadt-Komplex beantworten. Bei beiden – eine von Reza Amiri (Linke), die andere von Peter Beckers (SPD) – ging es unter anderem darum, ob der Stadtrat mit seinen angekündigten weiteren Gesprächen mit Signa einen "Meinungswandel" einleite?

Er spreche mit jedem, der mit ihm reden wolle, stellte Schmidt erst einmal klar. In der Sache gab er sich weiter eher unnachgiebig und trug erneut alle Einwände vor, die gegen einen neuen alten Karstadt sprächen. Es handle sich hier um ein "irreführendes Signal", denn der Inhalt halte sozusagen nicht, was die Hülle verspreche. Zudem sei der "dominierende Monumentalbau" an dieser Stelle inzwischen deplatziert. 1929 habe der Hermannplatz möglicherweise noch eine gesamtstädtische Funktion gehabt. Das sei heute anders. Die Bevölkerungs- und Sozialstruktur in den umliegenden Quartieren werfe ganz andere Fragen auf. Der Mega-Karstadt habe eher negative Auswirkungen auf den benachbarten Einzelhandel. Der bestehende Kaufhaus-Standort sei in seinen heutigen Dimensionen adäquat für die Gegend. Auch mit dieser Masse und weiteren Möglichkeiten könne Signa etwas anstellen.

Er würde deshalb, trotz inzwischen heftig eingesetzten Widerspruchs, die Ablehnung aktuell genauso formulieren, wie vor einigen Wochen, erklärte Florian Schmidt ebenfalls. Die im übrigen auch nicht nur seine Meinung, sondern vor allem die der entsprechenden Fachämter abbilde. Auch der im Nachbarbezirk Neukölln.

Eine kleine Hintertür ließen auch diese Ausführungen noch offen. Es gab zumindest kein klares Ja auf die Nachfrage, ob die Karstadt-Pläne damit endgültig begraben sind.

Mehr als ein Einkaufstempel

Timo Herzberg warb dagegen am nächsten Morgen erneut für das Vorhaben. Nicht mit dem Holzhammer, sondern eher in Anspielungen und einer Zukunftsvision. Und gleichzeitig mit der Replik auf die Ausstellung. Die heiße wahrscheinlich nicht zufällig "Kiezgestein". Das soll ausdrücken: Karstadt ist seit jetzt neun Jahrzehnten an diesem Ort. Hat dort Höhen und Tiefen erlebt. Die Tafeln verdeutlichen das. Wenige Monate nach der Eröffnung begann im Oktober 1929 die Weltwirtschaftskrise. In deren Folge stand Karstadt kurz vor der Pleite. Die Nazis wetterten gegen die „jüdische Warenhauskultur“. Um nach 1933 deren Renommee, gerade am Hermannplatz, für sich zu nutzen.

In den letzten Kriegstagen 1945 sprengten SS-Einheiten das Gebäude, damit die dort eingelagerten Lebensmittel nicht der anrückenden Roten Armee in die Hände fallen. Nur ein kleiner Teil an der Hasenheide ist erhalten geblieben.

Es gab einen relativ schnellen Wiederaufbau, wirtschaftliche Boom- und Baisse-Phasen. Nach dem Mauerbau 1961 fehlten viele bisherigen Kunden aus dem Ostteil der Stadt. Nach dem Mauerfall 1989 kamen sie wieder und sorgten für eine kurze Hochkonjunktur. Das Ergebnis mehrerer Neu-, Um- und Anbauten ist heute nicht unbedingt ein architektonischer Hingucker. Auch deshalb gibt es die Idee für den großen Wurf.

Der gleichzeitig weitaus mehr sein soll, als nur ein Einkaufstempel, warb Timo Herzberg. Es gehe um Büros oder ein Hotel, aber auch kostenlose Nutzungen für unterschiedlichstes Publikum und Interessen, wie vor 90 Jahren. Teilweise kostenlos. Ebenso wie um Flächen für öffentliche Einrichtungen und Projekte.

Gemeinsam Wandel gestalten

Dass die Pläne nicht auf völlig verlorenem Posten stehen, wurde durch Ramona Pop deutlich. Schon die Teilnahme der grünen Bürgermeisterin und Wirtschaftssenatorin an der Ausstellungseröffnung war ein Statement. Ebenso wie manche ihrer Aussagen, die zwar moderat und auf Konsens bedacht, aber doch ziemlich deutlich waren.

Dass es gegen Neubaupläne Widerstand gebe, sei erst einmal für Kreuzberg und Neukölln nicht unüblich, meinte sie. Um gleichzeitig zu betonen, dass in einer wachsenden Stadt wie Berlin Veränderungen notwendig seien. Auch am Hermannplatz, der, „man möge es mir verzeihen“, nicht gerade eine Perle im Stadtbild darstelle. Nicht zuletzt entscheidend sei, wie sie gemeinsam gestaltet werden. Und schließlich outete sich Ramona Pop auch noch als Fan von Warenhäusern.

Gerade die sind schon lange einem Wandel unterworfen. Am Hermannplatz soll nicht zuletzt ein Rückgriff auf 1929 ein Anknüpfungspunkt für die Zukunft sein.

Die Ausstellung "Kiezgestein" kann Montag bis Sonnabend zwischen 8 und 20 Uhr besichtigt werden. Der Eintritt ist frei.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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