Dem Artensterben entgegen
Lichtenberg ändert Strategie für öffentliche Grünflächen

Die Wiesen in Parks und Grünanlagen nicht mehr kurz zu halten, sondern nur noch zweimal im Jahr zu mähen - das wäre eine insektenfreundliche Pflege.
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Die Experten warnen immer lauter, wirksame Maßnahmen gegen das drohende Verschwinden von Bienen, Schmetterlingen und Co fehlen dennoch. Der Bezirk Lichtenberg versucht es mit einer insektenfreundlicheren Pflege der Grünflächen.

„Es geht gar nicht darum, Vorreiter zu sein“, sagt der für die Grünflächen zuständige Stadtrat Wilfried Nünthel (CDU). „Aber wir müssen etwas gegen das Insektensterben unternehmen. Der Mensch braucht die Umwelt, nicht umgekehrt.“ Für den Stadtrat bedeutet das nicht zuletzt eine geänderte Strategie, wenn es um die Pflege der Lichtenberger Grünanlagen geht. Sie muss den Bedürfnissen der geflügelten und vielbeinigen Bewohner besser angepasst werden.

Hintergrund ist die Tatsache, dass sich die Städte immer mehr zu Rückzugsorten für viele Tierarten entwickeln. Die landwirtschaftliche Monokultur ohne Blühpflanzen und der Einsatz von Pestiziden gelten als Hauptursachen für ihren Rückgang. Städte bieten Vögeln und Insekten die natürliche Vielfalt, die sie brauchen – in Parks, Gärten, auf Friedhöfen oder Balkonen.

Auch Auswahl der Pflanzen wird angepasst

„Es ist wichtig, für diese Flächen einheimische und insektenfreundliche Pflanzen auszuwählen“, erklärt Biologin Beate Kitzmann vom Verein Naturschutz Berlin-Malchow. „Sie brauchen eine fachgerechte Pflege, und wir müssen ihnen Zeit geben, sich zu entwickeln.“ Konkret kann das für ausgewählte Anlagen bedeuten, dass sie später und statt einmal pro Monat nur noch zweimal im Jahr gemäht werden. Außerdem sollen Maschinen zum Einsatz kommen, die das Mahdgut liegen lassen, anstatt es einzusammeln.

Stadtrat, Expertin und die Revierleiter haben eine Liste erarbeitet – mit jenen Flächen, die sich bereits durch eine hohe Artenvielfalt auszeichnen und nun entsprechend gepflegt werden. Dazu zählen die Binnendüne am Carlsgarten, der hohe Wallgraben am Rummelsburger See und die Bereiche um den Kraatz-Tränke-Graben, der Herzberge-Park, die Friedhöfe an Gotlindestraße und Rudolf-Reusch-Straße, der Gehrenseepark, die Krugwiesen, Teile des Landschaftsparks Wartenberg und Falkenberg. Potenzialflächen für eine Insektenförderung sind der Grünstreifen an der B1 in Alt-Friedrichsfelde, der Grünzug in der Volkradpassage, der Mittelstreifen der Hansastraße, die Festwiese am Warnitzer Bogen und das Areal hinter dem Barnim-Gymnasium.

Die Wiesen in Parks und Grünanlagen nicht mehr kurz zu halten, sondern nur noch zweimal im Jahr zu mähen - das wäre eine insektenfreundliche Pflege.
Nicht kurzgeschoren, sondern üppig und mit Blüten: so mögen's Schmetterlinge, Wildbienen und andere Insekten.
Autor:

Berit Müller aus Lichtenberg

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