Forscher und Ärzte unter einem Dach
Dem ATIZ-Gebäude in der früheren Charité-Rettungsstelle wurde jetzt die Richtkrone aufgesetzt

Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und der Regierende Bürgermeister Michael Müller sowie die Vorstände von BIH und Charité auf der Baustelle des ATIZ.
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  • Bundesforschungsministerin Anja Karliczek und der Regierende Bürgermeister Michael Müller sowie die Vorstände von BIH und Charité auf der Baustelle des ATIZ.
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In dem komplett entkernten Betonklotz der Charité aus den 1980er-Jahren entstehen modernste Labore für Spitzenforscher. Für das zukünftige ATIZ-Gebäude des Berliner Instituts für Gesundheitsforschung BIH und der Charité wurde jetzt Richtfest gefeiert.

Wo früher an der Luisenstraße die Charité-Rettungsstelle war – mit Intensivmedizin und Operationssälen – und Zigtausende Kinder in den Kreißsälen das Licht der Welt erblickten, eröffnet schon im kommenden Jahr das Ambulanz-, Translations- und Innovationszentrum (ATIZ). Bundesforschungsministerin Anja Karliczek (CDU), der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD), Charité-Chef Heyo K. Kroemer sowie BIH-Vorsitzender und Dekan der Charité Axel Radlach Pries haben jetzt dem Forschungspalast die Richtkrone aufgesetzt. Es war kein Richtfest für einen echten Neubau. Denn das sechsgeschossige Gebäude entsteht im Gerüst des DDR-Charitébaus.

Zukünftig arbeiten dort Hunderte Wissenschaftler unter einem Dach, die derzeit noch über die ganze Stadt verteilt sind. Auch Deutschlands bekanntester Virologe, Professor Christian Drosten, geht dort mit seinem Team auf Virenjagd. Professor Roland Eils, Gründungsdirektor des BIH-Zentrums Digitale Gesundheit, bekommt ebenfalls seine Spielwiese, um die biologischen Rätsel zu lösen. Er hat herausgefunden, dass bei den Patienten mit schweren Corona-Verläufen der Abschaltmechanismus des Immunsystems nicht funktioniert. Es gebe zwar eine korrekte Immunantwort auf das Virus, „doch nachdem die infizierten Zellen erfolgreich abgetötet wurden, wendet sich das Immunsystem gegen die gesunden Zellen und richtet dadurch großen Schaden an“, erklärt der Charité-Professor. Sein Team schickt jetzt ein HIV-Medikament in die klinische Studie, das die Überreaktion des Immunsystems stoppen soll. Professorin Christine Goffinet, Expertin in der Aidsforschung, betonte, dass es viele weitere Viren gebe, für die man bisher keine Impfstoffe oder Medikamente habe. „Corona wird mit Sicherheit nicht die letzte Pandemie sein“, sagt die Virologin. Immer mehr Erreger seien „ganz klar am Kommen“, so Goffinet. Darauf müsse man sich vorbereiten und „nicht die komplette Aufmerksamkeit auf Covid-19 richten“. Im Windschatten der Pandemie gebe es genügend andere Erreger wie HIV, Malaria, Hepatitis C oder Tuberkulose, für die man genauso dringend Impfstoffe brauche.

Medizinische Forschung und Versorgung

„Aus Forschung wird Gesundheit“ ist das Motto des BIH, das die Charité, das Max-Delbrück-Centrum (MDC), das Bundesforschungsministerium und der Senat 2013 gegründet haben. Translation meint dabei, dass aus wissenschaftlichen Erkenntnissen so schnell wie möglich Produkte und Lösungen entstehen, um Krankheiten effektiv zu behandeln. Im neuen ATIZ-Gebäude arbeiten Wissenschaftler und Ärzte eng zusammen. Neben den Forschungslaboren mit Patientenzentrum wird die Charité ein Drittel der Flächen nutzen. Die Tagesklinik für Krebspatienten und die Charité-Hautklinik werden dort einziehen. Forschung und medizinische Versorgung unter einem Dach soll die „Interaktion zwischen Patienten, Ärzten und Forschern fördern und Forschungseinheiten, die derzeit über Berlin verteilt sind, zusammenführen“, heißt es. Im ATIZ wird es auch ein Simulations- und Trainingszentrum geben, in dem Ärzte den Umgang mit Technologien und Verfahren der kommenden Generation erlernen können.

Das Publikum erreicht das ATIZ über ein großes Foyer im Bereich der einstigen Auffahrt der Notaufnahme. „Die zweigeschossige Eingangshalle bietet Raum für eine Erlebniswelt, mit der Methoden und Ergebnisse aus dem ATIZ-Gebäude in die Öffentlichkeit getragen werden können“, sagt Architekt Alexander Gyalokay vom Architekturbüro Heinle, Wischer und Partner. Der Um- und Ausbau des alten Charité-Anbaus kostet insgesamt 81 Millionen Euro. Das BIH bezahlt 49 Millionen Euro, das Land Berlin für die Charité zusätzliche 32 Millionen Euro. Im Dezember 2021 soll der Forschungspalast eröffnen.

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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