Es war einmal: Rotkäppchen muss gehen
Märchenhütten geben zum Jahresende auf

Beliebt, aber illegal: Die Vorstellungen in den Märchenhütten sind immer knackevoll.
  • Beliebt, aber illegal: Die Vorstellungen in den Märchenhütten sind immer knackevoll.
  • Foto: David Baltzer
  • hochgeladen von Dirk Jericho

Die Märchenhütten im Monbijoupark schließen zum Jahresende. Die Betreiber bekommen vom Bezirksamt keine Genehmigung und geben jetzt auf.

Für das größte Schmierenstück, das in diesem Jahr im Monbijoupark läuft, fällt Silvester der Vorhang. Im Streit der zwei Theatergruppen geben die bisherigen Platzhirsche auf. Christian Schulz, der die urigen Märchenhütten auf dem Hochbunkerdach seit 13 Jahren betreibt, beugt sich dem Druck der Bezirkspolitik. Wie berichtet, hat das Bezirksamt in diesem Winter keine Duldung mehr für die beliebten Märchenhütten erteilt. Die Holzhäuser sind baurechtlich nicht zulässig, weil die Fläche der ehemaligen Charité-Bunker im Bebauungsplan als Grünfläche ausgewiesen ist. Die Duldung war bisher der behördliche Trick zur Spielerlaubnis.

Christian Schulz war der Buhmann

Nach jahrelangen Debatten um die Märchenhütten im Winter und das Monbijoutheater im Sommer wollten Bezirk und BVV einen Neustart. Auch weil Christian Schulz vorgeworfen wurde, nur Gewinne im Park zu machen und seine Truppe nicht ordentlich zu bezahlen. Der Gründer des Erfolgstheaters war plötzlich der Buhmann. Ende vergangenen Jahres eskalierte der Streit zwischen den bisherigen Betreibern. Bühnenbildner David Regehr, Partner von Monbijou Theater-Chef Christian Schulz, hatte sich mit einer gemeinsam mit Regisseur Maurici Farré sowie Schauspieler Matthias Horn hinter Schulz‘ Rücken gegründeten gemeinnützigen Theater an der Museumsinsel GmbH (TadM) bei der Humboldt-Uni um den Theaterbetrieb beworben. Auf Druck der Bezirkspolitik hatte die Humboldt-Uni, der das gesamte Areal gehört, im Frühjahr an die neue TadM vermietet. Regehr ist mittlerweile zu Schulz zurückgekehrt und hat seine Kollegen im Stich gelassen. Das Theater an der Museumsinsel hat auf der unteren Fläche an der Monbijoustraße eine Märchenscheune genannte Zeltkonstruktion aufgebaut. Hier spielt das Team um Maurici Farré und Matthias Horn ab 28. November Märchen - mit Erlaubnis des Bezirks.

Baustadtrat hatte juristische Schritte angekündigt

Baustadtrat Ephraim Gothe (SPD) hatte noch kurz vor der Premiere in den Märchenhütten juristische Schritte gegen die Betreiber angekündigt, weil der Spielbetrieb nicht genehmigt wird. Schulz hat am 22. November trotzdem Rotkäppchen & Co. auf die Bühne geschickt. Gemeinsam mit David Regehr und Roger Jahnke hat er die gemeinnützige Märchenhütten und Monbijoutheater GmbH gegründet. Jetzt geben die Gründer des Parktheaters auf. Der Druck wurde immer größer, zuletzt musste sogar die Polizei anrücken, weil Mitarbeiter vom anderen Theater kurz vor der Vorstellung die Sicherungen für die Märchenhütten rausgedreht haben sollen. „Uns reicht es nun“, sagt Schulz. „Ein Theater bekämpft ein anderes mit Hilfe der Politiker. Da gehen wir lieber woanders hin“, so Schulz. Mit der angekündigten Schließung „wollen die Betreiber wieder nur den Druck erhöhen“, sagt Frank Bertermann von den Grünen, der die Märchenhütten von Anfang an als "Schwarzbauten" bezeichnet hatte und immer gegen die Duldungsregel war. Christian Schulz betont, dass sein Parktheater „das beliebteste unsubventionierte freie Theater Berlins ist und inzwischen eine Art Gesamtkunstwerk im Monbijoupark“. Doch gegen die „Machenschaften einer Handvoll Politiker haben wir keine Chance“, so Schulz.

Trotz Verbot wollen die Märchenhütten bis Jahresende weiterspielen. Bis dahin wäre es wahrscheinlich für den Bezirk auch nicht möglich, den Betrieb faktisch zu unterbinden. Baustadtrat Gothe äußert sich folgendermaßen: „Wir bereiten die notwendigen rechtlichen Schritte vor. Dies geschieht im Einvernehmen mit dem ganzen Bezirksamt.“Über 15.000 Tickets wurden für die Vorstellungen bereits verkauft. Bis Jahresende wollen die Theaterrebellen noch alle kalkulierten 60.000 Karten loswerden. Probleme dürften sie damit keine haben – die beliebten Märchenshows (insgesamt gibt es 13 Stücke) sind immer schnell ausverkauft.

Neuer Standort ungewiss

Wie Christian Schulz sagt, würden sich andere Städte nach seinen Märchenhütten „die Finger lecken“. Auch einige Bezirke hätten bereits Interesse signalisiert. Genaues sagt Schulz nicht. Er glaubt noch an die Möglichkeit, dass sich der politische Wind zu seinen Gunsten dreht. Dass Gothe die Macht hat, dem „erfolgreichsten freien Theater Berlins“ den Hahn abzudrehen, bringt Schulz auf die Palme. Der Regierende Bürgermeister Michael Müller (SPD) und Kultursenator Klaus Lederer (Linke) sollten jetzt einschreiten, so Schulz.

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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