Senat beschließt Spreetreppe
Kupfergraben vor dem Humboldtforum wird Flussbad

So soll die Freitreppe vor dem Schloss aussehen, von der man in das Wasser hüpfen kann.
  • So soll die Freitreppe vor dem Schloss aussehen, von der man in das Wasser hüpfen kann.
  • Foto: Flussbad Berlin e.V., realities:united
  • hochgeladen von Dirk Jericho

Der Senat hat mit der Festlegung des Stadtumbaugebiets „Umfeld Spreekanal“ und den Bau der Freitreppe am Schlossplatz zum Spreekanal die Weichen für das seit 20 Jahren geplante Flussbad gestellt.

An der Schlossfreiheit vor dem Hauptportal des Humboldt Forums ins Wasser hüpfen und ein paar Bahnen im 800 Meter langen Flussbad zwischen Auswärtigem Amt und Bode-Museum ziehen – das soll bald möglich sein. „Der Senatsbeschluss ist ein Meilenstein auf dem Weg zur Rückgewinnung der innerstädtischen Spree als natürliche Ressource für Mensch und Natur“, sagt Flussbad-Erfinder Jan Edler. Er hat schon vor 20 Jahren Pläne für Berlins größte Badewanne entworfen und treibt das Projekt mit seinem 2012 gegründeten Verein Flussbad Berlin voran. Für die Freitreppe vorm Schloss als Sitzstufenanlage hat der Bund bereits 3,8 Millionen Euro aus dem Programm „Nationale Projekte des Städtebaus“ zugesagt. Der Senat unterstützt das Projekt; der Verein hat bereits rund acht Millionen Euro Fördergelder bekommen.

Um den etwa 1,9 Kilometer langen ungenutzten Spreekanal zwischen Fischerinsel und Bodemuseum nutzen zu können, soll der Kanal an der Fischerinsel „in einen naturnahen Wasserlauf umgewandelt werden“, heißt es. Pflanzenfilter sollen das verkeimte Spreewasser auf Badequalität bringen. Ein Testschiff liegt seit ein paar Jahren vor dem Auswärtigen Amt. Erst im Sommer musste der sogenannte Flussbad-Pokal zwei mal abgesagt werden, weil die Spree extrem keimbelastet ist. Denn bei Starkregen werden in der Berliner Mischkanalisation Fäkalien aus der Kanalisation direkt in den Spreekanal geleitet. Solange das so ist, kann niemand im Spreekanal baden.

Die pensionierte Chemikerin Heide Ellerbrock kämpft wegen der Gesundheitsgefahren seit Jahren gegen das Flussbad-Projekt. Für sie ist es ein „Steuergeld vernichtendes Vorhaben“, wie sie nach dem Senatsbeschluss an Senat und Abgeordnetenhaus schreibt. Pflanzenfilter und Muschelreaktor würden nicht ausreichen. „Anderenorts sind Freibäder und Schwimmhallen in desolatem Zustand und hier fließen Millionen in ein Objekt, bei dem von vornherein deutlich ist, dass es so nicht funktionieren kann“, so Ellerbrock. Tatsächlich gibt es vom Verein keine Angaben zu den Gesamtkosten für das Flussbad-Projekt. Weitere Infos unter http://www.flussbad-berlin.de

Autor:

Dirk Jericho aus Mitte

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