Luxuriöses Wohnen im Untergrund
Mit viel Ironie geht im Schillerkiez eine ungewöhnliche Plakat-Aktion Mitte August an den Start

Der Hipster mit Bart und Tattoos als Werbefigur für die Wohnung im Tunnel.
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  • Der Hipster mit Bart und Tattoos als Werbefigur für die Wohnung im Tunnel.
  • Foto: Clara Brinkmann
  • hochgeladen von Susanne Schilp

„Meine neue Wohnung hat Klima, Vollausstattung und ist tiefergelegt“, grüßt ein tätowierter Hipster. „Meine neue Wohnung liegt gut zehn Meter unter dem Stressniveau“, verkündet sichtlich stolz eine junge Frau. Was verbirgt sich hinter diesen Motiven, die in diesen Wochen auf einigen Plakaten zu sehen sind?

Die Neue Gesellschaft für bildende Kunst schreibt seit vielen Jahren gemeinsam mit der Senatskulturverwaltung den Wettbewerb „Kunst im Untergrund“ aus – in der Regel international, dieses Mal wegen der Corona-Beschränkungen deutschlandweit. Die Jury hat entschieden. Nun werden in der Nähe der U-Bahnlinie 8 unterschiedliche Arbeiten in Szene gesetzt, unter dem Titel „as above, so below“ („wie oben, so unten“).

Im Norden, am Reinickendorfer U-Bahnhof Franz-Neumann-Platz, geht es um Bodenpreise, die Privatisierung von Wohnraum sowie Umsiedlungen von Menschen und Pflanzen. In Neukölln war die Künstlerin Clara Brinkmann am Werk. Sie hat das Immobilienunternehmen Sub Urban erfunden, dessen Logo auf den Plakaten prangt. Mit dem Slogan „Die Zukunft Berlins lebt im Untergrund“ wirbt die fiktive Firma für Luxuswohnungen in stillgelegten U-Bahn-Tunneln, die in den kommenden Jahren gebaut werden sollen. Auf der projekteigenen Internetseite sind sie genau beschrieben, es gibt sogar Gestaltungs- und Einrichtungsvorschläge.

Clara Brinkmann hatte die Idee zur ironischen Zuspitzung der Wohnungsmisere.
  • Clara Brinkmann hatte die Idee zur ironischen Zuspitzung der Wohnungsmisere.
  • Foto: Kira Wieckenberg
  • hochgeladen von Susanne Schilp

Clara Brinkmann will mit dieser gezielten Täuschung die Diskussionen über den Berliner Wohnungsmarkt ironisch zuspitzen. Es solle aber niemand in die Irre geführt, betont sie, sondern es gehe ihr um Dialog. Wird eine Anfrage über das Kontaktformular auf der Internetseite gestellt, tritt sie mit dem „Interessenten“ in Austausch und legt den Charakter ihres Projektes offen.

Auch die ältere Generation steht auf das Leben in der Tunnelwohnung.
  • Auch die ältere Generation steht auf das Leben in der Tunnelwohnung.
  • Foto: Clara Brinkmann
  • hochgeladen von Susanne Schilp

Das erste großflächige Plakat wird vor dem Haus Selchower Straße 26 hängen. Ab Ende August ist dann an der Ecke Columbiadamm und Fontanestraße ein weiteres Motiv zu sehen. Im September folgen Plakate vor der Hermannstraße 220 sowie an der Ecke Reuter- und Karl-Marx-Straße. Sie alle bleiben voraussichtlich rund zwei Wochen lang hängen. Daneben sollen auch Promoter unterwegs sein und mit Artikeln wie Taschenlampen und Kondomen für das Vorhaben werben. Humorvoll, manchmal auch schamlos sind die aufgedruckten Sprüche, etwa wenn auf den Kondompackungen zu lesen ist: „Tiefer, Tiefer, Tiefer.“

Das Wohnen unter der Stadt kommt bei der jungen Frau gut an.
  • Das Wohnen unter der Stadt kommt bei der jungen Frau gut an.
  • Foto: Clara Brinkmann
  • hochgeladen von Susanne Schilp

Am Sonntag, 15. August, ab 15 Uhr findet die offizielle Eröffnung mit Künstleringespräch und anderen Aktionen statt. Treffpunkt ist am U-Bahnhof Leinestraße, Eingang Anita-Berber-Park. Um Anmeldung auf www.as-above-so-below.ngbk.de wird gebeten. Dort finden sich auch Infos zu weiteren Veranstaltungen.

Autor:

Susanne Schilp aus Neukölln

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