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Drogen-Hotspot am S-Bahnhof: Modellprojekt: Streetworker und Drogenkonsummobil sollen Situation verbessern

Hier steigen täglich Tausende von der U-Bahn in den Ring um: der S-Bahnhof Neukölln.
Hier steigen täglich Tausende von der U-Bahn in den Ring um: der S-Bahnhof Neukölln. (Foto: Schilp)

Neukölln. Es wird mit Heroin gehandelt, Junkies setzen sich in Hausfluren einen Schuss, gebrauchte Spritzen liegen herum, die Gegend vermüllt: Rund um den S-Bahnhof Neukölln hat sich ein Drogen-Hotspot entwickelt. Gesundheitsstadtrat Falko Liecke (CDU) will die Situation mit Straßensozialarbeitern entschärfen.

„Es kann nicht sein, dass Eltern Angst haben, ihre Kinder alleine zur Schule zu schicken“, sagt er. Seit Mitte des vergangenen Jahres würden sich die Beschwerden häufen. Es sei auch schon mehrmals zu Auseinandersetzungen zwischen Süchtigen und Bewohnern in Hauseingängen und Hinterhöfen gekommen.

Überwiegend handele es sich bei den Drogenkonsumenten um russisch- und polnischsprachige Menschen. „Viele von ihnen sind Opfer von Ausbeutung im Baugewerbe, wo sie kurze Zeit illegal beschäftigt wurden und keinen oder nur einen geringen Lohn erhielten“, so Liecke. Etliche der Süchtigen sind obdachlos und übernachten in Abrisshäusern. Die desolate Situation führte zur Sucht, Verwahrlosung, Kriminalität und aggressivem Verhalten.

Die Drogenabhängigen einfach nur an die nächste Straßenecke zu verdrängen, bringe nichts, meint der Stadtrat. Er setzt auf ein Modellprojekt, das vom Bezirk finanziert wird, am 1. März startet und bis Ende des Jahres laufen soll. Die Straßensozialarbeiter der gemeinnützigen Gesellschaft „Fixpunkt“ sollen regelmäßig rund um den S-Bahnhof unterwegs sein und mit den Süchtigen Kontakt aufnehmen. Dabei werden Sprachmittler helfen. Ziel ist es, die Konsumenten mit Beratungs- und Hilfsangeboten bekanntzumachen; „Fixpunkt“ selbst betreibt die Kontaktstelle „Druckausgleich“ an der Warthestraße 5.

Erste Schritte wurden bereits getan. Von Oktober bis Ende 2016 finanzierte das Quartiersmanagement mehr als 20 Einsätze der Streetworker. Sie sprachen mit 104 Süchtigen, darunter 25 Frauen. Immerhin 30 Drogenkonsumenten konnten an die Kontaktstelle angebunden werden und ließen sich helfen. Die Streetworker vergaben auch sterile Nadeln, um HIV- und Hepatitisinfektionen vorzubeugen, und kümmerten sich um die Entsorgung von gebrauchten Spritzen.

Diese Arbeit soll weitergehen und ausgeweitet werden. Geplant ist auch, ein „Drogenkonsummobil“ einzusetzen, informiert Liecke. Es soll regelmäßig in der Nähe des S-Bahnhofs Station machen. Hier können sich Suchtabhängige in sauberer Umgebung einen Schuss setzen. Natürlich ist für Betreuung durch Streetworker und medizinisches Personal gesorgt. Am Stuttgarter Platz in Charlottenburg macht „Fixpunkt“ mit seinem Drogenmobil seit Jahren gute Erfahrungen. sus

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