Trinker, Müll, Pöbelei, Drogen
S-Bahnhof Pankow: Es muss sich was ändern!

Stephan Lenz ließ sich von Anwohnerin Dagmar Philippi die Situation am Bahnhof Pankow erläutern und zeigen. Einhellige Meinung: Hier muss mehr getan werden!
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Am S- und U-Bahnhof Pankow ist offenbar doch nicht alles so sicher und sauber, wie man es in der Senatsinnenverwaltung meint. Davon konnte sich Abgeordnetenhaus-Mitglied Stephan Lenz (CDU) bei einem Vor-Ort-Termin überzeugen.

Eigentlich las sich alles ganz gut, was Innen-Staatssekretär Torsten Akmann (SPD) auf eine Reihe von Fragen antwortete, die ihm Lenz vor einigen Wochen zum S- und U-Bahnhof Pankow stellte.

Die Zahl der Sachbeschädigungen sei hier übers Jahr gesehen vergleichsweise gering. Die Bahnhöfe würden häufiger gereinigt, damit sie nicht so einen verschmutzten Eindruck machen. Sicherheitspersonal gehe gegen aggressive Trinker vor. Es gebe gemeinsame Streifen von Sicherheitspersonal der S-Bahn und der BVG. Und auch die Anzahl der Straftaten sei vergleichsweise gering. So die Statistik des Senats.

Dagmar Philippi, die unmittelbar in Bahnhofsnähe wohnt, macht da ganz andere Beobachtungen. Und diese teilt sie mit ihren Nachbarn, mit Gewerbetreibenden um den Bahnhof sowie mit dort eingesetztem Sicherheitspersonal. Und davon konnte sich Stephan Lenz in Gesprächen mit jenen überzeugen, die jeden Tag im oder an diesem Bahnhof präsent sind.

„Die Situation hat sich im vergangenen Jahr verschlimmert“, sagt Dagmar Philippi. Vom Bahnsteig aus fliegen zum Beispiel häufig Flaschen oder Verpackungsabfälle auf ihren Balkon. Sie beobachtet außerdem, dass immer wieder Menschen, offenbar Wohnungslose, am südlichen Ende des Bahnsteigs nächtigen.

Außerdem trifft sie bereits in den Morgenstunden, wenn sie zur Bahn läuft, auf alkoholisierte Männer. Die stehen im oder vor dem Bahnhofsgebäude, trinken Wodka und belästigen auch Passanten. „Da traut man sich gar nicht mehr, vom Geldautomaten im Bahnhof Bares abzuheben“, sagt die Anwohnerin.

Sie bekam außerdem mit, dass Sicherheitskräfte im Supermarkt am U-Bahnhof immer wieder von aggressiven Trinkern angepöbelt werden. Es solle sogar vorkommen, dass kurz nach 6 Uhr, wenn Ware angeliefert wird, Trinker in den Markt stürmen wollen, um sich mit Alkohol zu versorgen, berichtet die Anwohnerin.

Ein Gewerbetreibender, der einen Stand vor dem Bahnhof betreibt, bestätigt Stephan Lenz, dass sich die Situation am Bahnhof in den vergangenen Monaten verschlimmerte: „Wenn man nur kurz hier langkommt, bekommt man vieles gar nicht mit“, sagt er. „Aber ich bin ständig hier. Und da beobachte ich vieles, was nicht in Ordnung ist.“

Das sind zum Beispiel die Fahrradständer. Die sorgen dafür, dass es im Bereich vor dem Bahnhof unübersichtlich ist, sodass hier auch gedealt werden kann. Richtig eklig sei, dass Trinker, aber auch Passanten die Bereiche zwischen den Fahrradständern nutzen, um ihre Notdurft zu verrichten. Manchmal stinke es dann richtig. Und manche Obdachlose schlafen offenbar sogar dort.

Dass sich die Situation am Bahnhof Pankow verschlimmert hat, bestätigen auch zwei Sicherheitskräfte der S-Bahn, die Stephan Lenz auf dem Bahnhof anspricht. Sie geben bereitwillig, aber auch ein wenig frustriert Auskunft: „Wir erteilen zwar immer wieder Obdachlosen und Trinkern Platzverweise, wenn wir hier Streife laufen. Aber wenn wir eine halbe Stunde später wieder vorbeikommen, sind sie wieder da. Es ist wie ein Katz-und-Maus-Spiel“, berichtet einer der Sicherheitsleute.

Zu etwa 80 Prozent ist es auch immer der gleiche Kreis, auf den man treffe, so sein Kollege. Doch mehr als sie aus dem Bahnhof zu verweisen, könne man nicht machen. Vor allem durch sehr laute Musik, Trinkerei von Hochprozentigem und Pöbelei von Angetrunkenen fühlen sich Fahrgäste belästigt. In der Regel versuchen die Sicherheitskräfte, sachlich und ruhig die betreffenden Personen aus dem Bahnhof zu verweisen. „Nur wenn jemand absolut nicht reagieren will, Probleme macht oder die Situation gefährlich wird, können wir die Bundes- oder die örtliche Polizei rufen“, so der Sicherheitsmann.

Und was würde den Sicherheitskräften bei ihrem Job auf dem Bahnhof Pankow helfen? „Wir würden uns wünschen, dass es hier ein stationäres Sicherheitsteam gibt, das sich ständig um die Lage vor Ort kümmert. Gut wären auch Sozialarbeiter, die sich um die Wohnungslosen kümmern.“

Für Stephan Lenz ist klar: Am S- und U-Bahnhof Pankow muss sich in puncto Sicherheit mehr tun. „Deshalb möchte ich Druck machen, damit die Einsicht wächst: Hier müssen alle gemeinsam aktiver werden, zum Beispiel auch das Ordnungsamt.“ Um das zu erreichen, will Lenz möglichst bald Gewerbetreibende, Anwohner, Vertreter von S-Bahn, BVG, Polizei und Bezirk an einen Tisch holen, um gemeinsam die Situation zu besprechen und nach Lösungen zu suchen. Ziel muss es sein, Ordnung und Sicherheit im und um den Bahnhof endlich wirklich zu verbessern.

Was sagen Sie dazu? Haben Sie ähnliche Erfahrungen gemacht? Oder haben Sie vielleicht Lösungsvorschläge? Schreiben Sie an: leser@berliner-woche.de.

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