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Vom Wasserwerk zur Naherholung

Der Wasserturmplatz mit Steigrohrturm ist inzwischen umfassend saniert. Man erkennt aber noch die einstige Struktur der Anlage.
Der Wasserturmplatz mit Steigrohrturm ist inzwischen umfassend saniert. Man erkennt aber noch die einstige Struktur der Anlage. (Foto: Bernd Wähner)

Heute ist er eines der Wahrzeichen des Ortsteils: Der Wasserturm an der Belforter Straße. Bis zur Bezirksfusion war er sogar Teil des Wappens von Prenzlauer Berg. Dabei hatten er, der benachbarte Steigrohrturm und die beiden Tiefbehälter an seinem Fuße ursprünglich eine profane, wenn auch sehr wichtige Aufgabe. Sie sollten die wachsende Berliner Bevölkerung mit Wasser versorgen.

Die Geschichte dieser Wasserversorgungsanlage reicht bis in die Mitte des 19. Jahrhunderts zurück. Auf dem ehemaligen Windmühlenberg zwischen Belforter, Diedenhofer, Kolmarer und Knaackstraße wurde ab 1852 ein Steigrohrturm mit Wasserbehälter in Betrieb genommen. 

Die wachsende Stadt versorgen

Sie war Bestandteil des ersten Berliner Wasserwerkes vor dem Stralauer Tor. Dieses Werk versorgte die damals 400 000 Einwohner von Berlin mit dem lebenswichtigen Nass. Die Sohle des Hochbehälters lag etwa zwanzig Meter über der sogenannten Tiefstadt, also dem alten Berlin. Die höhere Lage sorgte für den nötigen Druck in den Wasserleitungen. Als die Stadt dann weiter Richtung Norden wuchs, entstand die sogenannte Hochstadt. Damit auch dieser Bereich, der heute den größten Teil von Prenzlauer Berg umfasst, mit Wasser versorgt werden konnte, musste eine andere Lösung her.

Deshalb wurde 1877 der dicke Wasserturm mit integriertem Hochbehälter gebaut. In seinem Kern befindet sich die Wasserspeicheranlage. Drumherum wurden seinerzeit Wohnungen für die Bediensteten des Wasserwerks gebaut. Sie waren damit immer sofort an Ort und Stelle, wenn es mal Probleme mit der Wasserversorgung gab.

Veränderungen im gesellschaftlichen und im natürlichen Umfeld führten im Jahre 1914 zur Schließung der Wasserversorgungsanlage. Ein Jahr später ließ der damalige Berliner Gartendirektor Albert Brodersen auf dem Gelände um den Wasserturm einen „Schmuckplatz“ anlegen.

In den folgenden Jahrzehnten wurde die Wasserversorgungsanlage unterschiedlich genutzt. Das traurigste Kapitel in der Geschichte dieses Ortes: 1933 errichteten die Nazis hier eines der ersten vorübergehenden Konzentrationslager. In diesem wurden ihnen unliebsame Personen ohne Urteil interniert und ermordet. An das dunkle Kapitel erinnert seit 1981 eine Gedenkwand auf dem Gelände.

Später lagerte in den Tiefbehältern am Wasserturm eine Fischverarbeitungsfirma ihre Waren. Der „Schmuckplatz“ wurde indes 1976 durch den VEB Stadtgrün im Auftrag des damaligen Bezirksgartenamtes Prenzlauer Berg restauriert.

Kultur und Wohnen 

Anfang der 90er Jahre hatte man im Bezirksamt dann die Idee, die unterirdischen Wasserspeicher zu einem Kulturzentrum mit Bibliothek umzubauen. Die immensen Kosten, die für die Umsetzung des Projektes nötig wären, ließen diese Planungen aber rasch im Sande verlaufen. Seit 1992 sind die unterirdischen Wasserspeicher aber immer wieder für temporäre Kunstprojekte genutzt worden.

Im Wasserturm selbst gibt es heute immer noch Wohnungen. Sie wurden zu DDR-Zeiten von der Kommunalen Wohnungsverwaltung (KWV) verwaltet. Nach 1990 gingen sie in den Bestand der Wohnungsbaugesellschaft in Prenzlauer Berg (WIP) über. Seit deren Fusion mit der Gewobag ist diese Wohnungsbaugesellschaft Eigentümerin. Die Gewobag ließ den Wasserturm und die neun Wohnungen in ihm im Jahr 2000 sanieren und modernisieren.

Heute gelangen die Mieter über zwei Aufgänge in das Gebäude. Jede Wohnung hat übrigens einen individuellen Schnitt. Gemeinsam ist allen, dass sie zur Außenwand hin keine geraden Stellflächen haben. Außerdem gibt es nur Durchgangszimmer. 

Aber nicht nur der Wasserturm und der benachbarte Steigrohrturm sind inzwischen saniert. Auch die Sanierung der 19 500 Quadratmeter großen Gesamtfläche, die heute als Wasserturmplatz bezeichnet wird, konnte 2007 abgeschlossen werden. Mit Unterstützung von Wiener Weingärtnern konnte hier zum Beispiel ein kleiner Weinberg angelegt werden. Außerdem sind seinerzeit 15 000 Rosenstöcke und 10 000 weitere Gehölze gepflanzt worden. So ist das gesamte Wasserturm-Gelände, das eigentlich ein Industriedenkmal ist, an schönen Frühlingstagen inzwischen eine beliebte Grünanlage.

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