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Ehrenamtliche von "Berliner Schulpate" geben Grundschülern Einblick in ihren Beruf

Georg Dinter ist Berufspate und gewährt Grundschülern einen Einblick in seine Arbeitswelt.
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  • Georg Dinter ist Berufspate und gewährt Grundschülern einen Einblick in seine Arbeitswelt.
  • Foto: Berliner Schulpate gGmbH
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Was sollte und was kann ein Schulsystem leisten? Und wo ist Eigeninitiative gefragt? Mit diesen Fragen hatte sich Georg Dinter zuvor kaum beschäftigt, als er vor sechs Jahren beim Empfang seines Meisterbriefs in der Berliner Handwerkskammer an einem Stand die Initiative „Berliner Schulpate“ kennenlernte. Aber die Idee, Grundschülern ehrenamtlich Einblicke in die eigene Berufswelt zu geben, begeisterte ihn sofort.

„Ich finde ‚Berliner Schulpate‘ absolut unterstützungswürdig“, erklärt der Orthopädietechnikermeister und Mitgeschäftsführer eines mittelständischen Unternehmens. „Denn viele Betriebe haben vor allem in handwerklichen Bereichen mit Nachwuchsproblemen zu kämpfen.“ Seit 2016 besucht Georg Dinter nun in Abstimmung mit den Mitarbeitern der Berliner Schulpate gGmbH Grundschulen und stellt Kindern von der vierten bis sechsten Klasse seinen Beruf vor. „An einem Tag wird erklärt und vorgeführt", sagt Georg Dinter. „Mit Computeranimationen, aber auch mit echten Prothesen zum Anfassen kann man die Kinder richtig begeistern.“ Anschließend können die Schüler in großer Runde ihre Fragen loswerden. Zu einem Anschlusstermin kommen sie dann in kleinen Gruppen direkt in den Betrieb und lernen den Arbeitsalltag Dinters hautnah kennen.

Für den Orthopädietechniker ist das ein Gewinn für alle. „Die Schulen werden in ihrer Arbeit entlastet, die Kinder bekommen schon früh ein Gefühl für Berufe, und Unternehmen können potenziellen Nachwuchs für bestimmte Berufe begeistern.“ In seinem Betrieb habe das bereits geklappt, so Dinter. Eine Schülerin, die im Rahmen der Aktion seinen Betrieb kennenlernte, habe sich später für ein Praktikum beworben.

"Hartzer" ist keine Perspektive

Aufklärungsarbeit in Schulen zu leisten vor allem für Schüler, die aus sozial schwierigen Verhältnissen stammen, ist ein wichtiges Ziel für Arne Lingott, der 2013 die Initiative „Berliner Schulpate“ gründete. Die Perspektivlosigkeit mancher Schüler war für den Mitarbeiter der Handwerkskammer ein Alarmsignal. „Nach Berufswünschen befragt, lautete bei manchen Schülern die Antwort nur ‚Hartzer‘. Dass es richtige Berufe gibt, die es zu ergreifen lohnt, haben Kinder, in deren Umfeld Arbeitslosigkeit zu oft die Normalität ist, häufig nicht auf dem Schirm.“ Die Schul- und Berufspaten steuern aktiv dagegen, gehen direkt in die Grundschulen. Die liegen oft in sogenannten Problemkiezen. Denn eine Voraussetzung für die Kooperation ist, dass mindestens 50 Prozent der Eltern der Schüler Transferleistungen empfangen. Und warum gerade Grundschulen? Arne Lingott: „In der vierten bis sechsten Klasse sind Schüler meist total aufgeschlossen, begeisterungsfähig, neugierig und stehen bald vor der Wahl, schulbegleitende Berufspraktika zu machen.“

Arne Lingott von der Handwerkskammer Berlin ist  der Gründer der Initiative Berliner Schulpate.
  • Arne Lingott von der Handwerkskammer Berlin ist der Gründer der Initiative Berliner Schulpate.
  • Foto: Berliner Schulpate gGmbH
  • hochgeladen von Michael Vogt

Momentan arbeiten sechs feste Mitarbeiter in der von Gasag, Berliner Volksbank und dem Land Berlin finanziell getragenen Berliner Schulpate gGmbh. Dazu kommen zehn hauptamtliche Schulpaten, die die Zusammenarbeit der derzeit jährlich etwa 250 aktiven Berufspaten mit den Schulen organisieren. Momentan besteht mit 27 Grundschulen eine Kooperation, drei weitere sollen 2021 dazukommen, fünf stehen auf der Warteliste. Dabei führe die Nachfrage, so Arne Lingott, allmählich an die Kapazitätsgrenzen der Initiative. Seinen Schätzungen zufolge sind circa ein Drittel der rund 360 Grundschulen potenzielle Kandidaten für die Schulpaten. Allerdings sei dazu eine gute Kooperationsbereitschaft seitens der Schulen unabdingbar. „Das ist ja kein Wandertag, sondern ein pädagogisch wertvolles Schulprojekt, mit dem wir wirklich etwas erreichen wollen. Das bedarf auch der intensiven Vorbereitung und Begleitung seitens der Lehrerschaft.“

Von Corona lassen sich die Schulpaten derweil nicht stoppen. „Momentan wird an einem alternativen Hybridmodell für die Berufsstunden in den Schulen gearbeitet – eine Kombination aus Videokonferenz und anschaulichen Berufsmaterialien vor Ort“, sagt Arne Lingott.

Weitere Informationen gibt es im Internet unter www. berliner-schulpate.de.

Autor:

Michael Vogt aus Prenzlauer Berg

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