Als der Kaiser ging, kam er zu Welt
Hugo Krotz feierte Mitte Oktober seinen 100. Geburtstag

Hugo Krotz kann auf ein langes Leben zurückschauen. Seit 1975 wohnt er in Prenzlauer Berg.
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  • Hugo Krotz kann auf ein langes Leben zurückschauen. Seit 1975 wohnt er in Prenzlauer Berg.
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Man merkt Hugo Krotz sein Alter tatsächlich nicht an. Vor zwei Wochen war er gerade in Paris. Danach war er beim Tanz in der Begegnungsstätte der Volkssolidarität der erste auf dem Parkett. Und als das Gespräch mit dem Reporter durch ein Klingeln an der Tür unterbrochen wird, ist er in Windeseile an der Tür.

Dort spricht er mit der Bäckerin seines Vertrauens rasch die Bestellung für seinen Geburtstag ab. Es ist der 100. „Wie viele Leute kommen und was da alles auf mich zukommt, weiß ich nicht“, sagt er lächelnd. „Ich bleibe da ganz gelassen und lass mich überraschen.“

Dass Hugo Krotz noch so fit ist, liegt offenbar daran, dass er nicht gewillt ist „einzurosten“. Er reist gern und viel. „Ich war zum Beispiel schon in Genua, am Gardasee, in den Dolomiten und im Elsass. Gefallen hat es mit auch in Norwegen, Schweden, Belgien, den Niederlande.“ Hugo Krotz hält auch seine Wohnung im Blumenviertel in Schuss. Staubwischen und Saugen seien kein Problem für ihn. „Nur beim Fensterputzen und ähnlichen Arbeiten brauche ich Hilfe. Einmal im Monat kommt da jemand“, sagt er.

Gepflegt ist auch der Balkon. Dort stehen in Kästen 25 Geranien. „Die hat mir Blumen-Müller aus Französisch Buchholz im Frühjahr als vorfristiges Geschenk zum Hundertsten spendiert“, erzählt er. „Dort hole ich immer die Blumen für das Grab meiner langjährigen Lebenspartnerin. Und dort in der Nähe hatten wir auch ein Wochenendgrundstück.“

Gebürtiger Berliner ist er nicht. „Mein Vater war im Ersten Weltkrieg einer von den Roten Matrosen. Und als ich 1918 in Ueckermünde zur Welt kam, dankte gerade der Kaiser ab“, sagt er. In der Stadt am Stettiner Haff verbrachte er auch seine Kindheit und Jugend, engagierte sich in der sozialistischen Arbeiterjugend und im Sportverein. Später erlernte er den Beruf eines Formers und Gießers in einer Eisengießerei.

„Nach dem Angriff Hitlerdeutschlands auf die Sowjetunion gehörte ich zu denen, die als erste an die Ostfront geschickt wurden“, erinnert er sich. Dort wurde er gleich verwundet: Durchschuss im rechten Fußgelenk. Ausgemustert! Als Former und Gießer konnte er aber nicht mehr arbeiten. „So wurde ich Lehrlingsausbilder.“

Nach dem Zweiten Weltkrieg gründete Krotz in Ueckermünde die KPD mit und trat dort zur ersten Kommunalwahl an. „Ich wurde zum Stadtrat für Kultur und Bildung gewählt. Und dann ging es Schritt für Schritt weiter nach oben: vom Bürgermeister in Ueckermünde bis zum Landrat von Greifswald und Umgebung. Und 1951 wurde ich dann nach Berlin geholt.“ Er wurde Mitarbeiter beim ZK der SED, Stadtverordneter von Berlin, 1. Stellvertreter des Bürgermeisters im Stadtbezirk Köpenick. Zuletzt war er viele Jahre in der Verwaltung der Akademie der Wissenschaften tätig. „Ich arbeitete sogar fünf Jahre länger, als ich musste, bevor ich in Rente ging.“ Seither lässt es sich Hugo Krotz mit viel Gelassenheit gut gehen. Er engagiert sich in der Volkssolidarität, ist regelmäßig in deren Begegnungsstätte an der Grellstraße 14 anzutreffen. Dort richtet man ihm zu Ehren auch am 15. November um 14 Uhr eine Gratulationsveranstaltung aus.

Reisen und Tanzen, aber auch das Kartenspielen und geselliges Beisammensein bereiten Hugo Krotz heute viel Freude. Man hört ihm gern zu, denn er hat wirklich sehr viel erlebt.

Seiner Enkelin, die gerade eine Baby bekam, versprach Hugo Krotz gerade kürzlich, dem neuen Erdenbürger zu seiner Einschulung die Schultüte zu spendieren. „Ich werde also noch ein paar Jahre leben.“

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