Das geschah 2016: Schlaglichter des Jahres in Tempelhof-Schöneberg

Im April feierte der ufa-Kindercircus seinen 30. Geburtstag mit großem Programm.
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  • Im April feierte der ufa-Kindercircus seinen 30. Geburtstag mit großem Programm.
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Tempelhof-Schöneberg. Das Jahr 2016 in Tempelhof-Schöneberg war reich an Ereignissen. Die Berliner-Woche-Reporter Karen Noetzel und Horst-Dieter Keitel lassen einige noch einmal Revue passieren.

Januar

Die Nachricht ging wie eine Schockwelle um die Welt. Millionen Fans trauerten. Am 10. Januar starb David Bowie. Der Tempelhofer MedienPoint brach daraufhin eine gerade laufende Ausstellung ab und organisierte in Windeseile die Bowie-Gedenkausstellung „Legenden sterben nie“.

Einen Tag zuvor war Tempelhof Alt-Bürgermeister Siegmund Jaroch im Alter von 89 Jahren in einem Pflegeheim verstorben. Jaroch regierte den Bezirk von 1975 bis 1981.

Gefahrstoff Asbest. Allein in Tempelhof-Schöneberg sollen 9631 städtische Wohnungen betroffen sein. Ein Mieterverein fordert ein Asbestregister für Berlin sowie das Erstellen eines Sanierungsfahrplans.

Jugendstadtrat Oliver Schworck (SPD) hat es geschafft. Die Jugendeinrichtungen Potse, PallasT und Drugstore in der Potsdamer Straße dürfen bleiben – zumindest für die nächsten zwei Jahre.

Der Umbau des KaDeWe bei laufendem Betrieb beginnt. Der neue Kaufhauschef Vittorio Radice plant vier Kaufhäuser unter einem Dach.

David Bowie stirbt. Der Popstar lebte Ende der 70er-Jahre in einem Haus in der Hauptstraße. Das Land Berlin spendiert ihm eine Gedenktafel.

Ende Januar werden vier Brückenstücke der Yorckbrücken demontiert und zur Instandsetzung auf einer nahe gelegenen Brache abtransportiert. Fünf der 30 historischen, denkmalgeschützten Yorckbrücken werden saniert.

Februar

Dem Integrationszentrum „Harmonie“ in der Katzlerstraße 11 werden zum 29. Februar die Räume gekündigt. Dem Verein droht das vollständige Aus.

Die Begegnungszone in der Maaßenstraße ist ein gutes Vierteljahr alt, da regt sich Kritik. Insbesondere die Geschäftsleute und Gastwirte beschweren sich. Sie befürchten oder haben bereits Umsatzeinbußen.

Wieder sind in Friedenau Stolpersteine geschändet worden. Die Täter bleiben in der Nacht zum 3. Februar offensichtlich ungestört. 35 der kleinen Bodendenkmäler, die an ermordete oder in den Suizid getriebene Friedenauer Juden erinnern, werden mit weißer Farbe beschmiert.

Das Tempelhofer St. Joseph Krankenhaus meldete erneut einen Geburtenrekord. Im Durchschnitt wurden im Jahr 2015 und werden jeden Tag etwa zehneinhalb Kinder in der katholischen Kinderklinik geboren. Deutschlandweit Spitze!

In Mariendorf kündigte sich ein neuer Wirtschaftsstandort rund um den alten Gasometer an. Inzwischen wird dort amerikanisches Bier gebraut und Bürgermeisterin Angelika Schöttler attestierte dem ehemaligen Gasag-Gelände große Entwicklungschancen.

März

Die nächste traurige Meldung: Am 8. März ist der frühere Tempelhof-Schöneberger Bürgermeister Ekkehard Band im Alter von 71 Jahren verstorben. Der Sozialdemokrat lenkte die Bezirksverwaltung von 2001 bis 2011.

Die Bezirksverordnetenversammlung (BVV) bedauert fraktionsübergreifend die kurz zuvor vom Eisenbahnbundesamt genehmigte Planfeststellung zur Dresdner Bahn durch Lichtenrade und beschließen, dem „erklärten Bürgerwillen“ folgen zu wollen. Die Lichtenrader verlangen einen Tunnelbau, die Bahn möchte die Gleise ebenerdig verlegen. Zurzeit beschäftigen sich Gerichte mit dem Fall.

Die U-Bahnhöfe Friedrich-Wilhelm-Platz und Yorckstraße sollen ein vollkommen neues Interieur erhalten, der U-Bahnhof Eisenacher Straße in Teilen. Das Vorhaben der BVG ruft Architekturwissenschaftler und Denkmalschützer auf den Plan.

Der Start in die Brunnensaison auf dem Viktoria-Luise-Platz geht mit Protesten der Anwohner einher. Wegen knapper Haushaltsmittel kann der Bezirk die Wechselbepflanzung nicht finanzieren.

Die AfD hält zum ersten Mal eine Kundgebung vor dem Rathaus Schöneberg ab. Der Zulauf ist mehr als mäßig. Die Polizei sperrt den Platz ab. SPD und Gruppierungen aus dem linken politischen Spektrum organisieren eine Gegendemonstration.

April

Mindestens zweimal wurde groß gejubelt: Der Posaunenchor Mariendorf feierte mit einem Festgottesdienst in der Martin-Luther-Gedächtniskirche sein 100-jähriges Bestehen. Und in der ufaFabrik wurde drei Tage lang ausgelassen der 30. Geburtstag des ufa-Kindercircus begangen.

Die FDP und die Initiative „Rolle rückwärts“ starten eine Umfrage zur Begegnungszone in der Maaßenstraße.

Kunstraub auf dem Alten St. Matthäus-Kirchhof: Metalldiebe entwenden Skulpturen, Büsten und Grabplatten. Sie sind bis heute verschwunden.

Spatenstich für „Geisberg Berlin“. Bis Herbst 2017 entstehen im alten Postamt an der Geisberger Straße und auf dem dazugehörigen Grundstück 128 Eigentumswohnungen.

Mai

Schöneberg bekommt Deutschlands erstes Ausstellungszentrum für Streetart. Am 19. Mai wird mit Kulturstaatssekretär Tim Renner (SPD) an der Bülowstraße der Baubeginn für das „Urban Nation Museum for Urban Contemporary Art“ gefeiert.

Der Hauseigentümer der Katzlerstraße 11 klagt gegen das Integrationszentrum „Harmonie“ auf Räumung. „Nun stehen wir vor dem Gericht. Für das, was wir in siebzehneinhalb Hahren für die Gesellschaft geleistet haben“, kommentiert Geschäftsführerin Larissa Neu.

Ordnungsstadtrat Oliver Schworck (SPD) lässt wilde Kleidercontainer auf öffentlichen Straßen und Plätzen rigoros entfernen.

Tempelhof-Schöneberg wird „Fair Trade Town“. Die gute Nachricht wurde auf dem Alt-Lichtenrader Wein- und Winzerfest gefeiert. Das es soweit kam, ist nicht zuletzt dem unermüdlichen Einsatz von Doris Deom zu verdanken. Die Lichtenrader BUND-Aktivistin konnte zahlreiche Geschäftsleute überreden, Produkte aus fairem Handel ins Sortiment zu nehmen.

Juni

Der erfolgreiche Abschluss der Sanierung des „Bärenparks“ kann gefeiert werden. Rund drei Jahre lang wurde die denkmalgeschützte Wohnsiedlung mit knapp 900 Wohneinheiten an der Oberlandstraße gründlich erneuert.

Auch im Gemeinschaftshaus Lichtenrade wurde vier Tage lang zünftig gefeiert. Zum fünften Mal hatte der Musiker Lutz Fußangel das Lichtenrader Jazzfest organisiert.

Der Heinrich-Lassen-Park wird endlich saniert. Bis 2018 soll alles fertig sein.
Die Zukunft des Ausstellungsprojekts „Wir waren Nachbarn“ ist gesichert. Am 16. Juni unterzeichnen Bürgermeister Bezirksamt und Förderverein „frag doch!“ einen Vertrag zur Verlängerung der Betreuung und Weiterentwicklung der Ausstellung.

Das Erhaltungsgebiet um den Kaiser-Wilhelm-Platz wird erweitert: Nun ist auch der Kiez zwischen zwischen Grunewald-, Haupt-, Vorberg- und Akazienstraße Milieuschutzgebiet.

Juli

Am 22. Juli feiert das Auguste-Viktoria-Krankenhaus den Spatenstich für den ersten von zwei Bauabschnitten eines neuen Erweiterungsbaus am Grazer Damm. Geplant sind bis 2030 zwei Neubauten auf einem Areal von rund einem Hektar Größe.

Atempause für das Integrationszentrum „Harmonie“. Die Richterin am Landgericht Berlin setzt die Räumungsklage aus. Sie ruht solange, bis das Verfahren um das Vorkaufsrecht entschieden ist, das der Bezirk für das Haus Katzlerstraße 11 ausgeübt hat. Der Hauseigentümer legt Beschwerde ein.

Die BVV setzt den Bebauungsplan für das Vorhaben an der Bautzener Straße fest. Dort sollen 1200 Wohnungen entstehen. 40 Prozent sind Sozialwohnungen. Im Vorfeld gab es heftige Proteste in der Anwohnerschaft.

Im Fußballstadion des Volksparks Mariendorf ging der 33. Rocktreff über die Bühne.

Mit einem Tag der offenen Tür und allerlei Vorführungen feierte die Freiwillige Feuerwehr in Alt-Lichtenrade 110-jähriges Jubiläum.

August

Jahrelang hatten die Bewohner der Gartenstadt Neu-Tempelhof und das Bezirksamt nach einer Lösung gesucht, um, wenn es sich am Tempelhofer Damm staut, die Wohnsiedlung vom Ausweich- und Durchgangsverkehr zu verschonen. Nun scheint der Königsweg gefunden, die Straßen zwischen Manfred-von-Richthofen- und Hoeppnerstraße wurden blockweise gegenläufig als Einbahnstraßen ausgeschildert.

Gute Nachricht gab es für den Wirtschaftsstandort: Das Aufzugs- und Rolltreppenbauunternehmen Schindler Deutschland AG plant bis 2020 rund 44 Millionen Euro in seine Berliner Firmenzentrale am Mariendorfer Schindlerplatz zu investieren.

Das Haus am Kleistpark mit der Kommunalen Galerie und der Leo-Kestenberg-Musikschule muss dringend saniert werden. Knapp zwei Millionen Euro werden benötigt. Eine Entscheidung wird erst nach den Berlin-Wahlen fallen.
Tausch am Sachsendamm: Möbelkönig Kurt Krieger wechselt Kraft gegen Höffner aus. Eröffnung ist am 4. August.

September

In Lichtenrade reißen die Proteste gegen die Bahnpläne nicht ab. Nachdem die Bahn konkret den Baubeginn plant und an der ebenerdigen Trassenführung festhält, fand am 5. September die vorerst letzte Demonstration für einen Tunnel statt.

Am 1. September geht die berühmt gewordene Kohlenhandlung des Widerstandskämpfers Julius Leber an den Stadtteilverein Schöneberg über. Der Stadtteilverein kann nun einen Lern- und Gedenkort schaffen.

Mit einer zentralen Feier am 4. September begeht die evangelische Zwölf-Apostel-Kirchengemeinde das Jubiläum zum 160-jährigen Bestehen des Alten St. Matthäus-Kirchhofs an der Großgörschenstraße.

Die Hamburger BÖAG Beteiligungs AG feiert am 17. September den Spatenstich für das in Friedenau teilweise sehr umstrittene Bauvorhaben „Friedenauer Höhe“ auf dem Gelände des ehemaligen Güterbahnhofs Wilmersdorf. Auf der 6,5 Hektar großen Brache entstehen 940 Wohnungen, 235 im sozialen Wohnungsbau.

Der Kunstpreis 2016 des Bezirks geht an den 36 Jahre alten Marc von der Hocht. Der Meisterschüler von UdK-Professor Robert Lucander erhält die mit 5000 Euro dotierte Auszeichnung für sein dreiteiliges Werk „Tick, Trick & Track“.

BVV-Wahlen am 18. September: SPD und Grüne erleiden Verluste, bleiben aber stärkste und zweitstärkste Kraft im Bezirksparlament. Die AfD zieht erstmals mit sechs Verordneten ein.

Oktober

Die Arbeiten zur Aufwertung des Mittelstreifens in der Lietzenburger Straße beginnen. Bis zum Frühjahr 2017 werden ein neuer Weg und eine Wildblumenwiese angelegt sowie Bänke an Staudenbeeten aufgestellt. Zum Projekt gehörte eine umfassende Bürgerbeteiligung.

SPD und Grüne nehmen Verhandlungen für eine Fortsetzung der Zählgemeinschaft auf. Mit der Linken wird eine Zusatzvereinbarung getroffen, um die amtierende Bürgermeisterin Angelika Schöttler von der SPD wieder wählen zu können. Rot-Grün allein hat dafür keine Mehrheit in der BVV.

Am 27. Oktober konstituiert sich die neue BVV. Zum Bezirksverordnetenvorsteher wird der 50 Jahre alte Sozialdemokrat Stefan Böltes gewählt.

November

Das soziale Schreibbüro der agens Arbeitsmarktservice gGmbH erhält das Apha-Siegel. Das neue Gütesiegel, von Bildungssenatorin Sandra Scheeres verliehen, signalisiert, dass hier Menschen mit Lese- und Schreibschwierigkeiten Hilfe bekommen.

Am 27. November kann das St. Joseph Krankenhaus die 4000 Geburt des Jahres vermelden. Neuer Rekord.

Die Polizei nimmt am 2. November in der Wohnung eines Flüchtlingshelfers in der Kolonnenstraße einen mutmaßlichen Terrorverdächtigen fest. Der 27-Jährige hat sich als syrischer Kriegsflüchtling ausgegeben, ist aber vermutlich Tunesier.

Am 3. November vergibt der Bezirk auf dem Euref-Campus den 6. Green Buddy Award, den grünen Oscar für umweltbewusste Unternehmen. Drei der vier ausgezeichneten Firmen kommen aus Marienfelde.

Mit einem Festakt wird die neue Johannes-Schule auf dem Waldorf-Campus zwischen Monumenten- und Kolonnenstraße offiziell eingeweiht. Das Gebäude für 360 Schüler und 55 Mitarbeiter ist nahezu vollständig aus Holz gebaut.

Am 16. November wird Bürgermeisterin Angelika Schöttler mit 31 Ja-Stimmen gegen 24 Nein-Stimmen im Amt bestätigt.

Die Scharmützelsee-Grundschule ist eine von zwei Hauptpreisträgern des Mete-Eksi-Preises 2016. Die mit 1500 Euro dotierte Auszeichnung wird der Theater-AG der Schule für ihr Stück „Verkehrte Flucht – Hayas Zeitreise nach Hause“ verliehen.

Dezember

Auch 2016 konnte wieder im Foyer des Rathauses Schöneberg ein „Wunschbaum“ aufgestellt und mit über 100 Wunschkärtchen von Kindern aus bedürftigen Familien bestückt werden. Initiator der Aktion ist der Verein „Schenk doch mal ein Lächeln“.

Die jahrelangen Förderer des Rocktreffs im Volkspark Mariendorf, Prof. Michael Abou-Dakn, Rainer Kotecki und Petra Dittmeyer, werden vom Veranstalter, dem Jugendamt, für ihren Einsatz geehrt. Sie erhalten lebenslang gültige VIP-Tickets für das Festival.

Und noch eine Auszeichnung: Der zweite Platz im Europäischen Unternehmensförderpreis geht an das Unternehmensnetzwerk Großbeerenstraße. Gewürdigt werden die vielfältigen Aktivitäten im Sinne von Toleranz, Antidiskriminierung und Integration von Flüchtlingen. KEN/HDK

Autor:

Horst-Dieter Keitel aus Tempelhof

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