SPD will Konzert verhindern
Verordnete diskutieren über Xavier Naidoos geplanten Auftritt auf der Zitadelle

Das Konzert hätte schon im Sommer stattfinden sollen. Bereits damals wurde im Vorfeld heftig debattiert. Jetzt gibt es einen neuen Termin für den Auftritt des Sängers Xavier Naidoo auf der Zitadelle: 1. August 2021.

Geplant war das Gastspiel schon in diesem Jahr im Rahmen des Citadel Music Festivals, fiel aber wegen der Corona-Pandemie und der daraus resultierenden Einschränkungen aus. Die erneute Ankündigung des Konzerts rief nun die SPD-Fraktion in der Bezirksverordnetenversammlung (BVV) auf den Plan. In die Sitzung der Verordneten Anfang Dezember hatte sie eine Große Anfrage eingebracht. Deren Titel: „Xavier-Naidoo-Auftritt auf der Zitadelle – Rollt Spandau Reichsbürgern und Verschwörungstheoretikern den roten Teppich aus?“ Die Formulierung zielt auf Äußerungen Naidoos ab wie die vom „kranken und faschistischen System“, das angeblich in Deutschland herrsche. Zwar bestreitet Naidoo eine Nähe zu oben genannten Gruppierungen, aber die Sozialdemokraten meinen, dass so jemand auf der Zitadelle nichts verloren habe. Künstler mit rassistischen und antidemokratischen Tendenzen dort auftreten zu lassen, stehe gegen die weltoffene Ausrichtung Spandaus.

Bezirk hat keinen Einfluss auf das Programm

In der Ablehnung des Gedankenguts, das der Sänger verbreitet, war sich die Mehrheit der Bezirksverordneten einig, nicht aber darüber, was daraus folgen sollte. Kulturstadtrat Gerhard Hanke (CDU) verwies nicht zum ersten Mal auf die Faktenlage. Der Vertrag mit Trinity Music, dem Veranstalter der Konzertreihe, schließe eine Einflussnahme des Bezirks auf Programm und Künstler aus, machte er erneut deutlich. Würde die Verwaltung vor diesem Hintergrund den Auftritt Naidoos verbieten, hätte das immense Schadensersatzansprüche zur Folge. Der Stadtrat nannte in diesem Zusammenhang eine Summe von „mindestens einer Million Euro“. Darüber hinaus ginge es aber auch um die grundsätzliche Frage der Zensur. Welche Vorstellung sei dann noch gestattet und wer bestimme das? Er jedenfalls nicht, sagt Gerhard Hanke. Und die Politik sollte das insgesamt nicht tun.

Ähnlich klang das bei der Bezirksverordneten Anne-Liselotte Düren (Die Linke). Dass ihr Xavier Naidoo nicht gefalle, verstehe sich von selbst. „Aber ich lehne Zensur ab.“ Ihr Vorschlag: Die SPD könnte beim Konzerttermin mit Flyern und persönlicher Aufklärung vor der Zitadelle vorstellig werden.

Es gehe nicht um Zensur, fand der SPD-Kollege Lukas Schulz, sondern darum, dass Künstler, die dort auftreten, auf dem Boden der freiheitlich-demokratischen Grundordnung stehen. Sollte davon krass abgewichen werden, gebe es noch die Möglichkeit strafrechtlicher Konsequenzen, hatte Stadtrat Hanke schon zuvor betont. Und möglicherweise, auch das wurde von ihm angedeutet, erledige sich das Problem von selbst. Der Veranstalter habe durchblicken lassen, dass er Anfang des Jahres Klarheit brauche, ob größere Konzerte im kommenden Sommer durchführbar sind. Wenn diese Entscheidung vielleicht erst im Frühjahr falle, könnte es zu spät sein. Die Zitadellen-Veranstaltungen sind inzwischen zu einer Spandauer Visitenkarte geworden. Sie ziehen normalerweise im Sommer regelmäßig rund 200 000 Menschen an. Ein Großteil kommt von außerhalb und lässt davor und danach auch Geld in der nahe gelegenen Altstadt.

Geplant sei eigentlich, das Festival in 2021 noch einmal auszudehnen, erklärt Gerhard Hanke. Neben 23 „lauten“ solle es noch einmal so viele „leise“ Konzerte geben. Gemeint sind damit eher getragene Veranstaltungen, die ohne größere Verstärker auskommen.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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