Leer stehende Wohnungen im Advent entkernt

Optisch nicht schön, aber intakt - die zum Teil noch genutzten Wohnungen in der Schlüterstraße 18.
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Das Immobilienunternehmen Diamona & Harnisch schreitet zur Tat. Es bereitet leerstehende Wohnungen seiner drei Nachkriegsbauten im Kiez an der Schlüterstraße auf den Abriss vor. Mit den Arbeiten begann es mitten im Advent und schockte damit die wenigen verbliebenen Mieter.

Die Häuser an der Pestalozzistraße 97, der Schlüterstraße 18 und der Wielandstraße 50 gingen im Oktober 2016 in den Besitz von Diamona & Harnisch über und seit März vergangenen Jahres ist es kein Geheimnis mehr: Das Unternehmen möchte die in den 1960er Jahren errichteten Mietshäuser dem Erdboden gleichmachen und neue bauen. Etwa 100 Menschen lebten vor gut einem Jahr noch in den drei Objekten nördlich der Kantstraße, heute sind gerade noch sieben Einheiten bewohnt. Der Großteil zog es vor, dem sanften Druck der Firma nachzugeben und sich mit ihren „sozialverträglichen Lösungen“ für alternativen Wohnraum zu arrangieren. Laut Diamona & Harnisch bedeutet das Hilfe bei der Suche nach Wohnungen, Erstattung der Umzugskosten oder die Übernahme der Mietdifferenz im Falle eines höheren Wohngeldes.

Drei Parteien wohnen noch in der Schlüterstraße und jeweils zwei in den anderen beiden Straßen. Und dann gibt es noch das Lichtenberg-Kolleg in zwei Etagen der Pestalozzistraße 97, eine Privatschule, deren Auszug bis spätestens Ende März schon vertraglich bedingte Sache ist. Mieter und Schulleitung wurden in der Vorweihnachtszeit nun Zeugen der Rückbaumaßnahmen in den unbewohnten Wohnungen, die laut waren, Dreck verursachten und Sorgen verursachten. „Decken wurden heruntergerissen und überall lag das knochentrockene Dämmmaterial herum. Dazu wurden die Türen herausgenommen. Meiner Meinung nach hätte ein Funken für ein Feuer im ganzen Haus gereicht – etwa durch einen verirrten Feuerwerkskörper an Silvester. Ich mag gar nicht daran denken“, sagt die Lebensgefährtin eines Mieters der Schlüterstraße 18. Für die Frau, die namentlich nicht genannt werden möchte, hat das alles Methode: „So etwas macht man doch nicht genau zur Adventszeit. Die Mieter sollen rausgeekelt werden.“ Auch in der Pestalozzistraße wurde etwa zeitgleich mit den Arbeiten begonnen, dort gab es nicht nur Beschwerden über Baulärm- und verstaubte Treppenhäuser. Der Innenhof zur Wielandstraße 50 hin, in den die Arbeiter das alte Interieur aus den Fenstern warfen, soll dabei nicht gesichert gewesen sein.

Die Beschwerden erreichten auch die Bauaufsicht im Bezirksamt, während einer Ortsbesichtigung habe ein Mitarbeiter dann festgestellt, dass die leerstehenden Wohnungen lediglich entkernt worden seien, heißt es in einer Stellungnahme. Das bedürfe keiner gesonderten Anzeige bei der Bauaufsicht. Tatsächlich seien auch Wohnungseingangstüren ausgehängt worden, doch angesichts der geringen Brandlasten in den leerstehenden Wohnungen sei kein erhöhtes Brandrisiko gesehen worden. Der Mitarbeiter habe Diamona & Harnisch daran erinnert, dass der tatsächliche Abriss der Häuser der Bauaufsicht zuvor angezeigt werden müsste. Und immerhin: Die Türen wurden wieder eingehängt. Wie ein Sprecher des Immobilienunternehmens sagte, sei man weiterhin zuversichtlich, auch mit den verbliebenen Mietern zu einer einvernehmlichen Lösung zu kommen. „Vorher denkt selbstverständlich niemand über einen Abriss nach. Wir bedauern die vorübergehende Belastung der Mieter durch Staub und Lärm. Dass die Rückbaumaßnahmen genau zur Weihnachtszeit starteten, habe Sachzwängen unterlegen.“

Baurechtlich kann der Bezirk nichts machen

Es ist eine Frage der Zeit, bis auch die letzten Mieter ihre Siebensachen packen und umziehen müssen. Baurechtlich sind dem Bezirk ohnehin die Hände gebunden, wie Stadtentwicklungschef Oliver Schruoffeneger (Grüne) bestätigte und die Hoffnung, Diamona & Harnisch eine illegale Zweckentfremdung zu belegen, hat sich ebenfalls zerschlagen. „Die vom Fachbereich Wohnen eingeleiteten Amtsverfahren zu allen drei Gebäuden sind abgeschlossen. Der Abriss der Gebäude wurde gemäß des Zweckentfremdungsverbot-Gesetzes mit der Auflage genehmigt, dass entsprechender Ersatzwohnraum vom Eigentümer geschaffen wird", vermeldet Arne Herz (CDU), Leiter der Abteilung Bürgerdienste, Wirtschafts- und Ordnungsangelegenheiten am Bezirksamt. Tatsächlich würde nach dem Neubau mehr Wohnraum zur Verfügung stehen, wenn auch sicher nicht zum gleichen Mietzins. Aktuell gibt es in der Schlüterstraße 17 und in der Wielandstraße und Pestalozzistraße zusammen weitere 20 Bestandswohnungen. Hat Diamona & Harnisch seine Pläne umgesetzt, gibt es insgesamt 14 Wohnungen mehr.

Die aktuelle Situation der übrig gebliebenen Bewohner macht das nicht besser. „Einige von ihnen leben seit 20 oder 30 Jahren hier und haben ihr Leben lang genau dafür gearbeitet.“, sagt die Lebensgefährtin des Mieters aus der Schlüterstraße.

Autor:

Matthias Vogel aus Charlottenburg

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