Kein Bock auf den Piks
Aktueller Impfgrad schützt nicht vor Masernwelle

Gegen Masern können Kinder geschützt werden. Aber nicht alle Eltern nutzen dieses Angebot und lassen ihren Nachwuchs impfen. Gerade in Friedrichshain-Kreuzberg.

Deutlich wurde das bei den Ergebnissen der Einschulungsuntersuchungen, die am 6. November Thema im Integrationsausschuss waren. Sebastian Beil, Sozial- und Gesundheitsberichterstatter im Bezirksamt, stellte eine Menge Zahlen zu Wohlbefinden, Sprache und Motorik von Sechsjährigen vor. Und das mit Vergleichsdaten aus dem Zeitraum zwischen 2013 und 2017.

Beim Thema Masern ist der Impfgrad zwar während dieser vier Jahre von 85 auf 92 Prozent angestiegen, aber auch dieser Wert macht noch nicht immun gegen eine mögliche Epidemie. "Dafür wäre ein Anteil von mindestens 95 Prozent nötig", sagte Sebastian Beil.

Seine Erhebungen machten auch deutlich, wo die Impfmuffel vor allem zu suchen sind: speziell innerhalb der deutschstämmigen Bevölkerung. Dort haben insgesamt nur 88 Prozent der Kinder einen solchen Schutz. Zum Vergleich: Bei Gleichaltrigen aus türkischen Elternhäusern sind es 96 Prozent, bei arabischen Familien beträgt der Anteil 92 Prozent. Ebenfalls eher impfabstinent sind Menschen ost- oder westeuropäischer Herkunft, wo 83 beziehungsweise 84 Prozent eine Masern-Prophylaxe haben.

Impfen, darauf verweist nicht nur dieser Überblick, ist vor allem beim häufig gut situierten, öko-affinen deutschen und europäischen sogenannten Bildungsbürgertum verpönt. Und der Anteil geimpfter Kinder fällt je nach Regionen sehr unterschiedlich aus. Unterdurchschnittlich ist er laut Sebastian Beil zum Beispiel im Wrangelkiez. Das steigert, gerade in solchen Quartieren, die Gefahr einer neuer Masernwelle. Die bisher letzte gab es 2015.

Impfgegner argumentieren gerne damit, dass nicht jedes Kind diese Vorsorge vertrage. Das ist richtig, aber der Anteil wird innerhalb eines Jahrgangs auf maximal 2,5 Prozent geschätzt. Wenn lediglich diese Betroffenen den Schutz nicht bekommen, aber alle anderen, wäre der Richtwert von 95 Prozent trotzdem erreicht. Und auch die Impfverweigerer könnten dann vor Masern ziemlich sicher sein.

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