A train is coming…
Liberale Werte feiern – Zum letzten Mal Zug der Liebe

Der Zug der Liebe sollen soll die schweigende Mehrheit auf die Straße bringen.
  • Der Zug der Liebe sollen soll die schweigende Mehrheit auf die Straße bringen.
  • Foto: Saskia Uppenkamp
  • hochgeladen von Josephine Macfoy

Sie tanzen wieder. Am 25. August findet bei prognostizierten 23 Grad Celsius mit Sonne der Zug der Liebe statt, eine Ravedemonstration für Toleranz und Mitgefühl. Trotz großen Erfolges ist es wahrscheinlich das letzte Mal.

Demonstrationen gibt es viele in Berlin, um die 5000 jährlich. Nur wenige Bewegungen allerdings erobern sich wie der Revolutionäre Erste Mai oder der Christopher Street Day einen Legendenstatus. Mit deren langer Tradition kann sich der Zug der Liebe, oft zu Unrecht als Nachfolgeveranstaltung der Loveparade beschrieben, noch nicht messen. Etwas Besonderes ist er dennoch. Seit 2015 bringt er jährlich tausende Menschen zusammen, die mit Techno und Tanz ihre liberalen Werte feiern.

„Wir wollen euch nicht zu Aktivisten erziehen oder dazu bringen, politischer zu sein. Uns reicht vollkommen wenn Ihr für mehr Toleranz und Mitgefühl wieder mit uns auf die Straße geht“, heißt es auf der Homepage der Veranstaltung. Eine Demonstration ohne den Anspruch, Menschen zu politisieren? „Das Konzept erreicht eine große Masse, die sonst vielleicht nicht demonstrieren ginge“, sagt Mitinitiator Jens Schwan.

Verglichen mit gut besuchten Großdemonstrationen ohne Musik und Party ist der Zug der Liebe was die Beteiligung betrifft tatsächlich weit vorn. Im vergangenen Jahr liefen trotz Regenwetters etwa 17 000 Menschen mit. Von den klassischen Demonstrationen brachte nur das stark diskutierte Thema Agrarwende bei „Wir haben es satt“ mit 33 000 Teilnehmern noch mehr Leute auf die Straße.

Plattform für die Geisteshaltung der Millennials

Was aber nützt es, wenn ein loser Haufen Feiernder für Liebe durch die Stadt zieht? Dass die weltoffene Mehrheit Gesicht zeigt, meint Schwan. Er selbst war 1989 in der DDR bei den Oktoberdemonstrationen dabei und nach der Wende im Autonomen Block aktiv. Auch die Hausbesetzerszene kennt der Mitorganisator, sagt aber: „Politisches Engagement zu erzwingen, bringt gar nichts.“ Der Zug der Liebe sei gerade so erfolgreich, weil er nicht an Pflichtgefühle appelliere. Es ginge viel mehr darum, den liberal denkenden Millennials eine Plattform für ihre Geisteshaltung zu bieten. Diese stehe sozialer Ausgrenzung und Rassismus entgegen, dafür seien Nachhaltigkeit, Tierschutz und Weltoffenheit darin fest verankert.

Beim Zug der Liebe geht es um die oft schweigende Mehrheit, für die Toleranz und Mitgefühl Normalität sind und nichts besonders Politisches. Die kann dann ruhig zu Techno durch die Straßen ziehen, denn präsentiert werden soll vor allem das Lebensgefühl der Gemeinschaft durch geteilte Überzeugungen. „Und wenn sich jemand darüber hinaus engagiert: super. Anregungen gibt es durch die beteiligten Vereine ja viele“, sagt Schwan.

Gegenevent zu Pegida

Grundgedanke der Veranstaltung war 2015, im Pegidajahr, eine Demonstration für etwas zu organisieren, statt dagegen. Martin Hüttmann, ein weiterer Initiator, war früher an der Fuckparade beteiligt, die ursprünglich ein unkommerzielles Gegenevent zur Loveparade war. Auf Dauer zu negativ, befand er. Von Hüttmann stammt die Idee für den Namen Zug der Liebe. „Zuerst einmal habe ich mich darüber kaputtgelacht“, gesteht Schwan. Aber das Konzept habe sich bewährt. Party und Politik, das geht Schwans Erfahrung nach doch gut zusammen.

Beim Zug der Liebe haben sich dieses Jahr wieder diverse gemeinnützige Vereine angeschlossen, darunter die Clubcommission, der Gangway e.V. für Straßensozialarbeit und der Sage Hospital e.V., der ein Krankenhaus im Senegal finanziert. Teilweise sind die Initiativen selbst auf die Veranstalter zugekommen und haben sich für einen Wagen beworben. Teils wurden sie aber auch angesprochen, wie etwa das Tierheim Berlin, das Schwan, selbst Katzenliebhaber, mit dabei haben wollte.

Obgleich die Demonstration in den vergangenen Jahren sehr erfolgreich war, soll 2018 der letzte Zug der Liebe an den Start gehen. 2017 hatte die Initiative rund 10 000 Euro Miese gemacht. Die Initiatoren mussten bei den Kosten selbst mit einspringen. „Aber auch unabhängig von den Finanzen: Wir arbeiten alle in Vollzeit. Nebenbei ist die Organisation einfach nicht mehr zu stemmen“, sagt Schwan. Investoren ins Boot zu holen, ist allerdings nicht geplant. „Damit würden wir die Idee verraten.“

Der Zug der Liebe führt am 25. August ab 13 Uhr vom Treptower Park über Kreuzberg und Friedrichshain nach Lichtenberg. Weitere Infos auf http://zugderliebe.org.

Autor:

Josephine Macfoy aus Schöneberg

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