Anwohner diskutieren Vorschläge zur Verkehrsberuhigung im Samariterkiez

In der Voigtstraße wird es oft eng. Nicht nur dort soll der Durchgangsverkehr künftig durch Poller ausgebremst werden.
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Tempo-10-Zonen vor der Schule und an Kitas. Weitere Zebrastreifen. Und einige Pollersperren, die den Durchgangsverkehr abschrecken sollen. Mit diesen Ideen soll das Fahrzeugaufkommen im Samariterkiez spürbar reduziert werden.

Diese haben Mitglieder der Bürgerinitiative, die sich seit vergangenem Jahr für eine Beruhigung einsetzt, zusammen mit der Straßenverwaltung im Bezirk erarbeitet. Am 15. Januar wurde das Konzept bei einer Informationsveranstaltung im Gemeindesaal der Samariter-Kirche vorgestellt.

Die Vorschläge ergaben sich aus mehreren Vorgaben. Zunächst sollten sie möglichst schnell und außerdem allein in der Verantwortung von Friedrichshain-Kreuzberg umgesetzt werden können. Auch möglichst geringe Umbauten und damit verbundene Kosten spielten eine Rolle. Dann könne bei Bedarf noch einmal verändert werden, erklärte Helmut Schulz-Herrmann, Leiter des Fachbereichs Straßen. Das Ganze ist deshalb auch eine Art Experiment. Aber mit einem klaren Ziel: Der Kiez soll vor allem für Kinder sicherer werden und der Verkehr von Nord nach Süd und umgekehrt eingeschränkt werden.

Die Poller erfüllen dabei eine wichtige Funktion. Zwei solcher Sperren sind entlang der Bänschstraße vorgesehen. Einmal, allerdings nicht vollständig abgeschlossen, an der Kreuzung Samariterstraße, außerdem an der Pettenkoferstraße. Eine weitere soll an der Ecke Schreiner- und Voigtstraße eingerichtet werden. Autofahrer, die zum Beispiel von der Frankfurter Allee über die Voigt- in Richtung Eldenaer Straße fahren wollen, können in diesem Fall nur rechts in die Schreinerstraße abbiegen. Für alle, die das Quartier bisher als Abkürzungsstrecke benutzt haben, würden sich solche Umwege nicht lohnen und sie würden die Gegend meiden. Erst recht, wenn sie an weiteren Stellen noch auf zehn km/h herunter bremsen und dazu auf zusätzliche Zebrastreifen achten müssten. So die Hoffnung.

Die natürlich nicht von allen der rund 80 Besuchern unisono geteilt wurde. Eine gegenläufige Einbahnstraßenregelung fanden manche zielführender. Oder noch verschärfter, gleich den gesamten Verkehr um den Kiez herumzuleiten. Und warum die Durchgangsstraßen nicht grundsätzlich an den Kreuzungen zur Frankfurter Allee sperren? Und statt Zebrastreifen wollten einige lieber Ampeln.

Verkehrslenkung bleibt außen vor

Helmut Schulz-Herrmann verwies bei den meisten Einwänden darauf, dass sie in der Verantwortung der Verkehrslenkung Berlin liegen. Von dort sei aber, wenn überhaupt, eine Genehmigung erst nach langer Zeit zu erwarten. Und selbstverständlich würden auch bei den bezirklichen Maßnahmen die Autofahrer darauf hingewiesen, dass sie die Samariter-, Voigt- und Pettenkoferstraße nicht mehr durchgehend passieren können.

Ungeklärt blieb die Frage, wie sich die Sperren auf den motorisierten Verkehr der Dienstleister auswirken: vom Krankenwagen und der Feuerwehr über die Müllabfuhr bis zu den Paketzustellern. Darüber soll ebenso nachgedacht werden wie über mögliche Veränderungen an der einen oder anderen Stelle. Hinweise wie an diesem Abend und auch noch weitere seien erwünscht, betonte Baustadtrat Florian Schmidt (Bündnis 90/Grüne).

Die werden jetzt noch einen Monat gesammelt und das Konzept noch einmal überarbeitet. Wobei die vorgestellten Prämissen wohl weiter die Grundlage bilden. Denn sie bedeuten bereits einen Kompromiss. Abschließend entscheiden soll der Umwelt- und Verkehrsausschuss, beziehungsweise dann die Bezirksverordnetenversammlung.

Das alles werde laut Stadtrat etwa drei bis vier Monate dauern. Wenn alles gut gehe, könne Mitte des Jahres umgebaut werden. Die Bauzeit wird mit zwei Monaten angegeben.

Danach sollte ein dreiviertel, besser noch ein Jahr Zeit bleiben, um zu beobachten, ob die beabsichtige Verkehrsberuhigung wirklich eintrete, so Schulz-Herrmann. Breche allerdings an einer Stelle das totale Chaos aus, könne aber auch früher reagiert werden.

Wie viel Lärm ist zumutbar?

Dass etwas gegen den zunehmenden Autoverkehr im Samariterkiez getan werden muss, darin waren sich die Teilnehmer der Informationsveranstaltung weitgehend einig. Allerdings mit unterschiedlichen Akzenten. Eine Frau sprach sich zwar ebenfalls für Beruhigung an manchen Stellen aus. Sie fand aber insgesamt, dass mehr Lärm eben zu einer Innenstadt gehöre. Wer damit ein Problem habe, solle woanders hinziehen. Was ihr Widerspruch nicht nur im Publikum, sondern auch von Baustadtrat Florian Schmidt (Bündnis 90/Grüne) einbrachte.

Manchmal unterschwellig, manchmal konkret zeigten sich auch unterschiedliche Einschätzungen zwischen Neubürgern und Alteingesessenen. Für letztere stand vor allem ein Mann ("ich wohne seit 20 Jahren in der Schreinerstraße"). Als die S-Bahngleise saniert wurden und der Schienenersatzverkehr durch die Pettenkoferstraße verlief, habe sich niemand für die Belästigungen der Anwohner interessiert. Auch nicht, als dort Neubauquartiere entstanden. "Aber jetzt, wo die bezogen sind.... Ich bring diesen Satz lieber nicht zu Ende." Egal wie lange jemand hier lebe, von den Auswirkungen der Blechlawine seien alle betroffen, wurde ihm entgegen gehalten. Und kaum irgendwo in Berlin sei die Bevölkerungsdichte so hoch wie im Samariterkiez.

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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