Grünflächenamt Mitte holzt Bäume am Landwehrkanal ab

Was blieb, ist ein Stumpf. Der Rest eines abgeholzten Baums an der Kreuzung Flottwellstraße.
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Kreuzberg. Die Bäume und der Landwehrkanal – das ist eine besondere Verbindung. Als das Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) vor fast zehn Jahren am Kreuzberger Ufer zu einem großen Kahlschlag ansetzte, war das die Initialzündung für einen großen Proteststurm.

Daraus entwickelte sich ein Mediationsverfahren, bei dem nicht nur eine ähnliche Abholzaktion für die Zukunft ausgeschlossen, sondern auch eine enge Kooperation zwischen dem WSA, den Behörden und der Bevölkerung vereinbart wurde. Vor allem im Hinblick auf die ab 2020 vorgesehene umfassende Sanierung der Wasserstraße, die wahrscheinlich zehn Jahre dauern wird. Schon jetzt laufen dazu die Vorbereitungen.

"Frevel" begangen

Trotz dieser Vereinbarung sind aber vor Kurzem erneut 19 Bäume verschwunden. Sie befanden sich am Schöneberger Ufer zwischen der George-Marshall-Brücke und der Kreuzung Flottwellstraße. Der Bereich gehört weitgehend zu Tiergarten und damit zum Bezirk Mitte, aber mindestens ein betroffenes Ufergewächs befand sich bereits auf Kreuzberger Gebiet.

Verantwortlich für diesen "Frevel" sei das Grünflächenamt Mitte, erklärte Achim Appel bei einer Informationsveranstaltung des Wasser- und Schifffahrtsamtes am 26. April. Appel ist das bekannteste Gesicht der Baumfreunde am Landwehrkanal, er war auch am Mediationsverfahren beteiligt. Das Kettensägenmassaker am Kanalufer bedeute "einen klaren Bruch" mit diesen Abmachungen: "Wenn das Schule macht, dann sind sie nichts weiter als Klopapier."

Zusätzlich angeheizt wurde sein Ärger durch unterschiedliche, unvollständige und fehlerhafte Angaben zum Grund für den Kahlschlag. Der sei zunächst abgestritten und dann nur für drei Fälle eingeräumt worden. Das wurde aber von einem Anwohner und seinen Aufzeichnungen widerlegt. Mangelnde Verkehrssicherheit, Stammfäule sowie Wildwuchs dienten dann als weitere Begründungen.

Kommunikation schiefgelaufen

Für Aktivist Appel sind sie vorgeschoben und wenig stichhaltig. Selbst bei Gefahr im Verzug sei eine Information vereinbart worden. Und 19 Bäume gleichzeitig wären eher selten auf einen Schlag umsturzgefährdet.

Dass im Bezirk Mitte wohl "einiges an Kommunikation schiefgelaufen" sei, ließ eine dortige Vertreterin bei der WSA-Versammlung durchblicken. Ansonsten könne sie zu dieser Sache wenig sagen, denn ihr Arbeitsbereich sei der Große Tiergarten.

Das Wasser- und Schifffahrtsamt habe davon nichts gewusst und sei erst recht nicht daran beteiligt gewesen, wurde dort beteuert. Und natürlich werde man sich weiter an die Ergebnisse des Mediationsverfahrens halten.

Was schon deshalb glaubhaft klang, weil gerade dieser Behörde solche Querschüsse ziemlich ungelegen kommen. Sie steht vor der Mammutaufgabe Landwehrkanal-Sanierung und braucht dabei keinen erneuten Stress mit aufgebrachten Bürgern. Der Vorfall werde in geeigneter Form zur Sprache gebracht, erklärte Lars Doering, zuständig für die Unterhaltungsmaßnahmen an der Wasserstraße. Auch die Forderung, das Bezirksamt Mitte erneut per Unterschrift auf die Mediationsvorgaben zu verpflichten, fand keinen Widerspruch und wurde sogar von dessen Teilnehmerin begrüßt.

Ob das allerdings in ihrer Verwaltung ebenso gesehen wird, ist nicht ganz klar. Einem Vor-Ort-Termin am Schöneberger Ufer habe der Verantwortliche, nach Angaben des WSA, bisher abgelehnt.

Was passiert sonst am Kanal?

Die verschwundenen Bäume waren nur ein Thema bei der Veranstaltung des WSA am 26. April. Auch aktuelle und künftige Bauarbeiten kamen dort zur Sprache.

Ausbesserungen: Regelmäßige sogenannte Unterhaltungsmaßnahmen finden auch aktuell an vielen Stellen statt. Zuletzt zum Beispiel im Urbanhafen oder an der Waterloo-Brücke. Dort werden vor allem Fugen verdichtet. Das alles sind nur quasi kleinere Reparaturen und haben mit der geplanten umfassenden Sanierung nichts zu tun.

Instandhaltung: Größere Arbeiten, auch um das Ufer zu sichern, gab es seit November 2015 im Bereich des Alten Zollhauses sowie der Flatow-Sporthalle. Sie sollen im Mai beendet werden.

Planfeststellung: Beim Großprojekt "Sanierung des Landwehrkanals" würden die Arbeiten inzwischen in Richtung des Planfeststellungsverfahrens gehen, erklärte Christoph Bonny vom Wasserstraßenneubauamt, das mit dieser Aufgabe betraut ist. Dazu gehörte zuletzt auch die Frage, ob dafür eine Umweltverträglichkeitsprüfung notwendig ist. Die braucht es nicht, was aber keinesfalls bedeute, dass die Auswirkungen für Anwohner oder Flora und Fauna nicht berücksichtigt würden, wurde klargestellt. Das gehe bis zum Nachdenken über mögliche Ersatznistplätze für Fledermäuse.

Zeitschiene: 2020 soll die Sanierung beginnen. In Etappen werden dann auf den nahezu gesamten rund 15 Kilometern des Landwehrkanals die Uferwände erneuert. Die Arbeiten sollen nur in den Wintermonaten stattfinden, um im Sommer weiter den Schiffsbetrieb zu ermöglichen. Die gesamte Bauzeit wird etwa zehn Jahre dauern. tf

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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