Der Postscheck-Showdown
Investor macht Stimmung gegen den Bezirk

Protestplakat über mehrere Stockwerke. Die Lesart der CG-Gruppe im Streit um das Postareal.
2Bilder
  • Protestplakat über mehrere Stockwerke. Die Lesart der CG-Gruppe im Streit um das Postareal.
  • Foto: Thomas Frey
  • hochgeladen von Josephine Macfoy

Die Auseinandersetzung wird auch plakativ geführt. Der rot-rot-grüne Bezirk Friedrichshain-Kreuzberg verhindere den Bau von 623 Wohnungen, davon 182 gefördert und 55 preisgedämpft. Zu lesen war das ab 21. August auf einem riesigen Banner am ehemaligen Postscheckamt-Hochhaus am Halleschen Ufer 60.

Angebracht wurde es von der CG-Gruppe, dem Eigentümer des einstigen Postareals. Deren Chef Christoph Gröner sieht im Bezirk Verhinderer am Werk, die sein Vorhaben ausbremsen. Namentlich Baustadtrat Florian Schmidt (Bündnis90/Grüne).

Wie mehrfach berichtet, sind veränderte Baupläne der Auslöser für den Konflikt. Vereinbart war eigentlich, dass die Neu- und Umbauten im Verhältnis von etwa 70 Prozent Wohnen und 30 Prozent Gewerbe geben sollten. Diese – schon nicht ganz einfache – Abmachung, wurde im vergangenen Jahr auch bei Veranstaltungen zur frühzeitigen Bürgerbeteiligung vorgestellt.

Allerdings rückte die CG-Gruppe danach von dieser Linie ab. Sie wollte jetzt einen etwa gleich hohen Anteil von Wohnen und Gewerbe haben. Begründet wurde das unter anderem mit entsprechenden Wünschen bei der Bürgerinformation. Das allerdings bestritt Stadtrat Schmidt. Niemand habe sich dort für mehr Gewerbe ausgesprochen.

Noch mehr Profit?

Eher resultiere die Planänderung daraus, dass die CG-Gruppe inzwischen wohl festgestellt habe, dass sich mit Büroräumen noch mehr Geld verdienen lasse, als mit Wohnungen, so die Vermutung im Stadtplanungsausschuss. Dort gab es dann auch schnell eine Mehrheit dafür, die Wünsche des Investors nicht durchzuwinken.

Und zwar auch nicht, als Stadtrat Schmidt eine Art Kompromiss mit der CG-Gruppe skizzierte. Er sah ein Verhältnis von ungefähr 56 Prozent Wohnen und 42 Prozent Gewerbe vor. Darüber hinaus sollte es im Hochhaus Räume zum Beispiel für Kultureinrichtungen geben.

Dass der Stadtrat davon wieder abgerückt sei, macht ihm Christoph Gröner unter anderem zum Vorwurf. Aber das lag weniger an Florian Schmidt, sondern am ablehnenden Votum im Ausschuss und der Bezirksverordnetenversammlung. Gegen die veränderten Pläne auf dem Postscheckareal standen die Fraktionen der Grünen, Linken und SPD.

Die wendeten sich auch in einer gemeinsamen Erklärung gegen die Anschuldigung des Investors. Die CG-Gruppe habe Anfang 2018 die ganze Debatte auf den Kopf gestellt, als sie plötzlich mehr Gewerbe und weniger Wohnungen bauen wollte, heißt es dort. Diese Kehrtwende sei aus Sicht der meisten Bezirksverordneten „inakzeptabel“ gewesen. Und mit diesem Manöver sei der Planungsprozess unnötig in die Länge gezogen worden.

Auch der Baustadtrat wies in seiner Stellungnahme noch einmal darauf hin, dass es „absurd“ sei, dem Bezirksamt die Stagnation des Projekts vorzuwerfen. Nach der Konzeptänderung habe sich die ursprünglich vereinbarte Fläche von 22 000 Quadratmeter bezahlbarer Wohnfläche auf 17 000 Quadratmeter reduziert. Dieser Verlust wäre keine Basis für die Weiterführung des B-Planverfahrens gewesen.

Stimmen aus CDU und FDP im Bezirk mahnten dagegen eine Lösung des Konflikts an. Nach Ansicht der liberalen Bezirksverordneten Marlene Heihsel wäre doch der ursprüngliche Kompromiss dafür eine gute Grundlage. Beide Seiten hätten sich doch hier bewegt. Eine Ansicht, mit der sie allerdings im Stadtplanungsausschuss relativ alleine stand.

Lösung mit Mediation

Der CDU-Abgeordnete Kurt Wansner brachte einen Schlichter ins Spiel, der beide Seiten an den Verhandlungstisch zurückholen soll. Dafür geeignet wären zum Beispiel der heutige Staatssekretär in Baden-Württemberg Volker Ratzmann oder der ehemalige Berliner Justizsenator Wolfgang Wieland (beide Bündnis90/Grüne), finden Wansner und seine Fraktion. Denn, so meint er, ein Vermittlungsgespräch werde nicht reichen, dazu seien die Fronten zu verhärtet.

Dieses Gespräch wird es im September geben und zwar in der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung. Dorthin hatte sich bereits Christoph Gröner gewandt. Die Mediationsrunde soll bei Staatssekretär Sebastian Scheel (Linke) zusammen kommen. Auch er begrüße trotz aller Schwierigkeiten diesen Vermittlungsversuch und werde daran teilnehmen, erklärte Florian Schmidt.
Bereits am 22. August hat das Bezirksamt die CG-Gruppe übrigens aufgefordert, ihr Riesenplakat von dem Hochhaus zu entfernen. Einschließlich Androhung einer Ordnungsstrafe.

Parallel dazu hat die Verwaltung einen eigenen Plakatentwurf konzipiert, der die Causa aus ihrer Sicht darstellt. Den könnte man ja ebenfalls an dem Gebäude anbringen, sofern Herr Gröner dabei mitspielt, lautete dazu der natürlich ironische Kommentar.

Protestplakat über mehrere Stockwerke. Die Lesart der CG-Gruppe im Streit um das Postareal.
Eine Simulation am Hochhaus zeigt, wie das Quartier einmal aussehen soll. Streitpunkt ist die Frage, welchen Anteil Wohnen und Gewerbe dort haben.
Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

23 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Genießen Sie kulinarische Köstlichkeiten im Spitzenrestaurant "Machiavelli".
  4 Bilder

Restaurant "Machiavelli" am Roseneck
Seit 10 Jahren eine der besten Adressen in Grunewald

Dass das Spitzenrestaurant "Machiavelli" zu den ersten Adressen in der Hauptstadt gehört, ist berlinweit bestens bekannt. So überzeugt die Location seit dieser Zeit mit einer landestypischen italienischen, aber auch alpenländischen Kulinarik vom Feinsten. Darüber hinaus präsentiert sich das "Machiavelli" als wahre grüne Oase inmitten der Großstadt. Aktuell überrascht das Team selbstverständlich auch mit diversen Pfifferlingskreationen, wobei der beliebte, schmackhafte Pilz gern mit einem...

  • Grunewald
  • 04.08.20
  • 322× gelesen
WirtschaftAnzeige
Das Team der Fleischerei Haroun freut sich auf Ihren Einkauf.

Fleischerei Haroun
Wir haben Ihre Grillspezialitäten!

An der Prinzenallee, zwischen dem U-Bahnhof Pankstraße und der Bellermannstraße, gibt es eine stadtweit bekannte Institution: die Fleischerei Haroun. Ihr Besitzer Youcef Haroun ist der in seiner Familie traditionsreichen Berufung zum Fleischer gefolgt. Sein nach Tradition verarbeitetes Fleisch in Halal-Qualität zaubert Kennern ein Lächeln auf die Lippen. Zu seinen Stammkunden zählen die französischsprachige, aber auch in der deutschen und sogar der rumänischen beziehungsweise bulgarische...

  • Wedding
  • 04.08.20
  • 177× gelesen
SozialesAnzeige
In der Gruppe werden Erfahrungen ausgetauscht.
  2 Bilder

Kontaktstelle PflegeEngagement Reinickendorf
"Der Austausch mit anderen tut mir gut"

Inge M. freut sich schon. An zwei Montagen im Monat besucht sie das Angehörigencafé der Kontaktstelle PflegeEngagement, eine Gesprächsgruppe für pflegende und betreuende Angehörige, Freunde und Nachbarn. „Die Pflegesituation zu Hause ist oft sehr anstrengend“, sagt Inge, „das ständige Angebundensein, die körperliche Belastung und Freunde, die sich abwenden. Es gibt natürlich auch schöne Momente. Trotzdem habe ich mir meine Rente anders vorgestellt. Hier in der Gruppe treffe ich Menschen,...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 04.08.20
  • 120× gelesen
WirtschaftAnzeige
  3 Bilder

IdeeZaun
Ihr Wunschzaun wird hier Wirklichkeit

Wir, die Firma IdeeZaun, sind im Zaunhandel bereits seit 2008 tätig. Als mittelständisches Unternehmen an den Standorten Tempelhof und Hermsdorf sehen wir uns als Partner zwischen der Produktion und unseren Kunden. Wir beliefern Privatkunden sowie Garten- und Landschaftsbauer. Mittlerweile sind wir ein etabliertes Unternehmen in Berlin und Brandenburg. Daher würden wir uns freuen, Ihnen auch Ihren Wunschzaun zu planen und zu verwirklichen. Von der Beratung bis zum Aufbau: alles aus...

  • Hermsdorf
  • 04.08.20
  • 225× gelesen
BildungAnzeige
  4 Bilder

Jeder kann was!
Freie Ausbildungsplätze an der Emil Molt Akademie

Wir sind eine Berufsfachschule, Fachoberschule und Fachschule in freier Trägerschaft. Vor zwei Jahren im neuen Vollholzgebäude in Schöneberg eingezogen, freuen wir uns, Ihnen mit neuer Kapazität folgende Bildungsgänge anbieten zu können: Die Ausbildung zum Sozialassistenten, in zwei Jahren - Voraussetzung: Berufsbildungsreife (BBR) Die Ausbildung zum Kaufmännischen Assistenten, in zwei Jahren - Voraussetzung: Mittlerer Schulabschluss (MSA) Die Allgemeine Fachhochschulreife,...

  • Schöneberg
  • 01.07.20
  • 577× gelesen
  •  2
WirtschaftAnzeige
  3 Bilder

Wie hat sich das Einkaufsverhalten in Berlin und Brandenburg verändert?
Mehr Wertschätzung für regionale Lebensmittel?

Der Agrarmarketingverband pro agro und der Verband Digitalwirtschaft Berlin-Brandenburg (SIBB e.V.) befasst sich mit dem Thema:  Mehr Wertschätzung für regionale Lebensmittel.  Toilettenpapier, Hamsterkäufe, Begrenzungen der Kundenzahlen in den Geschäften - die mediale Berichterstattung der vergangenen Monate zum Einkaufsverhalten der Verbraucher war bestimmt von diesen drei Schlagzeilen.  Doch wie hat sich das Einkaufsverhalten in Berlin und Brandenburg verändert? Wurde häufiger im...

  • 03.07.20
  • 816× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen