Verkehr und mehr an der Urbanen Mitte
Infoveranstaltung zum Bauprojekt

Simulation der künftigen Skyline der Urbanen Mitte.
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  • Simulation der künftigen Skyline der Urbanen Mitte.
  • Foto: Copyright: Ortner & Ortner, Stephan Weber
  • hochgeladen von Simone Gogol-Grützner

Ein Verkehrsgutachten zu erstellen, scheint eine Wissenschaft für sich zu sein. Was da alles berücksichtigt und dann in Resultate umgerechnet wird, ist enorm. Manchmal beinhaltet das sogar humoristische Elemente.

Zumindest beim Vortrag von Matthias Jakob war das so. Er kam vom Büro Hoffmann Leichter und stellte das Verkehrsgutachten für die sogenannte Urbane Mitte vor. Damit gemeint ist das Bauvorhaben am Rand des Gleisdreieckparks, südlich, nördlich und rund um die U-Bahnstation Gleisdreieck. Auf einer relativ schmalen, aber insgesamt rund 4,5 Hektar großen Fläche sollen sieben hoch geschossige Neubauten entstehen. Der längste misst etwa 90 Meter. Das Erdgeschoss und die unteren Etagen sind für Geschäfte, Handwerksbetriebe, Dienstleister sowie Kultureinrichtungen vorgesehen. Die folgenden Stockwerke beherbergen Büros, auch ein Hotel. Ebenfalls Teil des Vorhabens ist ein Ateliergebäude an der Luckenwalder Straße.

Zwischen 2500 und 3000 Personen werden sich in Spitzenzeiten gleichzeitig in den Gebäuden aufhalten. Alle müssen dort hin- und wieder wegkommen. Dazu kommen Passanten wie Fußgänger oder Radfahrer im Park, Lieferanten oder die Müllabfuhr.

Womit wir beim Thema Verkehr wären. Der werde natürlich mehr, sei aber insgesamt zu bewältigen. So grob zusammengefasst der Vortrags von Matthias Jakob bei einer Informationsveranstaltung am 4. Juni im Deutschen Technikmuseum. Die umliegenden Straßen wären zwar teilweise schon jetzt einigermaßen belastet, aber noch nicht völlig an ihrer Kapazitätsgrenze. Etwa das Schöneberger-, Tempelhofer- oder Hallesche Ufer mit einem Fahrzeugaufkommen in Spitzenzeiten, sprich am Morgen sowie am Nachmittag, zwischen 1600 und 2000 pro Stunde.

Wegen der Urbanen Mitte hat der Gutachter ein weiteres Plus von rund 4700 motorisierten Vierrädern im Tagesverlauf errechnet. Was heruntergebrochen zu einer gewissen Zunahme gerade während der Rush Hour auch in den Nebenstraßen führe. Etwa in der Trebbiner- oder Luckenwalder Straße von aktuell knapp unter 100 auf dann 200 bis 300 Autos und Lkw. Die Trebbiner Straße soll außerdem in das Urbane-Mitte-Gebiet verlängert werden. In der Schöneberger Straße, bisher etwa 400, wären es dann 500 Fahrzeuge. Angaben, die von manchen Anwohnern gleich kritisch hinterfragt wurden. Sie fanden die Zahlen zu niedrig angesetzt.

Vielleicht werden sie schlüssiger, wenn die bezifferten Margen einmal zusammenaddiert werden, sprang ihm Markus Vogel bei, dessen Büro Partner des Urbane-Mitte-Investors, der Copro GmbH, ist. Auch darüber hinaus versuchte Vogel ab und an, die Aussagen nachvollziehbar zu übersetzen oder Einwänden Raum zu geben.

Nach Ansicht der Nachbarn ist die Verkehrssituation schon jetzt teilweise desaströs. Das größte Problem wäre der ruhende Verkehr. Konkret vor allem bei der Veranstaltungslocation "Station Berlin" an der Luckenwalder Straße. Events dort führten regelmäßig zum Chaos auf den Straßen.

Der Gutachter regte an, das erwartete Mehraufkommen durch intelligentere Verkehrsführungen zu bewältigen. Denn es betreffe nicht nur die Urbane Mitte, sondern weitere Neubauten in der Umgebung. Sein Vorschlag: Die Ampeln anders takten. Nur wenige Sekunden, die etwa den Fahrzeugen von der Möckernstraße kommend mehr Zeit zum Einbiegen in das Hallesche oder Tempelhofer Ufer gegeben werde, würden für weniger Rückstau sorgen. Denn die Berliner Autofahrer seien, laut Erhebungen, beim Anfahren schneller unterwegs als andere Bundesbürger.

Ebenfalls angemerkt wurde ein besseres Auslasten des schon vorhandenen, inzwischen schon um die Hälfte reduzierten, aber noch immer nicht optimal genutzten Parkhauses am Ende der Schöneberger Straße, einschließlich einer dann geänderten Zu- und Abfahrt. Wie insgesamt Tiefgaragen dafür sorgen sollen, dass abgestellte Autos aus dem oberirdischen Raum verschwinden. Außerdem wird darauf gesetzt, dass viele einst rund um das Gleisdreieck Beschäftigen per Fahrrad oder öffentlichen Verkehrsmitteln dorthin kommen.

Auch die vom Bezirk geplante nahezu flächendeckende Parkraumbewirtschaftung in Friedichshain-Kreuzberg könnte zur Beruhigung beitragen. Sie wird allerdings noch etwas auf sich warten lassen.

Das gilt aber auch für den Baustart der Urbanen Mitte. Die hat nämlich noch ein anderes Verkehrsproblem, in diesem Fall mit der Deutschen Bahn. Deren geplante neue S-Bahnlinie S21 soll eines Tages durch Teile des Areals führen. Wie genau und mit welchen Auswirkungen kann die Bahn aber aktuell noch nicht sagen.

Konkret hat das aber zur Folge, dass das Bauvorhaben erst einmal geteilt wird. Der südliche Bereich, der von der möglichen S21-Trasse nicht berührt ist und wo zwei Hochhäuser vorgesehen sind, soll in den kommenden zweieinhalb Jahren bis zur Baugenehmigung vorangetrieben werden. Nördlich des Bahnhofs Gleisdreiecks, wo die Streckenführung der S-Bahn die Urbane Mitte tangiert, wird erst mit einer Baureife in dreieinhalb Jahren gerechnet.

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