Google-Campus kommt nicht
"Betterplace" statt Onlineriese

Corona- Unternehmens-Ticker

Der im ehemaligen Umspannwerk an der Ohlauer Straße geplante Google-Campus wird nicht eröffnet. An seiner Stelle soll es dort ein "Haus für soziales Engagement" geben.

Wie mehrfach berichtet, plante das Onlineunternehmen auf etwa 3000 Quadratmeter Fläche einen Treffpunkt und Mentoringprogramm für Start-ups. Ähnliche Einrichtungen unterhält Google bereits in mehreren Städten weltweit, von Madrid bis Tel Aviv.

In Kreuzberg stieß das Vorhaben von Beginn an auf Protest. Anwohneraktivisten befürchteten einen zusätzlichen Gentrifizierungsschub durch weiter steigende Mietpreise. Darüber hinaus stieß der Name Google auf wenig Wohlwollen. Im September kam es zu einer kurzfristigen Besetzung der Campus-Räume.

Auch der Bezirk hatte Google Daumenschrauben angelegt und mit einem Versagen der Baugenehmigung gedroht. Was bereits zu einigen Änderungen im Nutzungskonzept geführt hatte. Auch eine Kooperation mit Initiativen und der Nachbarschaft wurde angemahnt. Aus all dem scheint Google jetzt die Konsequenzen gezogen zu haben.

Das "Haus für soziales Engagement", das jetzt im Umspannwerk entstehen soll, wird federführend von der Onlinespendenplattform "Betterplace" sowie dem Verein Karuna, vor allem aktiv in der Kinder- und Jugendnothilfe, verantwortet. Der Eröffnungstermin ist für kommendes Frühjahr vorgesehen.

Baustadtrat Florian Schmidt (Bündnis90/Grüne) begrüßte die Entscheidung. "Ich hoffe, dass andere große und mittlere Unternehmen diesem Beispiel folgen". Denn für Friedrichshain-Kreuzberg seien gemeinwohlorientierte private Initiativen von großer Bedeutung. Der Bezirk werde das Projekt begleiten und sich weiter für die Sozialraumverträglichkeit von Immobilienentwicklungen einsetzen.

Es gibt aber auch kritische Stimmen, die im Google-Rückzug eine verpasste Chance sehen. Von einem "fatalen Signal" sprachen die CDU-Fraktion im Abgeordnetenhaus und die FDP-Gruppe in der Bezirksverordnetenversammlung. Damit werde in die Welt gesendet, man möchte keine Gründer, keine Innovationen und keine neuen Arbeitsplätze, meinen die Liberalen. Diese Art von Politik zeuge von "Ignoranz und Konservatismus".

Autor:

Thomas Frey aus Friedrichshain

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