Allgemeine Verunsicherung
Gastronomen kritisieren Politik und improvisieren im Winter

Die Maske bei der Arbeit zu tragen, ist für Angestellte in der Gastronomie, wie hier im "Marzahner Krug", längst Alltag.
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  • Die Maske bei der Arbeit zu tragen, ist für Angestellte in der Gastronomie, wie hier im "Marzahner Krug", längst Alltag.
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Für Gastronomen ist das Jahr 2020 geprägt von Umsatzeinbrüchen und ständig neuen Corona-Regeln. Zumeist steht dabei die Branche in den City-Bezirken im Mittelpunkt. Doch wie schätzen Betreiber von Gaststätten, Bars und Restaurants in Marzahn-Hellersdorf die Lage ein? Haben sie Existenzängste, und was tun sie, um ihre Gäste auch in den Wintermonaten bewirten zu können? Zwei Beispiele.

Frank Rohloff, seit September Pächter des traditionsreichen Gasthauses „Marzahner Krug“ in Alt-Marzahn, würde sich mehr Kommunikation vonseiten der Verwaltung wünschen. Offizielle Informationen darüber, was erlaubt sei und was nicht, bekäme er weder vom Bezirk noch vom Senat. Stattdessen müsse er sich diese selbst im Internet zusammensuchen.

Auch Susan Kyewski, Inhaberin der Gaststätte „Zur S-Bahn Kaulsdorf“, beklagt die mangelnde Unterstützung. „Der Senat entscheidet immer wieder neue Regeln“, erklärt sie. Jeden Tag verbringe sie viel Zeit damit, sich über den aktuellen Stand zu informieren, um in ihrem Restaurant nichts falsch zu machen. „Auch meine Kollegen fragen mich jeden Tag, was es Neues gibt.“ Ihre Gäste seien mittlerweile genauso verunsichert. Sie wüssten nicht mehr, für wie viele Personen sie reservieren und mit vielen Freunden und Familienmitgliedern sie ein Restaurant besuchen dürften. Diese Verunsicherung spürt auch Frank Rohloff. Einige Gäste hätten Feiern abgesagt, obwohl keine Notwendigkeit bestand. Dass private Feiern nur mit bis zu zehn Personen erlaubt seien, diese Begrenzung aber nicht im Restaurant gelte, wüssten die Gäste nicht. „Die Politik hat das schlecht ausgedrückt“, kritisiert Rohloff.

An die Hygieneregeln halten sich beide Gastronomen strikt. Wer den „Marzahner Krug“ besucht, findet direkt am Eingang einen Desinfektionsmittelspender und muss seine persönlichen Daten angeben. Die Gäste werden vom Personal an ihren Platz geleitet. Um den Mindestabstand einzuhalten, werden manche Tische nicht besetzt. Dort, wo die Tische doch mal ein wenig enger zusammenstehen wie im Großen Saal, sind Plexiglasscheiben installiert. Von seinen 300 Plätzen kann Frank Rohloff bei voller Auslastung aktuell etwa ein Drittel nutzen. In Susan Kyewskis Gaststätte am S-Bahnhof Kaulsdorf stehen von 80 Plätzen derzeit noch 40 zur Verfügung. Auf Plexiglas und Desinfektionsmittel greift auch sie zurück. Das Personal trägt Mund-Nasen-Schutz.

Dass der Senat für Restaurants, Kneipen und Bars, die wegen der nächtlichen Sperrstunde zur Eindämmung der Corona-Pandemie in der Existenz bedroht sind, jeweils 3000 Euro als Soforthilfe lockermacht, reicht aus Sicht Kyewskis nicht aus. „Was sind für diejenigen, die davon leben und ab 23 Uhr ihr Hauptgeschäft machen, schon 3000 Euro?“ Mit Blick auf den Winter sagt sie: „Ich glaube, das große Gastronomiesterben kommt noch.“ Marzahn-Hellersdorf habe jedoch den Vorteil, dass Bars und Restaurants zumeist von Einheimischen aufgesucht würden und selten von Touristen. Die Gaststätten-Betreiberin ist wie Frank Rohloff optimistisch, diese schwierigen Monate zu überstehen. Dramatisch wäre nur ein zweiter Lockdown.

Um auch den Außenbereich weiterhin nutzen zu können, hat Kyewski ein Raucherzelt mit einem elektrischen Heizpilz aufgebaut. Ein zweites soll noch dazukommen. Auch Rohloff hat Interesse daran, Heizpilze aufzustellen. Damit möchte er seinen Biergarten attraktiver machen und bald weihnachtlich dekorieren. Trotz aller Kritik haben beide Gastronomen auch lobende Worte für die Politik parat. So habe die Mehrwertsteuersenkung eine deutliche Entlastung gebracht. Damit könnten sie einen Teil der Einnahmeverluste der vergangenen Monate kompensieren.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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