Allgemeine Verunsicherung
Gastronomen kritisieren Politik und improvisieren im Winter

Die Maske bei der Arbeit zu tragen, ist für Angestellte in der Gastronomie, wie hier im "Marzahner Krug", längst Alltag.
3Bilder
  • Die Maske bei der Arbeit zu tragen, ist für Angestellte in der Gastronomie, wie hier im "Marzahner Krug", längst Alltag.
  • Foto: Philipp Hartmann
  • hochgeladen von Philipp Hartmann

Für Gastronomen ist das Jahr 2020 geprägt von Umsatzeinbrüchen und ständig neuen Corona-Regeln. Zumeist steht dabei die Branche in den City-Bezirken im Mittelpunkt. Doch wie schätzen Betreiber von Gaststätten, Bars und Restaurants in Marzahn-Hellersdorf die Lage ein? Haben sie Existenzängste, und was tun sie, um ihre Gäste auch in den Wintermonaten bewirten zu können? Zwei Beispiele.

Frank Rohloff, seit September Pächter des traditionsreichen Gasthauses „Marzahner Krug“ in Alt-Marzahn, würde sich mehr Kommunikation vonseiten der Verwaltung wünschen. Offizielle Informationen darüber, was erlaubt sei und was nicht, bekäme er weder vom Bezirk noch vom Senat. Stattdessen müsse er sich diese selbst im Internet zusammensuchen.

Auch Susan Kyewski, Inhaberin der Gaststätte „Zur S-Bahn Kaulsdorf“, beklagt die mangelnde Unterstützung. „Der Senat entscheidet immer wieder neue Regeln“, erklärt sie. Jeden Tag verbringe sie viel Zeit damit, sich über den aktuellen Stand zu informieren, um in ihrem Restaurant nichts falsch zu machen. „Auch meine Kollegen fragen mich jeden Tag, was es Neues gibt.“ Ihre Gäste seien mittlerweile genauso verunsichert. Sie wüssten nicht mehr, für wie viele Personen sie reservieren und mit vielen Freunden und Familienmitgliedern sie ein Restaurant besuchen dürften. Diese Verunsicherung spürt auch Frank Rohloff. Einige Gäste hätten Feiern abgesagt, obwohl keine Notwendigkeit bestand. Dass private Feiern nur mit bis zu zehn Personen erlaubt seien, diese Begrenzung aber nicht im Restaurant gelte, wüssten die Gäste nicht. „Die Politik hat das schlecht ausgedrückt“, kritisiert Rohloff.

An die Hygieneregeln halten sich beide Gastronomen strikt. Wer den „Marzahner Krug“ besucht, findet direkt am Eingang einen Desinfektionsmittelspender und muss seine persönlichen Daten angeben. Die Gäste werden vom Personal an ihren Platz geleitet. Um den Mindestabstand einzuhalten, werden manche Tische nicht besetzt. Dort, wo die Tische doch mal ein wenig enger zusammenstehen wie im Großen Saal, sind Plexiglasscheiben installiert. Von seinen 300 Plätzen kann Frank Rohloff bei voller Auslastung aktuell etwa ein Drittel nutzen. In Susan Kyewskis Gaststätte am S-Bahnhof Kaulsdorf stehen von 80 Plätzen derzeit noch 40 zur Verfügung. Auf Plexiglas und Desinfektionsmittel greift auch sie zurück. Das Personal trägt Mund-Nasen-Schutz.

Dass der Senat für Restaurants, Kneipen und Bars, die wegen der nächtlichen Sperrstunde zur Eindämmung der Corona-Pandemie in der Existenz bedroht sind, jeweils 3000 Euro als Soforthilfe lockermacht, reicht aus Sicht Kyewskis nicht aus. „Was sind für diejenigen, die davon leben und ab 23 Uhr ihr Hauptgeschäft machen, schon 3000 Euro?“ Mit Blick auf den Winter sagt sie: „Ich glaube, das große Gastronomiesterben kommt noch.“ Marzahn-Hellersdorf habe jedoch den Vorteil, dass Bars und Restaurants zumeist von Einheimischen aufgesucht würden und selten von Touristen. Die Gaststätten-Betreiberin ist wie Frank Rohloff optimistisch, diese schwierigen Monate zu überstehen. Dramatisch wäre nur ein zweiter Lockdown.

Um auch den Außenbereich weiterhin nutzen zu können, hat Kyewski ein Raucherzelt mit einem elektrischen Heizpilz aufgebaut. Ein zweites soll noch dazukommen. Auch Rohloff hat Interesse daran, Heizpilze aufzustellen. Damit möchte er seinen Biergarten attraktiver machen und bald weihnachtlich dekorieren. Trotz aller Kritik haben beide Gastronomen auch lobende Worte für die Politik parat. So habe die Mehrwertsteuersenkung eine deutliche Entlastung gebracht. Damit könnten sie einen Teil der Einnahmeverluste der vergangenen Monate kompensieren.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

15 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Das Team von Optik an der Zeile (von links): Michael Hahn, Rita Kleinkamp, Andreas Kleinkamp, Uwe Olewski.

Optik an der Zeile
Wir ziehen um: Rausverkauf startet am 1. Dezember 2020

Optik an der Zeile muss umziehen! Seit mehr als 30 Jahren ist nun Optik an der Zeile, Inhaber Andreas Kleinkamp, ein Begriff als Optiker im Märkischen Viertel. Seit J. Wilhelm das Unternehmen vor 36 Jahren gründete, hat sich viel verändert. So verändert sich auch das Märkische Zentrum zurzeit. Andreas Kleinkamp sagte: „Wir verabschieden uns vom Brunnenplatz mit einem Rausverkauf. Ab dem 1. Dezember 2020 geben wir auf die lagernden Brillenfassungen sensationelle Rabatte. Wir müssen umziehen...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 17.11.20
  • 490× gelesen
WirtschaftAnzeige
7 Bilder

Geekmaxi
Top-Angebote zum Black Friday

Geekmaxi (www.geekmaxi.com) ist eine in Europa ansässige E-Commerce-Website, auf der die neuesten Geräte wie Smart Home, Outdoors, Electronics und viele mehr verkauft werden. Da der Black Friday vor der Tür steht, hat Geekmaxi seinen Big Sale gestartet und einige exklusive Angebote für Sie zusammengestellt. Hier ist der Pre Black Friday Sale: https://bit.ly/2UBqpqx, Sie können den 3% Rabatt-Gutscheincode verwenden: NEWGEEKMAXI. 249,99 € für XIAOMI ROIDMI NEX X20...

  • Mitte
  • 17.11.20
  • 194× gelesen
WirtschaftAnzeige
Mariessa Franke (Mitte) und Charlotte Taufmann (rechts) sind zwei von vier Auszubildenden im Unternehmen, die Robert Hahn in ihrer dreijährigen Ausbildung zu qualifizierten Bestattungsfachkräften ausbildet.
2 Bilder

HAHN Bestattungen
Anspruchsvoller Beruf mit Zukunft: Bestattungsfachkraft

Beraten und betreuen – HAHN Bestattungen, als Berlins ältestes Bestattungsinstitut im Familienbesitz, widmet sich nicht nur in fürsorglicher Weise Angehörigen im Trauerfall, sondern auch dem qualifizierten Nachwuchs. „Es ist eine anspruchsvolle und herausfordernde Aufgabe, einem verstorbenen Menschen die letzte Ehre zu erweisen und seine Angehörigen in den schweren Stunden des Abschieds sowohl psychisch als auch organisatorisch zu unterstützen“, sagt Robert Hahn, Urururenkel des...

  • Tempelhof-Schöneberg
  • 17.11.20
  • 195× gelesen
WirtschaftAnzeige
Genießen Sie kulinarische Köstlichkeiten im Spitzenrestaurant "Machiavelli".
4 Bilder

Restaurant "Machiavelli" am Roseneck
Seit 10 Jahren eine der besten Adressen in Grunewald

Dass das Spitzenrestaurant "Machiavelli" zu den ersten Adressen in der Hauptstadt gehört, ist berlinweit bestens bekannt. So überzeugt die Location seit dieser Zeit mit einer landestypischen italienischen, aber auch alpenländischen Kulinarik vom Feinsten. Darüber hinaus präsentiert sich das "Machiavelli" als wahre grüne Oase inmitten der Großstadt. Aktuell überrascht das Team selbstverständlich auch mit diversen Pfifferlingskreationen, wobei der beliebte, schmackhafte Pilz gern mit einem...

  • Grunewald
  • 04.08.20
  • 794× gelesen
UmweltAnzeige
4 Bilder

Baumfällung:
Was und wann darf gefällt werden?

Für eine Baumfällung kann es viele Gründe geben: Alter oder Krankheit des Baums, ein Bauvorhaben, Sicherheit, unzumutbare Beschattung, Beeinträchtigung der Bäume untereinander. Um einen Baum zu fällen, müssen in Berlin und Brandenburg die entsprechenden Gesetze und Vorschriften eingehalten werden. Möchte man einen Baum in Berlin und Brandenburg fällen, muss zunächst festgestellt werden, ob der Baum geschützt ist. Gleichermaßen gilt während der Brut- und Setzzeit zwischen dem 1. März und dem...

  • Spandau
  • 23.11.20
  • 78× gelesen

Diskussion schließen

Hinweis: Der Autor wird vom System benachrichtigt

add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.

Karte einbetten

Abbrechen

Video einbetten

Es können nur einzelne Videos der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Playlists, Streams oder Übersichtsseiten.

Abbrechen

Social-Media Link einfügen

Es können nur einzelne Beiträge der jeweiligen Plattformen eingebunden werden, nicht jedoch Übersichtsseiten.

Abbrechen

Beitrag oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen

Schnappschuss einbetten

Abbrechen

Veranstaltung oder Bildergalerie einbetten

Abbrechen