Musikalische Graffitikunst
16 Künstler gestalten Lärmschutzwand an der Märkischen Allee zu einer Open-Air-Galerie

Die Lärmschutzwand zieren Motive mit Musikbezug. Das war Teil des Konzepts.
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  • Die Lärmschutzwand zieren Motive mit Musikbezug. Das war Teil des Konzepts.
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Der Affe pafft genüsslich eine Zigarre, während er einen Ghettoblaster auf dem Rücken trägt. Dessen Sound hört sich eine Frau daneben über Kopfhörer an. Diese beiden direkt miteinander verbundenen Motive unterschiedlicher Künstler bedecken nur einen kleinen Teil einer 180 Meter langen Lärmschutzwand an der Märkischen Allee, die zur Graffiti-Galerie umgestaltet wurde.

Im Auftrag der Senatsverwaltung für Stadtentwicklung und Wohnen hat die Weißenseer Kreativ- und Werbeagentur „0815 Industries“ Marzahn gewissermaßen seine eigene East Side Gallery beschert. 16 nationale und internationale Künstler hat Geschäftsführer Jan Schmidt dafür zusammengetrommelt. Sie haben die Funktionswand, die die Modulare Flüchtlingsunterkunft an der Paul-Schwenk-Straße vor Verkehrslärm von der Märkischen Allee abschotten soll, unter dem Motto „Schall-Platte – Musik für die Augen“ gestaltet.

Musikinstrumente, Noten und der Berliner Bär

Musikinstrumente, Lautsprecherboxen, Noten, ein Berliner Bär und viele weitere Hingucker überwiegend in Lila, Rot und Türkis ziehen sich über die vorher triste graue Wand. Seit Mitte August wird eine Fläche von insgesamt 600 Quadratmetern verziert. Bis Mitte September soll auch noch die Rückseite der u-förmigen Wand gestaltet werden. Die Kunstwerke sprühen vor allem Kinder und Jugendliche von fünf Jugendclubs aus dem Bezirk.

„Ich denke mal, die nächsten sechs, sieben Jahre wird die Wand so bleiben“, sagt Jan Schmidt, der bereits viel Erfahrung in der Graffitiszene gesammelt hat. „Man muss nicht mehr nach Friedrichshain oder Kreuzberg gehen, um Graffitikunst zu sehen. Mittlerweile kann man hier in Marzahn-Hellersdorf richtige Graffititouren machen.“

Agentur gestaltete mehrere Tunnel

Unter Kennern sei Berlins Osten bereits heute das Mekka für die Kunst aus der Sprühdose. Mit seiner Agentur hat er sich in der Vergangenheit bereits um die Gestaltung von Fußgängerunterführungen und Tunneln an den S-Bahnhöfen Ahrensfelde, Mehrower Allee, Raoul-Wallenberg-Straße und Poelchaustraße gekümmert. Außerdem gestaltete „0815 Industries“ für die GASAG und die Eisbären Berlin einen Dampfer inklusive 3D-modelliertem Eisbärenkopf, setzte Projekte für „Dunkin‘ Donuts“ und „Cosy-Wasch“ um und kümmert sich um Markenentwicklung sowie Etikett-Gestaltung der bekannten Likörmarke „Berliner Luft“ der Kaulsdorfer Firma „Schilkin“. Darüber hinaus ist die Agentur auch beim Schulprojekt „Stromkastenstyling“ gefragt, bei dem Schüler Stromkästen in ihrem Kiez künstlerisch gestalten.

„Uns ist wichtig, dass Kinder und Jugendliche, die Lust haben, eine Sprühdose in die Hand zu nehmen, das unter Aufsicht machen und dafür legale Flächen nehmen“, betont Jan Schmidt. „Mit Vandalismus habe ich ein Problem.“ Dass die Lärmschutzwand von anderen verunstaltet wird, glaubt er nicht. „Wir haben hier einige professionelle Künstler dazu geholt, die in der Szene bekannt sind. Und in der Graffitiszene gibt es einen Ehrencodex, die Motive anderer nicht zu übersprühen.“

Affe mit Ghettoblaster

Vier Künstler sind in seiner Agentur festangestellt, hinzu kommt ein Pool aus freien Künstlern. Beteiligt an der Lärmschutzwand waren Sprayer aus Serbien, Kroatien, Italien, aus dem Norden und Süden Deutschlands sowie aus Berlin. Einer von ihnen ist Saša Jovičić, Künstlername „Phet“. Der Graffiti-Künstler aus Moabit hat unter anderem den Affen mit dem Ghettoblaster kreiert.

Die Zusammenarbeit mit der Senatsverwaltung sei schnell und unkompliziert gewesen, berichtet Jan Schmidt, der in Marzahn-Hellersdorf aufgewachsen ist. Nachdem er für das Projekt kontaktiert wurde, entwickelten er und sein Team ein Konzept, stellten es vor und konnten wenige Wochen später bereits loslegen. Von den Bewohnern der Unterkunft, die die Kunstwerke nun permanent im Blick haben, habe es schöne Reaktionen gegeben. „Es wurde gewinkt und wir wurden auch schon bejubelt“, freut er sich.

Autor:

Philipp Hartmann aus Köpenick

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