Ein Déjà-vu mit Schinkel im Berliner Roten Rathaus?

Eröffnung der Ausstellung REKONSTURKTION DER BAUAKADEMIE. v.l.n.r.: Prof. Dipl. Ing. Mara Pinardi und Wolfgang Schoele, Vorsitzender des Fördervereins zur Wiedererrichtung der Schinkelschen Bauakademie. Foto: Anne Schäfer-Junker
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Ausstellung "Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie.
Historische Rekonstruktion oder Neuinterpretation?" Semesterarbeiten des Masterstudienganges Architektur der Beuth Hochschule für Technik Berlin zum Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie (vom 12. Juli bis 5. September 2017)

Unmöglich, aber nicht undenkbar: gestern könnte ich Karl Friedrich Schinkel im Roten Rathaus bei dieser Ausstellungseröffnung begegnet sein. Viele Geister der bedeutenden preußischen Geschichte wandeln dort durch die Hallen und scheinen besonders im schönsten Raum des Hauses, dem Säulensaal mit orangeroten Kreuzrippengewölben, für eine Begegnung dankbar zu sein. Gastgeber’ im Geiste war der einstige Schüler der Bauakademie, Baumeister Hermann Friedrich Waesemann, der Architekt des „Roten Rathauses“, der von 1832 bis 1835 an der Berliner Bauakademie studierte. Zu dieser Zeit war Karl Friedrich Schinkel schon ein anerkannter preußischer Baumeister und errichtete grad den damals so genannten „Roten Kasten“ (1832-1836), unter dem wir heute die Schinkelsche Bauakademie erinnern. Terrakotta als Baustoff war edel, beliebt und die Tonwarenhersteller begabt und berühmt, die Tongruben befanden sich rings um Berlin.

Die Schinkelsche Bauakademie, in der Karl Friedrich und Susanne Schinkel, geb. Berger, mit ihren Kindern auch wohnten, wird auf Beschluss des Bundestages wiedererrichtet. Die ideelle, vorbildhafte Nähe zu Schinkels Bauakademie für den Neubau am Werderschen Markt ist gesetzt. Vor diesem Hintergrund zeigen Studierende der Beuth Hochschule für Technik Berlin im Treppenumlauf des Foyers im Roten Rathaus ihre interessanten Ideen. Die fachliche Leitung und die Auswahl von Semesterarbeiten des Masterstudienganges Architektur zum Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie lag in den Händen von Frau Prof. Dipl.-Ing. Mara Pinardi und Frau Dipl.-Ing. Alexandra Schubert.

Den Förderverein Bauakademie und die Errichtungsstiftung Bauakademie verbinden seit Jahren fruchtbare Kooperationen mit der Beuth Hochschule für Technik Berlin. Die Initiative zu dieser Ausstellung ging vom „Förderverein Bauakademie: Internationales Zentrum für die nachhaltige Gestaltung von Lebensräumen“ mit seinem seit Jahrzehnten sehr verdienstvoll wirkenden Vorsitzenden Wolfgang Schoele aus.

Diese Auswahl von Semesterarbeiten des Masterstudienganges Architektur zum Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie ist das Spannendste, was ich in letzter Zeit für ein so bedeutendes Anliegen gesehen habe. Da treffen behutsame Vorschläge zur Nutzung und Innengestaltung bei der Rekonstruktion der Bauakademie auf sehr klare stadträumliche Beziehungen, die die Bedeutung der Bauten in der historischen Mitte in ihren Zusammenhängen und gegenseitigen Ergänzungen wunderbar vertiefen. Die Debatten der letzten Jahre werden hier durch klare, sinnvolle und schöne Entwürfe kritisch gespiegelt. Effizient auf einen Punkt gebrachte gute Architektur und Raumplanung an diesem bedeutenden Ort an der Spreeinsel – da weitet sich die Seele und erteilt dem larmoyanten Berliner Dauergelabere eine klare Abfuhr. Der beschlossene Wiederaufbau der Schinkelschen Bauakademie erhält durch den freien Blick auf die ästhetisch-sinnfälligen Ideen der jungen Architekten für eine höchst qualitativ orientierte Rekonstruktion, einer Wiedererrichtung, einleuchtende Konzepte.

Wie Frau Prof. Pinardie deutlich machte, sind „Rekonstruktion und moderne Nutzung sehr gut vereinbar. Die ‚neue’ Bauakademie soll ein Gebäude für architektonische Lehre und Lust am Erleben von Stadt im Schinkelschen Sinne sein. Die Gestaltungskonzepte gehen von einer Rekonstruktion des Gebäudes aus, die die Kubatur und die historischen Fassaden der Bauakademie berücksichtigt – mit Ausnahme der Öffnungen in der Erdgeschosszone – und interpretierend mit den Innenräumen umgeht.“

Dass dieser Elan der zukünftigen Baumeister an der Beuth Hochschule erhalten bleiben möge, ist ihnen zu wünschen. Momentan kämpft der Masterstudiengang Architektur um notwendige Arbeitsräume – welch Paradoxon! – um ihr Studium qualifiziert fortzusetzen. „Rettet die Schwedenstrasse 9!“ – 2012 angemietete Räume, weil auf dem Hauptcampus der Beuth Hochschule im Wedding kein Platz mehr war. Zu wünschen wäre den Studenten im FB IV, wie Christian Alles, und allen die diese engagierten Entwürfe hervorbringen, dass nicht nur der Dekan FB IV Prof. Kummert und weitere Dozenten Unterstützung gewähren, sondern dass sich das Präsidium der Beuth Hochschule auf einen konstruktiv-fruchtbaren Dialog im Sinne von Freiheit in Kunst und Wissenschaft mit ihnen einlässt. Meinungsäußerungen und Proteste müssen möglich sein, damit der offenbar schwelende Disput nicht weiter eskaliert.

Seit mehreren Jahren hat sich die Beuth Hochschule, bspw. unter der Leitung von Prof. Dr.-Ing. Willi Hasselmann, immer wieder Schinkels Bauten und besonders der im Zweiten Weltkrieg beschädigten und dann in der DDR abgerissenen Bauakademie am Werderschen Markt gewidmet. Jetzt ist es Zeit, dass diese Generation junger Architekten die „Stadtreparatur“ weiterführt. Da hilft es nicht, Tegel offen halten zu wollen – für die Beuth Hochschule wäre die Erweiterung ihrer Lehr“Räume“ der richtige Schritt in die Zukunft. Diesen muss man ermöglichen und den BER endlich eröffnen. Diese wichtige kleine Ausstellung mit vielen anschaulichen echten(!) Modellen, ja die Arbeit der Studierenden generell, sollte unbedingt als wichtiger, sehr qualitätvoller Berliner Beitrag zur Debatte einer Berliner Stadtkultur für nachhaltiges Bauen gewertet werden.

Eingang Rathausstraße 15, 10178 Berlin. Öffnungszeiten: wochentags von 10 bis 18 Uhr, nicht am 25.7.2017, Samstag und Sonntag geschlossen. Der Eintritt ist frei.

Anne Schäfer-Junker, Französisch Buchholz

Autor:

Anne Schäfer-Junker aus Französisch Buchholz

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