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Straßenbahn nur im Osten: Die Geschichte der BVG in einem neuen Buch

BVG-Chefin Sigrid Nikutta, eingerahmt von Christian Dirks (rechts), Christian Mentel und rbb-Moderator Ulli Zelle (links), der das Vorwort schrieb.
BVG-Chefin Sigrid Nikutta, eingerahmt von Christian Dirks (rechts), Christian Mentel und rbb-Moderator Ulli Zelle (links), der das Vorwort schrieb. (Foto: Philipp Hartmann)

Mitte.

„Wir wollten eine populäre Geschichte schreiben, die für jeden gut lesbar ist, und kein trockenes, wissenschaftliches Werk voller Statistiken“, sagt Historiker Christian Mentel.

Er und sein Kollege Christian Dirks haben viele Bücher und Zeitungsartikel durchforstet und im BVG-Archiv recherchiert. Herausgekommen ist ein Buch, gespickt mit kleinen Anekdoten, die die Geschichte der BVG nachzeichnen. Diese ist schon immer eng mit der Geschichte Berlins verknüpft gewesen.

So wurden nach Ende des Zweiten Weltkriegs die Berliner Verkehrsbetriebe in einen Ost- und einen Westbetrieb aufgeteilt. Durch den Mauerbau endete 1961 der gemeinsame Nahverkehr über die Sektorengrenzen und die beiden Betriebe entwickelten sich unter den jeweiligen politischen Systemen in unterschiedliche Richtungen.

Entscheidungen, die damals getroffen wurden, prägen auch heute noch das Stadtbild. So kam es beispielsweise dazu, dass im Westteil Berlins der Straßenbahnverkehr komplett eingestellt wurde. „Die Straßenbahn galt in den Sechzigern als veraltet und ungeeignet für den Verkehr der Zukunft“, erzählt Mentel. Im Westen wurden daher konsequent alle Straßenbahngleise, zum Beispiel auf dem Kurfürstendamm, herausgerissen und Straßen neu geteert. Autos und neue Autobahnen sollten die Zukunft sein.

Auch im Osten galt die Straßenbahn als Auslaufmodell. Durch den 1971 auf einem Parteitag der SED beschlossenen umfangreichen Wohnungsbau mussten jedoch große Neubausiedlungen im heutigen Marzahn, Hellersdorf und Hohenschönhausen ans Zentrum angeschlossen werden. Weil der Ausbau des S-Bahn-Netzes dabei nicht mithalten konnte und sich die geplanten neuen U-Bahn-Strecken als zu teuer erwiesen, baute die DDR gezwungenermaßen ihr Straßenbahnnetz aus.

„Endstation Mauer: Die Berliner Verkehrsbetriebe in Ost und West 1945-1989“ (Mitteldeutscher Verlag, 14,95 Euro) beschreibt anschaulich diese und viele weitere Geschichten. Auch eine der wenigen dokumentierten U-Bahn-Fluchten wird im Buch nacherzählt.

Dabei setzte sich Dieter Wendt, ein Mitarbeiter der Verkehrsbetriebe, im März 1980 mit seinem Cousin, dessen Frau und ihrem zweijährigen Sohn in den Westen ab. Über die Gleise am U-Bahnhof Klosterstraße ging es bis zu einem Stahlschott unter der Spree an der Jannowitzbrücke und nach einigen geknackten Schlössern weiter in den Tunnel der U8. Dort gab Wendt einem herannahenden Zug das Haltesignal und hatte Glück. „Der Fahrer sagte: ‚Rein und hinlegen.‘ Auf dem Bauch sind wir ausgereist, damit uns die DDR-Grenzsoldaten auf dem Bahnhof Heinrich-Heine-Straße nicht sehen“, erinnert er sich.

„Endstation Mauer“ ist in allen BVG-eigenen Verkaufsstellen und im Onlineshop erhältlich. Ein viertes Buch zur Geschichte der BVG ist bereits in Planung und soll sich mit der Beschäftigung von Frauen im Betrieb auseinandersetzen. PH

BVG-Chefin Sigrid Nikutta, eingerahmt von Christian Dirks (rechts), Christian Mentel und rbb-Moderator Ulli Zelle (links), der das Vorwort schrieb.
Unfreiwillig komisch: der Fensterputzer, der während der Buchvorstellung zufällig die Aufmerksamkeit auf sich zog. Ulli Zelle überreichte dem Mann spontan ein Exemplar von "Endstation Mauer".
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