Wirbel um "Trostfrau"
Statue kann vorerst bleiben

Friedlicher Protest: Das Denkmal in Moabit soll bleiben. Es war erst Ende September eingeweiht worden.
3Bilder
  • Friedlicher Protest: Das Denkmal in Moabit soll bleiben. Es war erst Ende September eingeweiht worden.
  • Foto: Ulrike Kiefert
  • hochgeladen von Ulrike Kiefert

Die umstrittene „Friedensstatue“ darf vorerst bleiben. Das Bezirksamt wollte sie eigentlich entfernen lassen, doch der Korea-Verband protestierte und stellte einen Eilantrag beim Verwaltungsgericht.

Die „Friedensstatue“ an der Bremer Straße/Ecke Birkenstraße hat für einigen Wirbel gesorgt – und das Berliner Verwaltungsgericht beschäftigt. Das gab nämlich jetzt einem Eilantrag des Korea-Verbandes auf einstweiligen Rechtsschutz statt. Damit darf die Statue stehen bleiben – zumindest so lange, „bis hierzu eine grundsätzliche Bewertung des Verwaltungsgerichts vorliegt“, erklärte Bürgermeister Stephan von Dassel (Grüne).

Wünschenswert sei ein Kompromiss

„Wir werden die Zeit nutzen, um unsere eigenen sowie die Argumente aller beteiligten Akteure in diesem komplexen Disput erneut gründlich abzuwägen“, so der Rathauschef weiter. Wünschenswert sei ein Kompromiss, der den Interessen des Korea-Verbands sowie den Interessen der japanischen Seite gerecht werden könne. Und es wäre begrüßenswert, das Mahnmal so zu gestalten, dass alle Beteiligten damit leben könnten.

Was ist passiert?

Was ist passiert? Das Bezirksamt hatte den Korea-Verband aufgefordert, die „Friedensstatue“ innerhalb einer Woche bis zum 14. Oktober aus Moabit zu entfernen. Das Denkmal ist dem Korea-Verband zufolge den Opfern sexualisierter Kriegsgewalt gewidmet und war erst im September enthüllt worden. Die Bronzestatue zeigt eine Zwangsprostituierte des japanischen Militärs während des Zweiten Weltkriegs. Neben ihr steht ein leerer Stuhl. Das Bezirksamt begründete die Anordnung zum Entfernen der Statue mit „Irritationen“. So werde mit der "Friedensstatue und ihrer Texttafel ein politisch-historisch belasteter und komplexer Konflikt zwischen zwei Staaten aufgegriffen, der sich nicht für die Aufarbeitung in Deutschland eignet“. Sprich: Die Skulptur thematisiere ausschließlich das Verhalten der japanischen Armee im Zweiten Weltkrieg. Dabei sollte es generell um „sexualisierte Gewalt gegen Frauen in kriegerischen Konflikten“ gehen.

"Fadenscheinige Pseudo-Argumente"

Der Berliner Korea-Verband sieht das anders: „Die Regierung in Tokio hatte direkt nach Enthüllung der Statue Druck auf das Auswärtige Amt, den Berliner Senat und das Bezirksamt Mitte ausgeübt. Es hat nur wenige Tage gedauert, bis Berlin einknickte und die Grundrechte auf Kunst- und Meinungsfreiheit einschränken lassen will“, heißt es in einer Stellungnahme. Verbandsvorsitzende Nataly Jung-Hwa Han wird deutlicher: „Das Bezirksamt Mitte konstruiert fadenscheinige Pseudo-Argumente. Der Korea-Verband hat von Anfang an transparent gearbeitet und auch darauf hingewiesen, dass mit deutlichen Protesten der japanischen Regierung zu rechnen sei.“ Zudem entspreche der Wortlaut der Texttafel genau den Angaben aus dem Genehmigungsantrag des Verbandes. "Das Bezirksamt Mitte wusste also, dass die Statue die nachgewiesenen Verbrechen der kaiserlich-japanischen Armee thematisieren würde.“ Kurz nach der Anordnung veröffentlichte der Korea-Verband einen offenen Brief, und am 13. Oktober demonstrierten rund 200 Menschen vor Ort friedlich für den Erhalt der Friedensstatue.

Transparente Diskussion gefordert

Kritik an der Entscheidung des Bürgermeisters kommt auch von Parteikollegen. So forderte ihn die Grünen-Fraktion zur Rücknahme des Widerrufs auf. Denn: „Mit der Entscheidung, die Genehmigung zu widerrufen, stellt sich das Bezirksamt gegen die Opfer von sexueller Gewalt im ostasiatischen Raum und befördert die Geschichtsbetrachtung der damaligen Kolonial- und Besatzungsmacht Japan“, sagt Fraktionssprecherin Laura Neugebauer. Die SPD Mitte stößt ins gleiche Horn und ruft zu einer transparenten Diskussion über die „Friedensstatue“ auf. „Das Bezirksamt kann nicht einfach eine Genehmigung erteilen und sie dann ohne konkrete Gründe entziehen. Gerade bei einem solchen Thema muss ein Amt die Entscheidungen transparent darstellen. Das ist in diesem Fall nicht passiert“, so Co-Kreischef Yannick Haan. Auch der Berufsverband Bildender Künstlerinnen und Künstler Berlin (BBK) übt Kritik und mahnt Bürgermeister von Dassel, "das Votum seiner Kommission für Kunst im Stadtraum zu respektieren und zu unterstützen".

Die "Friedensstatue" soll an das Schicksal von Hunderttausenden Mädchen und Frauen erinnern, die während des Asien-Pazifik-Kriegs (1931-1945) vom japanischen Militär verschleppt und als sogenannte "Trostfrauen" sexuell versklavt wurden.

Autor:

Ulrike Kiefert aus Mitte

following

Sie möchten diesem Profil folgen?

Verpassen Sie nicht die neuesten Inhalte von diesem Profil: Melden Sie sich an, um neuen Inhalten von Profilen und Orten in Ihrem persönlichen Feed zu folgen.

27 folgen diesem Profil

Kommentare

online discussion

Sie möchten kommentieren?

Sie möchten zur Diskussion beitragen? Melden Sie sich an, um Kommentare zu verfassen.

Beitragsempfehlungen

WirtschaftAnzeige
Studentische Umzugshelfer Berlin sind der richtige Ansprechpartner für Ihren Umzug.
4 Bilder

So geht Umzug
Studentische Umzugshelfer Berlin

Ein Umzug ist immer mit viel Arbeit verbunden. Es ist daher zumeist von Vorteil, wenn Sie sich tatkräftige Unterstützung für Ihren geplanten Umzug in Berlin holen. Studentische Umzugshelfer sind erfahren und bieten günstige Preise. Die Umzugshilfe Ihrer Wahl kann Ihnen nicht nur beim Umziehen, sondern auch beim Einpacken, Auspacken und Anschließen von Geräten helfen. Schauen Sie, was Ihnen eine erfahrene Umzugsfirma alles bieten kann. Auf uns ist VerlassPlanen Sie einen Umzug in oder...

  • Charlottenburg-Wilmersdorf
  • 16.05.22
  • 166× gelesen
WirtschaftAnzeige
Ugur Yaman - Der Gründer und Experte von Optic Hair
4 Bilder

Haarpigmentierung gibt lichtem Haar keine Chance
Haarpigmentierung in Berlin – Optic Hair beherrscht sein Handwerk

Die Haarpigmentierung Berlin ist der sanfteste Weg zu vollem Haar. Ganz ohne Skalpell und Narben füllt sich das Haarkleid wieder auf. Verständlich, dass viele Alopezie-Patienten die sanfte Behandlung als Gamechanger sehen. Endlich können sie sich auch ohne Transplantation wieder frisch, jung und selbstbewusst fühlen – ganz ohne horrende Haarpigmentierung Kosten. Haarpigmentierung bei Optic Hair – lichtem Haar keine ChanceLichte Stellen im Haarkleid sind eine psychische Belastung, der sich viele...

  • Bezirk Mitte
  • 16.05.22
  • 217× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
In einem Notfall muss alles ganz schnell gehen.

Caritas-Klinik Dominikus Berlin-Reinickendorf
Aus dem Alltag einer Notärztin

Bei einem Notfall sind die ersten Minuten entscheidend. In Sekundenschnelle muss der Notarzt Entscheidungen treffen und lebensrettende Maßnahmen einleiten. Oft kann er in letzter Minute helfen, doch manchmal gelingt es auch nicht. Nerven wie DrahtseileBei aller Hektik braucht es Nerven wie Drahtseile, um ruhig und konzentriert zu bleiben. Im letzten Jahrzehnt hat sich die Notfallmedizin zu einer eigenen, hochspezialisierten Fachrichtung weiterentwickelt – immer mit dem Ziel zu helfen, weil jede...

  • Bezirk Reinickendorf
  • 11.05.22
  • 144× gelesen
Gesundheit und MedizinAnzeige
Dr. Michael Pieschka
3 Bilder

Caritas.EndoskopieZentrum.Berlin
Warum eine Darmspiegelung Leben retten kann

Die Experten des Caritas.EndoskopieZentrum.Berlin geben Antworten rund um das Thema Darmspiegelung und Darmkrebsvorsorge. Gemeinsam leiten Dr. Michael Pieschka und Dr. Christian Breitkreutz das Endoskopiezentrum der Caritas Gesundheit an den Standorten in Reinickendorf und Pankow. Warum ist Darmkrebsvorsorge sinnvoll? Dr. Pieschka: Darmkrebs ist ein „stiller“ Krebs – wenn man ihn bemerkt, ist es fast immer zu spät. Deshalb ist Vorsorge so wichtig. Über 90 Prozent der bösartigen...

  • Pankow
  • 09.05.22
  • 208× gelesen
  • 1
Gesundheit und MedizinAnzeige
Die fortschreitende Digitalisierung erleichtert unser Leben immer mehr. Kein Wunder also, dass auch die Telemedizin immer mehr Befürworter verzeichnet.

Für Ärzte und Patienten
10 Vorteile von Telemedizin

Die fortschreitende Digitalisierung erleichtert unser Leben immer mehr – egal ob es um Bankangelegenheiten, Behördengänge oder die Inanspruchnahme von Lieferdiensten geht. Kein Wunder also, dass auch die Telemedizin immer mehr Befürworter verzeichnet (Quelle: ntv.de). Gerade in Zeiten von Pandemien wird besonders deutlich, wie wichtig die Telemedizin ist – und was sie alles leisten kann. Doch wo genau liegen ihre Vorteile? In diesem Artikel werden wir die Vorzüge der Telemedizin genauer unter...

  • Bezirk Mitte
  • 07.04.22
  • 398× gelesen
WirtschaftAnzeige
Wir beraten Sie gern und heben uns daher ab, Ihre Individualität auch auf dem letzten Weg zu wahren.
3 Bilder

Wir sind für Sie da
Für einen Abschied nach Ihren Vorstellungen

„Die Beerdigung soll ganz einfach sein - auf der grüne Wiese, anonym. Keiner, soll sich um eine Grabpflege kümmern und es soll günstig sein.“ Diesen oder ähnliche Sätze hören wir öfter von unseren Kunden. Wir, Theodor Poeschke Bestattungen, führen nicht nur aus, sondern beraten Sie umfangreich über die neuen, pflegefreien und oft deutlich günstigeren alternativen Bestattungsmöglichkeiten. So sparen Sie leicht 500 bis 600 Euro. Wir sind für Sie da, damit Sie auf Ihre Art Abschied nehmen können....

  • Bezirk Spandau
  • 04.05.22
  • 214× gelesen
add_content

Sie möchten selbst beitragen?

Melden Sie sich jetzt kostenlos an, um selbst mit eigenen Inhalten beizutragen.