Angst vor Verdrängung im Reuterkiez

Mit Transparenten machen Mieter auf ihre Situation wie hier in der Framstraße aufmerksam. Denn ein Milieuschutz könne eine Sanierung nicht verhindern.
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Neukölln. Weil sie höhere Mieten und Verdrängung fürchten, haben sich die Mieter von 170 Wohnungen zwischen der Nansen-, Fram- und Pannierstraße in einer Initiative gegen eine Zwangsversteigerung zusammengeschlossen. Zwar wurde der Termin kurzfristig abgesagt, beruhigt sind die Mieter aber dennoch nicht.

Erst kam es nur gerüchteweise auf, Mitte Mai wurde es zur Gewissheit: Ein Häuserblock mit 14 Mietshäusern, in denen 300 Mieter aller Generationen leben und mehrere kreative Gewerbe im Innenhof angesiedelt sind, sollte unter den Hammer kommen. Weil sich die Erben der vier Grundstücke nicht einigen konnten, stand eine „Teilersteigerung zur Aufhebung der Erbengemeinschaft“ an. Der erste Termin war am 13. Juni beim Amtsgericht anberaumt. Doch es kam anders: Nachdem die Nachricht durchgesickert war, formierte sich Protest. Die Mieter trafen sich zu Gesprächen, gründeten eine Initiative und informieren über ihren Blog unserblockbleibt.wordpress.com über ihren Kampf gegen den Eigentümerwechsel.

Dieser würde nämlich, so befürchten die Menschen, ihre Mieten drastisch in die Höhe treiben und sie somit früher oder später zum Auszug zwingen. Beunruhigt sind die Mieter vor allem, seit sie herausgefunden haben, dass die Brüder Dr. Martin und Florian Hintze, die bereits einen Teil der Immobilien besitzen, den Rest ersteigern wollten. An zwei ihrer Firmen sollen die Samwer-Brüder beteiligt sein, die mit Internet-Firmen ein Vermögen verdienten. Die Initiative befürchtet, dass auch hier das große Geld gemacht werden soll. „Jedes Spekulationsobjekt ist für die Menschen, die darin leben, ein Zuhause. Das muss man sich mal bewusst machen“, meint eine Bewohnerin.

Auch der Milieuschutz im Reuterkiez, der es dem Bezirk ermöglicht, mietsteigernde Luxussanierungen zu untersagen, könne letztlich Sanierungen nicht verhindern, die dann doch zu höheren Mieten führen. „Das können sich viele der jetzigen Bewohner, die im Mittelwert etwa 5 Euro bruttokalt pro Quadratmeter zahlen, nicht leisten.“ Nur ein Erwerb der Immobilien durch eine landeseigene Wohnungsbaugesellschaft könne starke Mietsteigerungen verhindern. Kurzfristig kam dann die Absage der Versteigerung. Nach Auskunft von Florian Hintze sei diese nicht mehr nötig, da sich die Erben jetzt geeinigt hätten. Die Mieter beruhigt das dennoch nicht. Eine Sprecherin: „Wir wurden bisher gar nicht informiert und fordern daher mehr Transparenz, einen Mieterbeirat und Gespräche zwischen allen Beteiligten an einem Tisch.“ SB

Autor:

Sylvia Baumeister aus Neukölln

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